Single Daily
af

Hans-Christian Davidsen

Neuer Jugendstil-Weg in Flensburg

Es geht um Schilder, die vor den entsprechenden Gebäuden stehen, ähnlich wie im Kapitänsweg. Der Weg beginnt im Holm.
Es geht um Schilder, die vor den entsprechenden Gebäuden stehen, ähnlich wie im Kapitänsweg. Der Weg beginnt im Holm.

Jugendstil und Flensburg sind zwei Begriffe, die künftig häufiger zusammen genannt werden dürften: Der neue Flensburger Jugendstil-Weg lädt dazu ein, 20 besondere Gebäude in der Innenstadt zu Fuß zu entdecken – das ideale Angebot für einen Spaziergang hier im Frühling.

Sind doch in der Fördestadt bis heute zahlreiche prachtvolle Bauten erhalten, die Zeugnis ablegen von der 1903 bis 1906 in Flensburg blühenden Jugendstilbewegung. In der schnell wachsenden Stadt Flensburg entstanden um 1900 herausragende Beispiele der Jugendstilarchitektur, die bis heute etwa in der Nikolaistraße und der Toosbüystraße ganze Straßenzüge prägen.

Beispiele von Jugendstil im Flensburger Stadtzentrum. Foto: Eiko Wenzel
Beispiele von Jugendstil im Flensburger Stadtzentrum. Foto: Eiko Wenzel
Beispiele von Jugendstil im Flensburger Stadtzentrum. Foto: Eiko Wenzel
Beispiele von Jugendstil im Flensburger Stadtzentrum. Foto: Eiko Wenzel
Beispiele von Jugendstil im Flensburger Stadtzentrum. Foto: Eiko Wenzel

Jahrelang Vorarbeit

Überregional bekannte Architekten wie Karl Bernt, Heinrich Petersen und Magnus Schlichting schufen hier repräsentative Wohn- und Geschäftshäuser für das gehobene Bürgertum.

Nach jahrelanger Vorarbeit haben Denkmalpfleger Eiko Wenzel und Museumsdirektor Michael Fuhr gemeinsam den Flensburger Jugendstilweg realisiert. Es handelt sich um Schilder, die vor den entsprechenden Gebäuden stehen, ähnlich wie der Kapitänsweg. Die Route beginnt am Holm, mit der Nummer 1.

Das Layout schuf die Grafikerin Viktoria Hamburg, die Texte verfasste Svenja Ganschow.

– Die Flensburger sind so an den Anblick gewöhnt, dass Sie kaum noch wahrnehmen, wie schön die erhaltenen Jugendstilfassaden sind. Gerade in dieser Zeit, wo Kulturangebote in geschlossenen Räumen nicht stattfinden können, ist ein Spaziergang auf den Spuren des Jugendstils eine Möglichkeit, Kulturgenuss und frische Luft miteinander zu verbinden, sagt Museumsdirektor Michael Fuhr.

Ursprünglich ein Protest

Der Jugendstil war 1890 ursprünglich ein Protest junger Künstler in verschiedenen Zentren Europas und Nordamerikas gegen industrielle Massenware und die bis dato beliebte Nachahmung historischer Stile. Bis um 1910 hatte sich der Jugendstil vor allem in Kunstgewerbe und Architektur durchgesetzt. Er gilt bis heute als Wegbereiter der Moderne.

Künstler wie August Endell, Henry van de Velde und Hans Christiansen forderten den Einklang von Natur und Kunst. Ziel war es, alle Lebensbereiche mit Kunst zu durchdringen. Der Jugendstil war geprägt von dekorativen Formen, die oft der Natur entlehnt waren: Geschwungene Linien, Blüten, Blätter, Frauengesichter mit langen Haaren, Tiere, geometrische Muster finden sich auf Textilien, Möbeln, Grafiken und an Hausfassaden.

Asymmetrie

In der Architektur sind Asymmetrie, der Einsatz großer Glasflächen, rhythmisch angeordnete Fenster und Türen sowie geschwungene Dächer ebenso zeitgemäß wie floraler Stuckdekor. Seinen Namen verdankt der Stil der Münchner Kunstzeitschrift »Jugend«, in der diese Gestaltungselemente erstmals auftauchten.

Der bedeutendste Illustrator der Zeitschrift »Jugend« war übrigens ein Flensburger: Hans Christiansen (1866-1945), nach dem das Hans Christiansen-Haus auf dem Museumsberg benannt ist, wo sein künstlerischer Nachlass aufbewahrt wird.

Hans Christiansen hatte seine Karriere mit einer Ausbildung zum Dekorationsmaler in Flensburg begonnen, kam dann nach dem Wechsel auf die künstlerische Schiene in Hamburg, Paris und zuletzt in der Darmstädter Künstlerkolonie im Süden Hessens mit seinen Ausstellungen in Paris und St. Louis zu Weltruhm.

kommentar
deling del

Skriv et svar