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Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mehrweg statt Einweg to go

Ein schneller Kaffee zwischendurch - für viele Menschen gehört dies zum Alltag. Für die Umwelt ist das problematisch. Denn jährlich fallen durch die Einwegbecher Unmengen an Müll an. Die Lösung können Pfandbecher sein.
Ein schneller Kaffee zwischendurch - für viele Menschen gehört dies zum Alltag. Für die Umwelt ist das problematisch. Denn jährlich fallen durch die Einwegbecher Unmengen an Müll an. Die Lösung können Pfandbecher sein.

Auf dem Weg zur Arbeit, in der Pause oder am Strand: Der Kaffee to go gehört für viele zum Alltag. Für die Umwelt ist das problematisch. Jedes Jahr werden nach Angaben des Umweltbundesamts allein in Deutschland rund 2,8 Milliarden Einwegbecher für den schnellen Kaffee unterwegs verwendet und nach einmaligem Gebrauch weggeworfen – das sind 320 000 Becher pro Stunde. Um die Müllflut einzudämmen haben in den vergangenen Monaten immer mehr Kommunen und Betriebe in Schleswig-Holstein Pfandbecher eingeführt. Die Idee dahinter: Kunden zahlen für wiederverwendbaren Becher Pfand und können die Gefäße später bei jedem teilnehmenden Laden deutschlandweit abgeben.

Eine einheitliche Pfandlösung gibt es jedoch nicht. Im Norden werden überwiegend die Systeme von drei Anbietern genutzt. Betriebe in der Nähe, die mitmachen, können in der App des jeweiligen Systemanbieters gefunden werden. Oftmals weisen auch Plakate oder Aufkleber im Geschäft oder an der Tür auf die Teilnahme an einem Pfandsystem hin.

Auf der Insel Sylt wurde vor zwei Jahren das System des Münchner Anbieters Recup eingeführt. Das Pfandsystem sei nach einer Testphase so gut angenommen worden, dass die Zahl der teilnehmenden Betriebe von anfangs vier auf mittlerweile rund 50 ausgeweitet worden sei, sagte eine Sprecherin von Sylt Marketing. Von List ganz im Norden bis nach Hörnum an der Südspitze der Insel beteiligen sich Cafés, Bäckereien, Supermärkte, aber auch Hotels, ein Golf Club oder das Erlebniszentrum Naturgewalten.

»Viele der teilnehmenden Betriebe bieten zu unserer großen Freude ihren Kaffee ausschließlich aus Recup-Bechern an, das heißt, es gibt dort überhaupt keine Pappbecher mehr«, sagte die Sprecherin. Die positiven Rückmeldungen aus den Betrieben und das Interesse weiterer Betriebe zeige, »dass Inhaber und Kunden eine umweltschonende Alternative zu den Pappbechern wollen«.

In Lübeck gibt es den Recup-Pfandbecher seit einem Jahr. Etwa 30 Betriebe nehmen nach Angaben einer Stadtsprecherin an dem System teil. »Die mitmachenden Betriebe sind sehr engagiert und haben sich untereinander vernetzt. Sehr positive Erfahrungen haben die kleinen Betriebe gemacht, die Pappbecher völlig aus dem Sortiment genommen haben.«

Positive Rückmeldungen

Die Stadt habe Rückmeldungen einzelner Nutzer, die sich sehr positiv geäußert hätten – »insbesondere zur Möglichkeit am Weg in die Innenstadt im Touristinfo einen Kaffee mit und in der Stadt wieder abgeben zu können«.

Sehr positiv sei zudem angemerkt worden, man habe über die App viele kleine Cafés neu kennengelernt. Neben Cafés und der Touristinfo nehmen in der Hansestadt Bäcker, Bio-Supermärkte und Clubhäuser am Pfandsystem teil. Und über die Teilnahme der Dehoga hat die Ibis Hotelkette überregional das Pfandsystem eingeführt.

Nach Angaben des Münchner Unternehmens gibt es in ganz Schleswig-Holstein mehr als 150 Recup-Ausgabestellen. Deutschlandweit gibt es Recup-Becher in mehr als 3300 Cafés, Bäckereien und Co. Zum Vergleich: Im Oktober 2018 waren es nur rund 1500.

Auf den Anbieter Faircup wiederum setzen beispielsweise die Stadt Flensburg, die das System im Juni eingeführt hat, die Nordseeinseln Föhr und Amrum sowie viele Betriebe auf Fehmarn. Insgesamt wird der Faircup-Becher nach Angaben des Göttinger Unternehmens im Norden von mehr als 300 Partnerbetrieben genutzt.

»2018 hatten wir vielleicht 15 Standorte«, sagt Sibylle Meyer von Faircup. Die Zahl sei exponentiell gestiegen und steige weiter. Auch beispielsweise in Dagebüll, Rendsburg, Neumünster und diversen anderen Orten können Kaffeeliebhaber ihre Faircup-Becher wieder loswerden. »Besonders gut läuft es auf den Inseln«, sagt Meyer. Aber auch beispielsweise in der Stadt Flensburg werde das System ganz gut angenommen. Bundesweit hat Faircup in diesem Jahr die 100 000er Marke überschritten, was die Zahl der im Umlauf befindlichen Becher angeht.

Die Landeshauptstadt Kiel ist im September ebenfalls mit einem Pfandbecher-System an den Start gegangen. 2018 wurde in Kiel der Beschluss gefasst, dass die Landeshauptstadt »Zero Waste City« werden soll. Die Mehrwegpfand- statt Einwegbecher sind Teil des Projekts. Ausgewählt wurden die Becher des Bad Segeberger Unternehmens tobego, die in vielen Bäckereien, aber etwa auch im Holstein-Stadion und der Sparkassen Arena angeboten werden. Insgesamt gibt es in Kiel rund 100 Kauf- und Abgabestellen. Aber auch beispielsweise in Eckernförde und Neumünster beteiligen sich Betriebe an diesem System.

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