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Lars Geerdes

Corona-Leben zu retten ist extrem teuer

Es ist nicht rational, zwischen einer und zwei Milliarden Kronen für jedes Menschenleben auszugeben, das während der Corona-Krise gerettet wird, sagt ein Gesundheitsökonom.
Es ist nicht rational, zwischen einer und zwei Milliarden Kronen für jedes Menschenleben auszugeben, das während der Corona-Krise gerettet wird, sagt ein Gesundheitsökonom.

Odense. Während der Corona-Epidemie Menschenleben zu retten, kann für die dänische Gesellschaft sehr teuer werden. Ein Facharzt hat errechnet, dass der Preis für jedes einzelne gerettete Leben zwischen einer und zwei Miliarden Kronen liegt. Rein gesundheitsökonomisch betrachtet, sei dieser Einsatz nicht rational begründet, meint Professor Kjeld Møller Pedersen von der Süddänischen Universität.

»Kalt und nüchtern kalkuliert, sind das ziemlich teure Leben«, sagte Pedersen der Zeitung »Kristeligt Dagblad«.

Der Lungenarzt, frühere Direktor des Hvidovre Hospitals und jetzt Vorsitzender des Lungeforeningen Torben Mogensen, hat die genannten Kosten für das Gesundheitswesen errechnet.

»Es wird argumentiert, dass man die Schwachen und Alten beschützen will, aber da stellt sich die Frage: Wie weit will man gehen?«, sagte er der Zeitung.

Die Grenze sei noch nicht erreicht, meint auch Torben Mogensen, weil wir ihm zufolge über das Stadium hinaus sind, »wo man die Alten zum Sterben auf dem Eis ausgesetzt hat, weil sie nicht mehr produktiv waren«.

Bisher war es ein politisches Tabu zu fragen, was ein Menschenleben wert sei. Es sei aber wichtig, diese Frage in einem Gesundheitssystem zu stellen, in dem die Grundprämisse ist, dass das Geld nicht für alles ausreicht, was man gerne möchte, sagen Gesundheitsökonomen.

Ein Gesundheitsbudget sei wie ein Haushaltsbudget, sagt Professor Jakob Kjellberg vom Nationalen Forschungs- und Analysezentrum für Wohlstand (Vive).

»Das Geld, das jetzt für die Corona-Krise ausgegeben wird, fehlt bei zukünftigen Investitionen. Das kann alles treffen: Von der Personalstärke einer allgemeinen medizinischen Station bis zu neuen, teuren Medikamenten oder psychiatrischer Behandlung«, so Kjellberg im »Kristeligt Dagblad«.

»Ein Gesundheitsökonom ist nicht dafür ausgebildet, Empathiker zu sein. Wir kennen Statistik. Wir wollen nicht bestreiten, dass es sehr ernst ist für die schwer erkrankten Corona-Patienten, aber wir stellen fest, dass das hier sehr teuer aussieht«, so Kjellberg weiter.

In Großbritannien und Norwegen operiert man mit einem ungefähren Preis, den das Gesundheitswesen zu zahlen bereit ist. Dabei geht es um sogenannte qualitätsjustierte Lebensjahre, das heißt Lebensjahre mit guter Lebensqualität, und ein solches Jahr wird mit rund 500.000 Kronen veranschlagt.

Das Leben von mit Corona infizierten Patienten zu retten, ist gesundheitsökonomisch betrachtet eine sehr teure Angelegenheit. Henning Bagger, Ritzau Scanpix

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