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Lars Geerdes

Schwierige Verhandlungen zur Grenzöffnung

Zwischen den dänischen Parteien herrscht offenbar große Uneinigkeit darüber, ob deutsche Touristen wieder ins Land kommen dürfen.
Zwischen den dänischen Parteien herrscht offenbar große Uneinigkeit darüber, ob deutsche Touristen wieder ins Land kommen dürfen.

Kopenhagen. Im Folketing gibt es eine Mehrheit dafür, die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland für deutsche Touristen wieder zu öffnen.

Immerhin geht es um Milliardenumsätze. Im vergangenen Jahr verbrachten rund 1,2 Millionen Deutsche ihren Urlaub in Dänemark.

Radikale, Alternative und das gesamte bürgerliche Lager sind dafür, die Grenzrestriktionen zu lockern. Die Frage ist, ob die Regierung da mitmacht.

Dagegen spricht aus Regierungssicht unter anderem das Ergebnis einer Meinungsumfrage des Instituts Voxmeter, nach der es eine grundsätzliche Mehrheit der Dänen gegen eine generelle Grenzöffnung gibt (56 Prozent), und auch nur 35,2 Prozent dafür sind, wenigstens die Einreise aus Deutschland zu erlauben, während 41,1 Prozent dies ablehnen und 20,4 Prozent dazu keine Meinung haben.

Die Grenze zwischen Deutschland und Dänemark am Übergang Kruså ist weiterhin für Touristen geschlossen. Die politischen Verhandlungen darüber, ob sich daran bald etwas ändert, dauerten am Mittwochabend noch an. Foto: Claus Fisker, Ritzau Scanpix

Auch das Staatliche Seruminstitut (SSI) warnt vor offenen Grenzen, durch die infizierte Personen einreisen und neue Infektionsketten auslösen könnten. Außerdem könnten mehr Menschen in den Urlaubsregionen dort bereits vorhandene Infektionen weitertragen.

Die Risikoeinschätzung hänge davon ab, wie verbreitet die Infektion in den Ländern sei, aus denen die Gäste anreisen, so das SSI.

Vor diesem Hintergrund lehnte Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) es im Vorfeld der Verhandlungen strikt ab, für die mit einer Grenzöffnung verbundenen Risiken die Verantwortung zu übernehmen – auch nicht gegen den Willen der Folketingsmehrheit.

An der Westküste Jütlands wartet man unterdessen gespannt auf eine Entscheidung. So hat zum Beispiel die Kommune Varde mitgeteilt, dass sie schon jetzt im Mai täglich 10.000 Übernachtungen ausländischer Gäste verliert, was einem Umsatz von zehn Millionen Kronen entspricht, wie der Branchenverband der Ferienhausvermieter errechnet hat.

»Die fehlende Entscheidung über eine Grenzöffnung ist eine Katastrophe für unsere Region«, wird der Bürgermeister von Varde, Erik Buhl (Venstre), in einer Pressemitteilung der Kommune zitiert.

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