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Lennart Adam

Es geht auch ohne Verpackung

»Der Büddel« in der Angelburger Straße soll Flensburgs erste Geschäft werden, der gänzlich auf Verpackungen verzichtet. Ab Frühjahr sollen Kunden hier einkaufen und entschleunigen können.
»Der Büddel« in der Angelburger Straße soll Flensburgs erste Geschäft werden, der gänzlich auf Verpackungen verzichtet. Ab Frühjahr sollen Kunden hier einkaufen und entschleunigen können.

»Der Büddel«, Flensburgs erster Unverpackt-Laden soll in einigen Monaten seine Türen öffnen. Zwar gebe es bereits einige Bioläden, die ein breites, unverpacktes Angebot hätten und auch große Supermarktketten würden zunehmend auf Verpackungsmaterialien verzichten, doch ein reiner Unverpackt-Laden sei für Flensburg ein Novum, erklärt Tom Nissen, der den Laden gemeinsam mit Tobias Tipmann gegründet hat.

Voraussichtlich ab März nächsten Jahres, wird es im »Büddel« Körner, Nüsse, Samen, Kaffee und Tee, Gewürze, Obst und Gemüse, Öle und vieles mehr geben. Außerdem wird eine große Bandbreite an Non-Food-Artikeln angeboten, von umweltfreundlichen Bambus-Zahnbürsten über nachhaltige Dosen, Tassen und Becher bis zu Haar- und Handseifen ganz ohne Plastikverpackung.

»Wir wollen eine angenehme Einkaufs-Atmosphäre schaffen. In unserem Bistro oder dem Hinterhof sollen unsere Kunden gemütlich Kaffee trinken und entschleunigen können«, sagt Tipmann.

Erster Versuch gescheitert

Der erste Versuch, einen Unverpackt-Laden in Flensburg zu eröffnen, liegt bereits etwas zurück. 2016 wurde der Duborg-Schüler Nissen auf das zweijährige Jubiläum des ersten Kieler Unverpackt-Ladens aufmerksam und dachte sich: So etwas braucht Flensburg auch! Zwischen den Abiturprüfungen begann er einen Business-Plan aufzustellen. Eine Mitstreiterin fand er in seiner Schulfreundin Hannah Lempertz. Das nötige Geld sollte über Crowdfunding zusammenkommen, eine Art Gruppenfinanzierung, bei denen Unterstützer eine Idee vorfinanzieren und dafür Gegenleistungen bekommen. »Wir hatten zwar schon konkrete Pläne, es war allerdings alles etwas überstürzt. Die Crowdfunding-Kampagne lief nicht so gut wie erhofft«, erzählt Nissen. Die erforderliche Summe an Unterstützung wurde nicht erreicht. Das Projekt wirkte zunächst gescheitert, denn auch die Banken wollten keinen Kredit geben. Nissens weiblicher Kompagnon entschied sich dann doch zu studieren. Einen neuen Partner fand Nissen in Tobias Tipmann, der im Frühjahr 2018 auf Nissens Pläne aufmerksam wurde. »Ich habe zu der Zeit noch in Magdeburg gelebt und wollte sowohl einen Laden aufmachen, als auch in den Norden ziehen. Es hat also alles perfekt gepasst«, berichtet der in Sachsen-Anhalt geborene Tipmann.

Voraussichtlich ab März nächsten Jahres eröffnen Tobias Tipmann & Tom Nissen (r.) Flensburgs ersten Unverpackt-Laden in der Angelburger Strasse. Foto: Martin Ziemer.

Voraussichtlich ab März nächsten Jahres eröffnen Tobias Tipmann & Tom Nissen (r.) Flensburgs ersten Unverpackt-Laden in der Angelburger Strasse. Foto: Martin Ziemer.

Neuer Anlauf

Mittlerweile nimmt das Projekt immer mehr an Fahrt auf. Ein Zuhause hat der Laden bereits in der Angelburger Straße 72 gefunden, hier wird auch schon fleißig gebaut und gewerkelt, damit die ersten unverpackten Sachen im Frühjahr 2020 über den Ladentisch wandern können.

Seit dem 9. September ist auch die zweite Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Startnext online, die in zwei Fundingziele gestaffelt ist. Mit den ersten 15.000 Euro soll eine Frischmilch-Tankstelle gekauft werden, bei der sich die Kunden ihre eigene Milch abzapfen können. Außerdem habe man bereits die Idee, eine Pflanzenmilch-Tankstelle als vegane Alternative anzuschaffen und selbst Nussmus produzieren, wenn das nötige Geld zusammenkommt.

Sollte die 27.000-Euro-Marke geknackt werden, sollen darüber hinaus schicke Glas- und Holz-Container für die Lebensmittel gekauft werden und die Kühltheke für Frischwaren aufgerüstet werden. Es ist also allerhand geplant mit dem Crowdfunding-Geld.

Unterstützung gesucht

Auch, was die Motivation für die Unterstützer anbelangt, haben sich die künftigen Unternehmer ins Zeug gelegt: Neben Einkaufsgutscheinen warten verschiedene Prämien auf die Unterstützerinnen und Unterstützer. Für 300 Euro gibt es beispielsweise eine Kaffee-Flatrate. Ein Jahr lang kann man also täglich bei einem Heißgetränk seiner Wahl im Bistro oder bei gutem Wetter im Hinterhof überlegen, ob man beim Einkauf im Laden vielleicht doch noch etwas vergessen hat.

Doch auch mit kleineren Beträge kann der Büddel unterstützt werden. Für 16 Euro gibt es beispielsweise eine handgefertigte und kunstvoll verzierte Kokosnuss-Schale, für 23 Euro einen Thermobecher mit Bambus-Ummantelung und für 30 Euro können Bienenfreunde eine Patenschaft über 30 Quadratmeter Bienenweide übernehmen. Noch bis zum 24. November können Unterstützerinnen und Unterstützer sich eines oder mehrere der Angebote aussuchen.

»Wir machen auf jeden Fall im Frühjahr auf, aber die Crowdfunding-Kampagne hilft uns, noch mehr von unseren Ideen umzusetzen. Wir sind daher für jeden dankbar, der uns bei unserem Projekt unterstützt«, sagt Nissen.

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