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Hans-Christian Davidsen

Fotos von jüdischen Friedhöfen

Neue Ausstellung im Jüdischen Museum in Rendsburg bis 9. Februar
Neue Ausstellung im Jüdischen Museum in Rendsburg bis 9. Februar

Jüdische Friedhöfe. Für die Ewigkeit geschaffen. Scheinbar aus der Zeit gefallen. Versunken und geheimnisvoll liegen sie da und erzählen etwas über die prächtige Vielfalt der einstigen jüdischen Bevölkerung.

Die Grabsteine berichten vom sozialen Status und Berufsstand der Menschen und sind so ein Spiegel der reichhaltigen jüdischen Kultur: Industrielle und Kaufleute (überwiegend aus der Textilwirtschaft), Politiker, Rechtsanwälte, Rabbiner, Talmudgelehrte, Philosophen, Wissenschaftler, Künstler und Sportler – hinter jedem Grabstein steht die Biographie eines verstorbenen Menschen. Das Jüdische Museum in Rendsburg zeigt von bis zum 9. Februar 2020 die Fotoausstellung »Haus der Ewigkeit«. Sie präsentiert 40 Schwarz-Weiß-Fotografien von jüdischen Friedhöfen in Deutschland, Polen, Ukraine und der Tschechischen Republik.

Die Fotografen Marcel-Th. und Klaus Jacobs hielten ihre Eindrücke in mehreren tausend Kleinbildnegativen fest, aus denen für die Ausstellung eine Auswahl getroffen wurde. In einem Booklet geben kurze Steckbriefe zu den besuchten Friedhöfen Hinweise zu den örtlichen Gegebenheiten und machen mit einem Rückblick auf die Geschichte der jeweiligen jüdischen Gemeinden und ihrer Friedhöfe das Ausmaß der Auslöschung jüdischen Lebens und Wirkens in allen vier Ländern deutlich.

Abgelegene Orte

Das Booklet, das auch kurze Erläuterungen zur Symbolik auf jüdischen Friedhöfen enthält, wurde möglich dank der Unterstützung des Freundeskreises Jüdisches Museum. Angefangen hatte die fotografische Dokumentation des Berliner Fotografen-Paares eher zufällig mit einem Besuch des berühmten jüdischen Friedhofs in Prag.

Danach bereisten Marcel und Klaus Jacobs 50 teilweise abgelegene Orte und hielten ihre Eindrücke in Schwarz-Weiß-Fotografien ab 2004 dokumentarisch fest. Klaus Jacobs verstarb 2016, sein Mann Marcel setzt nun das von ihm angestoßene Projekt um, diese Zeugnisse jüdischer Kultur ins Bewusstsein zu rücken.

»Über 70 Jahre nach dem beispiellosen Zivilisationsbruch durch die NS-Diktatur, unter der das vielfältige jüdische Leben vielerorts nahezu ausgelöscht wurde und in Anbetracht dessen, dass es in den letzten Jahren wieder vermehrt zu antisemitischen Straf- und Gewalttaten gegen u.a. jüdische Einrichtungen kommt, die auch Schändungen von jüdischen Friedhöfen beinhalten, sehen wir es als eine besondere Aufgabe an, hier ein Zeichen zu setzen und ein neues Bewusstsein durch die Begegnung mit der jüdischen Friedhofskultur zu schaffen«, heißt es im Vorwort zur Ausstellung im Dresdner Kraszewski-Museum, wo die Fotos zuvor zu sehen waren.

Alter Jüdischer Friedhof im Prager Josefov. (Foto: Marcel-Th. und Klaus Jacobs)

Begleitprogramm zur Ausstellung

Sonntag, 26. Januar 2020, 14 Uhr: Führung über den jüdische Friedhof in Westerrönfeld Die langjährige Museumsleiterin und Kennerin der jüdischen Religion und Kultur Dr. Frauke Dettmer führt über den ehemaligen jüdischen Zentralfriedhof der jüdischen Gemein­schaft in Westerrönfeld. Erfahren Sie Details über das jüdische Leben der vergangenen 300 Jahre und über gegenwärtige Bestattungs- und Trauerriten im Judentum. Anmeldung empfohlen: 04331/440430, service@landesmuseen.sh, Kosten: Drei Euro.

Sonntag, 9. Februar 2020, 14 Uhr: Zum Abschluss führt der Fotograf Marcel-Th. Jacobs selbst durch die Fotoausstellung, die 40 Schwarz-Weiß-Fotografien von jüdischen Friedhöfen in Deutschland, Polen, Ukraine und der Tschechischen Republik zeigt. Anmeldung empfohlen: 04331/440430, service@landesmuseen.sh, Kosten: Drei Euro.

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