Single Daily
af

Lennart Adam

Lars Salomonsen

Se videoen: Flensborg Fjord er truet

Sammen med dykker Tobias Kaiser er Flensborg Avis dykket ned til de afhøstede muslingebanker i Flensborg Fjord for at danne sig et billede af eftervirkningerne af muslingefiskeriet og for at se, om forholdene i fjorden har forbedret sig.

Det påstår tilhængerne af fiskeriet nemlig, at de har. Miljøorganisationerne anser imidlertid stadig fjordens økosystem for at være truet.

En sund bestand af muslinger er livsnødvendig for, at bundlivets naturlige balance opretholdes. Vi blev mødt af et alarmerende syn. Mange muslinger var døde og for en stor dels vedkommende overdækket af slam.

Du kan på tysk læse mere om muslingefiskeriet og forholdene i fjorden under videoen.

Kranke Förde

Flensborg Avis ist mit dem Taucher Tobias Kaiser zu den abgeernteten Muschelbänken der Flensburger Förde getaucht. Am Meeresboden bot sich ein erschreckendes Bild.

Ein kurzer Moment des Fallens, als wir uns von der Reling des kleines Motorbootes hintenüber kippen lassen, das sanft auf den Wellen der Flensburger Förde schaukelt. Nässe, Kälte, ein Handzeichen, dass alles in Ordnung ist, dann wird es dunkel, als wir uns langsam in Richtung Meeresboden sinken lassen. Wir sind unterwegs zu den Muschelbänken, die seit nunmehr fast zwei Jahren Gegenstand der Diskussion in Flensburg sind. Wir begleiten an diesem sonnigen Herbsttag Ende Oktober den Taucher Tobias Kaiser, der gemeinsam mit seinem Kollegen Stephan Thomsen vom Unterwasserteam Flensburg seit Anfang 2017 für den Erhalt der Wildmuscheln in der Förde kämpft.

Sie sind in dieser Zeit zu so etwas wie Schalentier-Fürsprecher geworden, denn ihre Unterwasseraufnahmen vom verheerenden Zustand des Fördebodens haben eine Debatte losgetreten, die mittlerweile auch das Umweltministerium in Kiel beschäftigt.

Seit 2009 fischt die nordfriesischen Seemuschel GmbH mit ihrem Muschelkutter »Irene« in der Flensburger Förde nach wildwachsenden Miesmuscheln. Jährlich 1500 Tonnen.

Im März 2017 schließlich wurde die Fischerei gestoppt, nachdem die Lizenz ausgelaufen war. Seitdem tobt der Streit um die Wiederaufnahme.

Tobias Kaiser fra Unterwasserteam Flensburg. Foto: Lars Salomonsen

Tobias Kaiser fra Unterwasserteam Flensburg. Foto: Lars Salomonsen

Am Grund der Förde

Wir wollen uns selbst ein Bild machen von den Auswirkungen der Muschelfischerei und davon, ob sich die Förde mittlerweile wieder davon erholt hat. Das nämlich behaupten die Befürworter.

»Wenn Sie einen Garten haben zuhause, dann fängt es immer dann an richtig zu wachsen, wenn sich der Boden bewegt hat. So ist es auch auf dem Meeresboden. Wenn man den Meeresboden bewegt hat durchs Fischen, dann gibt es eine richtige Wachstumsexplosion«, behauptete Peter Ewaldsen vom Verein schleswig-holsteinischer Muschelfischer in einem Interview gegenüber dem NDR.

Nach einer Explosion sieht es tatsächlich aus. Nach Wachstum weniger.

Als wir nach etwa 40 Sekunden den ersten Bodenkontakt haben, ist von Muscheln zunächst nicht viel zu sehen.

Vor uns erstreckt sich eine Mondlandschaft, ein umgepflügter Unterwasser-Acker. Erst nach einigen Metern tauchen die ersten, vereinzelten Schalen auf. Die Muscheln sind zum größten Teil überdeckt mit Schlamm, der in trüben Wolken aufwirbelt, sobald wir Bodenkontakt machen.

