Single Daily
af

Lars Geerdes

Schwerstarbeit für die Lachmuskeln

Das neue Stück der Niederdeutschen Bühne Flensburg, »Een Hart ut Schokolaad«, begeistert durch Witz, Tempo und ein bestens aufgelegtes Ensemble.
Das neue Stück der Niederdeutschen Bühne Flensburg, »Een Hart ut Schokolaad«, begeistert durch Witz, Tempo und ein bestens aufgelegtes Ensemble.

Mit rot eingepackten Schokoladenherzen begrüßte Bühnenchef Rolf Petersen am Samstagabend im Foyer des Flensburger Stadttheaters die Theaterbesucher zur Premiere des neuen Stücks der Niederdeutschen Bühne Flensburg (NDB). Anlass war nicht nur, dass »Een Hart ut Schokolaad« auf dem Programm stand, für das Rolf Petersen gemeinsam mit Ulrike Stern die niederdeutsche Version verfasst hatte, sondern auch das 100-jährige Jubiläum der NDB, das im März 2020 gefeiert werden soll. Eine neue Internetadresse, »100jahre-ndb.de«, war auf den Herzchen aufgeklebt, und »herzlich« ging es auch gleich im Zuschauerraum weiter, wo ein Scheinwerfer ein großes Herz auf den noch geschlossenen Vorhang projizierte.

Nach »De dresseerte Mann«, in dem drei Frauen und ein Mann auf der Bühne standen, liefert das Erstlingswerk von Valerie Setaire (im Original: »Cœur Chocolat«) die umgekehrte Konstellation: Drei Männer und eine Frau. Letztere hat dabei gleich sechs Rollen zu spielen, und Gesa Retzlaff meistert diese Herausforderung bravourös. Dank der Kostüme von Barbara Büsch gelingt ihr die blitzschnelle Verwandlung in die verschiedenen Rollen zwischen Hippie im Janis Joplin-Look und russischer Domina. Allein fünf dieser Rollen, die Gesa Retzlaff auch stimmlich abwechslungsreich gestaltet, fallen in die erste Hälfte des Stücks. Die Hauptrolle der Sophie Rausch gehört in die zweite Hälfte, in der die zunächst vor allem auf herrlichen Wortwitz und gelungene Situationskomik basierende Vorstellung mehr Tiefgang bekommt.

Gesa Retzlaff in einer ihrer sechs Rollen mit Ralf Behrens in »Een Haart ut Schokolaad«. Foto: Kira Kutscher

Gesa Retzlaff in einer ihrer sechs Rollen mit Ralf Behrens in »Een Haart ut Schokolaad«. Foto: Kira Kutscher

Nostalgisches Bühnenbild

Bühnenbildner Norbert Drossel schuf mit viel Sinn für Nostalgie das etwas angestaubte Ambiente einer klassischen Schokoladerie, in der Regisseur Frank Grupe temporeich das Quartett höchst spielfreudiger Akteure wirbeln lässt. Der Chocolatier Hinrich Söte (Ralf Behrens) braucht nicht nur jemanden, der sein Geschäft übernimmt – hier kommt die hochaktuelle Problematik vieler kleiner Geschäftsleute zum Tragen, die keinen Nachfolger finden können -, sondern auch eine neue Liebe, um ein Existenz bedrohendes Problem zu lösen. Das meinen zumindest die auf süße Sachen versessenen Dr. Ludwig Mager (Kay Janßen) und Patrick Rotensen (Marco Magnussen). Die gleichzeitige Suche nach einer Verkäuferin einerseits und einer Partnerin für Hinrich andererseits führt zu allerhand Verwicklungen und Verwechslungen, die den Lachmuskeln der Zuschauer Schwerstarbeit bescheren. Die erste Stunde dieses Theaterabends vergeht wie im Flug.

Natürlich ist schon früh abzusehen, wohin sich die Geschichte bewegt. Dass es dennoch nie langweilig wird, ist dem pointenreichen Text und der Regie zu verdanken, die keinen Leerlauf zulässt – und natürlich dem Ensemble, das hier eine beeindruckende Leistung liefert. Diese wurde bei der Premiere mit stehendem, rhythmischen Applaus gefeiert.

Niederdeutsche Bühne Flensburg: Een Hart ut Schokolaad (Coeur Chocolat), Komödie von Valerie Setaire, niederdeutsch von Ulrike Stern und Rolf Petersen, Regie: Frank Grupe. Premiere Samstagabend, Stadttheater Flensburg.

kommentar
deling del

Skriv et svar