Single Daily
af

Lennart Adam

Gewerkschaft warnt vor Altersarmut

63 Prozent mehr Rentner in Flensburg als noch vor zehn Jahren sind aktuell auf Stütze vom Amt angewiesen, da die eigene Rente nicht reicht.
63 Prozent mehr Rentner in Flensburg als noch vor zehn Jahren sind aktuell auf Stütze vom Amt angewiesen, da die eigene Rente nicht reicht.

Immer mehr Menschen in Flensburg sind neben ihren Altersbezügen auf staatliche Stütze angewiesen. Die Zahl der Empfänger von »Alters-Hartz-IV« stieg innerhalb von zehn Jahren um 63 Prozent. Gab es in der Stadt 2008 noch 1.509 Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, so waren es im vergangenen Jahr bereits 2.453. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit.

Die NGG beruft sich hierbei auf Angaben des Statistischen Landesamtes. Danach erhielten in ganz Schleswig-Holstein zuletzt rund42.000 Rentnerinnen und Rentner Grundsicherung – 43Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Philipp Thom, Gewerkschaftssekretär der NGG-Region Schleswig-Holstein Nord, sieht den Trend mit Sorge –und fordert eine »rentenpolitische Kurskorrektur«.

Insbesondere die von der Bundesregierung angekündigte Grundrente müsse rasch angepackt werden, um ein Ausufern der Altersarmut in Flensburg zu verhindern.

»Die amtlichen Zahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Denn sehr viele Menschen, die wegen Mini-Renten eigentlich einen Anspruch auf die Grundsicherung haben, schrecken aus Scham vor einem Antrag zurück«, sagt Thom.

So sind nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bundesweit aktuell bereits 16,8 Prozent der Rentner von Armut bedroht. Ohne die Einführung einer Grundrente könnte das Armutsrisiko laut DIW bis zum Jahr 2039 auf 21,6 Prozent steigen –selbst bei einer weiterhin positiven Konjunkturentwicklung.

»Eine entscheidende Ursache für dürftige Renten sind niedrige Einkommen. Auch wer Jahrzehnt ein einer Bäckerei oder einem Restaurant gearbeitet hat, landet im Alter oft unter der Armutsschwelle. Das liegt auch an der Praxis vieler Unternehmen, aus Tarifverträgen auszusteigen und so die Löhne zu drücken. Hinzu kommt der Trend zu Teilzeit und Minijobs«, erklärt Gewerkschafter Thom.

Hier setze die von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil geplante Grundrente an: Danach sollen die Bezüge von Menschen, die mindestens 35 Jahre lang gearbeitet haben und bei der gesetzlichen Rente trotzdem unter die Grenze von 896 Euro kommen, um bis zu mehrere Hundert Euro im Monat aufgebessert werden. »Das Modell wäre ein wichtiger Beitrag für mehr Gerechtigkeit im Rentensystem. Es würdigt die Leistung von denen, die ein Leben lang in die Rentenkasse eingezahlt haben«, betont Thom.

Die NGG fordert die Große Koalition auf, bei dem Thema jetzt »ernst zu machen«. Wer Jahrzehnte gearbeitet habe, habe mehr verdient als die bloße Grundsicherung. Am Ende stehe ein Stück des gesellschaftlichen Zusammenhalts auf dem Spiel. »Für Tausende Beschäftigte allein in Flensburg stellt sich die Frage, ob ein würdiger Lebensabend in Zukunft noch möglich ist«, warnt Thom.

kommentar
deling del

Skriv et svar