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Lars Geerdes

Minister kritisiert Behörden für zu langsamen Umgang mit Corona

Im Gegensatz zum Folketing, das schnell auf die Herausforderungen der Krise reagiert habe, hätten die Gesundheitsbehörden auf der Bremse gestanden, meint Magnus Heunicke.
Im Gegensatz zum Folketing, das schnell auf die Herausforderungen der Krise reagiert habe, hätten die Gesundheitsbehörden auf der Bremse gestanden, meint Magnus Heunicke.

Kopenhagen. Die dänischen Gesundheitsbehörden hätten besser auf den Corona-Ausbruch vorbereitet sein müssen. Dies sagte Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Soz.) am Dienstag in der Radiosendung »P1 Morgen«.

Konkret kritisiert der Minister, dass der Politik zunächst keine klaren und eindeutigen Aussagen der Behörden dazu vorlagen, wie man mit dem Corona-Virus umzugehen habe.

»Wir können feststellen, dass jede einzelne Empfehlung der Gesundheitsbehörden von Christiansborg, dem Folketing, einstimmig befolgt wurde. Aber wir haben auch – das Folketing und die Regierung – noch etwas obendrauf gesetzt«, sagte Heunicke unter Hinweis auf das im Schnellverfahren am 12. März verabschiedete Gesetz, das dem Minister weitgehende Befugnisse im Kampf gegen das Virus einräumte.

»Hier meinten die Behörden allerdings nicht, dass es zu dem Zeitpunkt notwendig war, so weit zu gehen. Heute freue ich mich darüber, dass wir den nötigen Mut hatten zu handeln, weil Zeit ein so wichtiger Faktor hierbei ist. Aber es wäre viel einfacher gewesen, Entscheidungen zu treffen, wenn wir von den Gesundheitsbehörden klare Signale bekommen hätten, das zu tun«, so Heunicke.

Laut der Zeitung »Berlingske« hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über 20 Mal die Gesundheitsbehörden in aller Welt vor dem Corona-Virus gewarnt, während die dänischen Behörden zur Ruhe mahnten. Noch drei Tage, bevor der erste Infektionsfall in Dänemark auftrat, sagte eine Ärztin der Gesundheitsbehörde, Ane Just Ohrt, dass es »nur eine geringe Wahrscheinlichkeit dafür gibt, dass eine erkrankte Person nach Dänemark kommt«.

Im Radio sagte Magnus Heunicke, dass es für ihn schon ziemlich viele Warnungen seien, die von den Behörden ignoriert wurden.

»In Dänemark hatten wir eine sehr geringe Risikoeinschätzung, aber wir waren trotzdem gezwungen zu handeln und politische Verantwortung zu übernehmen. So soll es auch sein, aber das ist einfacher mit eindeutigen Vorgaben«, so der Minister. »Unsere Vorgaben waren aber zweideutig und widersprachen zum Teil unseren Handlungen.

WHO-Generalsekretær, Tedros Adhanom Ghebreyesus hat mehrfach aufs Schärfste empfohlen, mehr Corona-Tests durchzuführen. Diese Empfehlung sei aber nicht auf Dänemark gemünzt gewesen, hat der Direktor der Gesundheitsbehörde, Søren Brostrøm, gesagt.

Dies wird von Heunicke zurückgewiesen:

»Ich hatte direkten Kontakt mit dem Generalsekretär, um genau dieses zu erfragen. Und es stimmt nicht. Die WHO-Forderung lautet, dass alle Länder aggressiv testen sollen.«

Gesundheitsminister Magnus Heunicke ist nicht zufrieden damit, dass die dänischen Gesundheitsbehörden die Corona-Krise viel zu lange nicht ernst nahmen. Ida Guldbæk Arentsen, Ritzau Scanpix

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