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Lars Geerdes

Kinderschützer wollen gegen spezielle Snapchat-Funktion vorgehen

Sechs von zehn Neuntklässlerinnen haben anderen ihr Handy gegeben, um keine »Flammen« zu verlieren.
Sechs von zehn Neuntklässlerinnen haben anderen ihr Handy gegeben, um keine »Flammen« zu verlieren.

Kopenhagen. Die Kinderschutzorganisation Børns Vilkår und mehrere Parteien sorgen sich um das mentale Wohlergehen von Kindern, die die beliebte Kommunikations-App Snapchat nutzen. Dabei geht es vor allem um die sogenannte Flammen-Funktion, die nach Ansicht der Kinderschützer für psychischen Druck sorgt.

Über Snapchat kann man unter anderem Fotos und kurze Videos an seine Freunde verschicken. Die Mitteilungen löschen sich nach einer kurzen Zeit von selbst, und auch das Ansehen der Fotos und Videos ist auf eine sehr kurze Zeitspanne begrenzt, zum Beispiel zehn Sekunden.

Vor allem Mädchen fühlen sich durch die an sie gestellten Anforderungen gestresst. Foto: Jeppe Carlsen, Børns Vilkår

»Flammen« erhält man, wenn sich zwei Freunde jeden Tag mindestens einmal Bilder zuschicken. Je mehr Tage hintereinander man dies durchhält, umso mehr Flammen stehen zu Buche. So sind unter Nutzern schon Ketten von mehreren hundert Flammen entstanden.

Unterbricht man jedoch die Kette, die im englischen Original »Snapstreak« genannt wird, nur für einen Tag, gehen alle angesammelten Flammen verloren.

Macht abhängig

Wie der Direktor von Børns Vilkår, Rasmus Kjeldahl, der Zeitung Politiken sagte, sei diese Funktion »stark abhängig machend«. Die Organisation hat Schülerinnen der 9. Klasse befragt, wobei sechs von zehn Mädchen erklärten, sie hätten ihre Handys schon anderen gegeben, damit diese dafür sorgen, Flammenketten am Leben zu halten. An der Befragung nahmen 1820 Schüler/innen der 6. und 9. Klassen teil. Nur wenige von ihnen hatten kein Snapchat-Konto.

Laut Børns Vilkår müssten die Behörden regulierend eingreifen. »Man sollte ein Gesetz erlassen, das auf jeden Fall solche süchtig machenden Techniken, bei der Psychologie angewendet wird, um eine Abhängigkeit zu schaffen, verbietet oder reguliert«, sagt Kjeldahl. Er möchte dies gegebenenfalls auch auf andere Funktionen als Snapchat-Flammen erweitern.

Die IT- und rechtspolitische Sprecherin der Volkssozialisten, Karina Lorentzen Dehnhardt, unterstützt den Vorschlag und nennt eine Altersbeschränkung als eine Möglichkeit. Und auch die kinder- und bildungspolitische Sprecherin der rechts-liberalen Venstre, Ellen Trane Nørby, möchte untersuchen, ob die Flammen-Funktion verboten werden sollte. Kinder- und Bildungsministerin Pernille Rosenkrantz-Theil (Soz.) wollte sich gegenüber Politiken nicht zu dem Thema äußern.

Auf Anfrage der Zeitung verwies die Snap Inc. mit Hauptsitz in Kalifornien/USA, dass mit der Bildung von Flammen-Ketten keinerlei Belohnungen verbunden seien.

Insgesamt zeigt die Untersuchung von Børns Vilkår ein hohes Stressniveau schon bei Kindern in diesem Alter, ausgelöst durch Erwartungen von Eltern, Schule und Kameraden an Leistungen und Aussehen, sowie durch die permanente Erreichbarkeit auf dem Handy und in den sozialen Medien. Insgesamt antworteten 14 Prozent der Befragten, dass sie sich im vergangenen Monat oft oder dauerhaft gestresst fühlten. Dies galt besonders für Mädchen in der 9. Klasse, von den 30 Prozent diese Frage so beantworteten. Bei den Jungen dieser Altersstufe betrug der Wert nur die Hälfte.

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