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Lars Geerdes

Fernunterricht ist bei Studierenden nicht der Renner

Studierende kritisieren Qualität des Online-Studiums und fühlen schwindende Motivation.
Studierende kritisieren Qualität des Online-Studiums und fühlen schwindende Motivation.

Kopenhagen. Im Vergleich zu Vorlesungen oder Seminaren mit physischer Anwesenheit ist die Qualität des Onlinestudiums aus Sicht der Studierenden schlechter oder sogar viel schlechter. Das meinen fast drei von vier Teilnehmern (71 Prozent) an einer von »Djøf« (Gewerkschaft für Anwälte und Wirtschaftswissenschaftler) durchgeführten Umfrage, über die die Zeitung Information berichtet. An der Umfrage beteiligt hatten sich 1041 studierende Mitglieder der Gewerkschaft.

Die wegen der Corona-Pandemie erfolgte Umstellung auf Fernunterricht wird aber auch nach den Sommerferien nicht der Vergangenheit angehören. Sowohl die Wirtschaftsuniversität Copenhagen Business School (CBS) als auch die Universität Kopenhagen (KU) haben angekündigt, dass gut die Hälfte ihrer Veranstaltungen weiterhin online durchgeführt werden sollen.

Studierende – wie hier an der Copenhagen Business School – vermissen es, bei Vorlesungen physisch anwesend zu sein. Das Online-Studium habe eine geringere Qualität und die Motivation leide unter der häuslichen Isolation, nannten viele Studierende in einer Umfrage. Foto: Mathias Bojesen, Ritzau Scanpix-Archiv

Der Vorsitzende der 22.000 studierenden Djøf-Mitglieder, Kristian Nysom Lassen, hat Bedenken: »Es ist nicht optimal, wenn so viele der Befragten meinen, dass der Unterricht wesentlich schlechter geworden ist. Das zeigt, dass der digitale Unterricht in seiner jetzigen Form nicht gut funktioniert.« CBS und KU sollten deshalb die Studierenden anhören, bevor sie so weitermachen. Auch damit das nicht nur ein Sparprogramm wird«, sagte Lassen der Nachrichtenagentur Ritzau.

60 Prozent der Befragten berichteten, dass sie online weniger Fragen stellten. Und dies sei genau eines der Probleme, sagt Kristian Nysom Lassen. »Das ist eine Form von Wissensverlust. Man bekommt nicht die gleichen Kenntnisse und fragt auch nicht so nach. Es entsteht nicht der Dialog, den man hätte, wenn man physisch zusammen wäre.«

»Wenn man jetzt schon bemerkt, dass weniger Fragen gestellt werden – und das haben auch mehrere Dozenten schon gesagt – handelt es sich um eine weitere Verschlechterung unserer Ausbildung«, sagt Kristian Nysom Lassen.
Als weitere Schwachpunkte des Online-Studiums werden geringerer Umfang und eine chaotische Gestaltung des Unterrichts genannt. Auch die Situation, allein vor einem Computerschirm zu sitzen und sich einsam zu fühlen, habe zu weniger Motivation geführt.

Pädagogische Herausforderungen

Line Palle Andersen, Dozentin für IT und Lehre an der Kopenhagener Fachhochschule (Professionshøjskole) sieht weitere Probleme beim Online-Studium. In Information schildert sie, dass den Dozenten oft die damit verbundenen pädagogischen Herausforderungen nicht klar sind. Anstatt nur in neue Technik zu investieren, sei schon viel gewonnen, wenn die Dozenten im Online-Unterricht geschult würden.

Den Studierenden ihrerseits würden Pausen und soziale Aktivitäten mit Kommilitonen fehlen, die das Leben auf dem Campus prägen. Dieser Verlust und die Angst, dass das dauerhaft so bleibe, beeinflusse das Studium ebenfalls negativ.

Hinzu kämen technische Probleme durch schlechte oder ausfallende Internetverbindungen und nicht zuletzt die Tatsache, dass plötzlich eine Kamera im Haus sei, die einem Fremden Einblicke in die eigene Privatsphäre erlaube und dabei durchaus auch soziale Unterschiede zwischen den Studierenden offenbare, sagt Line Palle Andersen.
Andererseits nennt Kristian Nysom Larsen auch gewisse Vorteile beim Online-Studium via Zoom oder Skype: Unter anderem könne man eine Vorlesung mitschneiden und sich später noch einmal anschauen. Dies sei auch gut für Studierende, die mal verhindert sind.

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