Foto Lars Salomonen.

Foto Lars Salomonen.

Der Schlamm ist auf die Überdüngung der umliegenden Feldern durch die Landwirtschaft zurückzuführen. Die erhöhte Nährstoffzufuhr durch die Düngemittel, die durch Regen und über das Grundwasser ins Meer gelangen, führen zu einem starken Algenwachstum. Diese wiederum schlucken Licht, das so nicht mehr in tiefere Wasserschichten vordringen kann, Algen im tieferen Wasser sterben dadurch ab und der durch die abgestorbenen Algen abgebaute Sauerstoff wiederum kann zu einer Sauerstoffknappheit führen. Kurz: bei zu viel Algen kippt die Förde, ein Überleben für die Unterwasserwelt wäre ohne Sauerstoff nicht mehr möglich.

Eine Miesmuschel allerdings kann innerhalb einer Stunde zwei Liter Wasser klären. Je mehr Muscheln in der Förde siedeln, umso klarer und sauerstoffreicher könnte das Wasser also werden. Für das ökologische Gleichgewicht sind Muscheln daher ein wichtiger Bestandteil.

»Muscheln sind eine natürliche Filteranlage, sozusagen die Lunge der Förde. Taucht man über eine Muschelbank sollte darüber eigentlich das sauberste Wasser sein«, erklärt Kaiser. Kaiser spricht aus Erfahrung, er hat mehrere Jahre auf der ganzen Welt als Tauchlehrer gearbeitet, ist dabei über die ein oder andere Muschelbank getaucht.

Zustände wie in seinem heimischen Tauchrevier allerdings hat er bisher nicht vorgefunden.

Auch die Flächen, in denen der Boden tatsächlich mit Muscheln bedeckt ist, wirken nicht gesund.

Ein großer Teil der Muscheln ist tot. Die offenen Muschelschalen mittlerweile zum größten Zeil mit grünlich-bräunlichem Schlamm überzogen.

Foto Lars Salomonen.

Foto Lars Salomonen.

Starke Spuren

Bis auf knapp elf Meter Wassertiefe tauchen wir ab, die meiste Zeit allerdings befinden wir uns im flacheren Gewässer rund sieben Metern unter dem Meeresspiegel.

Der tiefste Punkt befindet sich am Boden eine Art Graben, der sich wie mit dem Lineal gezogen vor uns auftut und nach einigen Metern im grünen Nichts verschwindet. Die Schneise ist das Ergebnis eines der Schleppkörbe, mit denen die »Irene« noch bis 2017 den Meeresboden nach Miesmuscheln abgegrast hat. Es ist bei Weitem nicht der einzige Graben dieser Art, das zeigt das Sonar an Bord des Schiffes über unseren Köpfen ganz deutlich.

»Als wäre jemand mit einem Kamm durch ein Stück Butter gefahren«, vergleicht Kaiser das Bild, dass sich auf dem Bildschirm abzeichnet.

Die Schneise, an der wir gerade entlang tauchen, befindet sich in einem Gebiet, das laut einer Verträglichkeitsstudie der Firma BioConsult SH zum Teil noch die besten Muschelvorkommen aufweisen soll.

Foto: Tobias Kaiser

Foto: Tobias Kaiser

Die Studie ist Grundlage für die Entscheidung des Kreises Schleswig-Flensburg, die Lizenz für die Wiederaufnahme der Muschelfischerei gegen den Beschluss der Flensburger Ratsversammlung doch wieder zu vergeben.

Die Daten, die von der Firma genutzt wurden, stammen aus dem Jahr 2015, bis 2017 allerdings wurde weitergefischt. Das Ergebnis breitet sich vor uns aus.

»Die Transekte, die wir von der Firma BioConsult SH zur Verfügung gestellt bekommen haben, zeigen deutlich, an welchen Stellen es noch Muschelbänke geben soll, beziehungsweise, wo 2015 zum Zeitpunkt der Datensammlung noch große Muschelvorkommen berichtet wurden. Davon ist nicht viel übrig. Es gibt zwar noch Muschelabdeckungen von drei Dritteln, wie in der Studie behauptet wird, aber davon sind viele Muscheln tot. Das sind keinesfalls Muschelriffe, wie man sie kennt. Die Muscheln sind nicht miteinander verhakt und sie verschlammen langsam. Wir haben während unserer Tauchgänge keine intakte Muschelbank gefunden, das ist ein Trauerspiel«, sagt der Taucher.

Keine Regeneration

Die Einwirkungen der Muschelfischerei sind so deutlich zu sehen, dass von einer Regeneration keine Rede sein kann. Und das, obwohl die Irene bereits seit eineinhalb Jahren fest im Flensburger Hafen am Harniskai festgemacht hat. Die Schneisen müssen also noch älter sein.

Für Tobias Kaiser ist dies erschreckend, aber nicht besonders verwunderlich.

»Die Regeneration einer Muschelbank, die von Schlamm bedeckt ist, ist nicht möglich. Den Tieren fehlt schlicht die Grundlage zum Regenerieren. Selbst, wenn man Saatmuscheln aussetzt, könnten sich diese auf dem schlammigen Boden nicht ansiedeln. Der Versuch könnte sogar den gegenteiligen Effekt bringen, nämlich, dass die Muscheln im Schlamm einfach sterben und dadurch noch mehr Sauerstoff verbraucht wird«, sagt Kaiser.

Foto: Tobias Kaiser

Foto: Tobias Kaiser

Unsichere Zukunft

Uneinigkeit um die Zukunft der Muschelbänke herrscht unterdes nicht nur zwischen Muschelfischern und Umweltverbänden, sondern auch zwischen dem Kreis Schleswig-Flensburg und der Stadt Flensburg.

Die Flensburger Ratsversammlung hatte sich im September parteiübergreifend einstimmig gegen eine erneute Lizenzvergabe für die nordfriesischen Seemuschel GmbH entschieden.

»Ein Muschelriff steht automatisch unter Naturschutz. Wenn man es abernten will, muss man den Naturschutz aufheben und ein öffentliches Interesse nachweisen. Für den Kreis Schleswig-Flensburg scheint dieses vorhanden zu sein. Das kann ich nicht nachvollziehen«, sagt Kaiser.

Foto: Tobias Kaiser

Foto: Tobias Kaiser

Ruhe für die Muscheln

Die nordfriesischen Seemuschel GmbH ist Marktführer für tiefgefrorenes Miesmuschelfleisch. Die Firma aus Emmelsbüll-Horsbüll ist neben der Förde auch im Wattenmeer in der Nordsee aktiv, dort allerdings darf sie ausschließlich Muscheln aus eigener Zucht ernten.

Dies soll künftig auch in der Flensburger Förde geschehen. Laut Aussage des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums, sollen in fünf Jahren nur noch gezüchtete Muscheln geerntet werden, die Wildmuschelfischerei soll um ein Drittel reduziert werden, auf 1000 Tonnen jährlich.

Für Umwelt- und Fischereischutzverbände reicht dies nicht aus. Sie sind sich einig: sterben die Muscheln, stirbt die Förde.

Die Datengrundlage für die Verträglichkeitsstudie sei veraltet und kein aussagekräftiges Kriterium für eine Neuvergabe der Lizenzen.

»Das beste für die Förde wäre, die Muscheln in Ruhe zu lassen. Nicht in drei Jahren, nicht in fünf Jahren, sondern sofort«, sagt Kaiser.

 Foto: Tobias Kaiser

Foto: Tobias Kaiser

 

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