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Lennart Adam

Das Klima geht baden

Mit einer weltweiten Demo soll die Dringlichkeit des Klimanotstands verdeutlicht werden. Auch in Flensburg wird am Freitag 
demonstriert. Mit musikalischer Unterstützung.
Mit einer weltweiten Demo soll die Dringlichkeit des Klimanotstands verdeutlicht werden. Auch in Flensburg wird am Freitag 
demonstriert. Mit musikalischer Unterstützung.

»Die Leute müssen endlich realisieren, dass die Welt am Arsch ist, wenn nicht schnell etwas passiert«, sagt Luna Renninger. Die Flensburger Schülerin ist wütend. Und nicht nur sie. Mehrere Millionen, überwiegend junge Menschen, werden an diesem Freitag weltweit gegen den Klimawandel demonstrieren. Beziehungsweise gegen die Verursacher.

In Flensburg startet die Demo am Freitag um 10 Uhr an der Hafenspitze. Auch in Steinbergkirche und auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande wird demonstriert. Es ist das dritte Mal, dass das Bündnis Fridays for Future seine wöchentlichen Proteste bündelt und zum »Global Climate Strike For Future« aufruft. Es ist die weltgrößte Klimademo.

Bei den vergangenen Protesten im Mai gingen rund 2 Millionen Menschen in über 130 Ländern der Welt auf die Straßen.

ZOB wird blockiert

Nachdem sich die Klimaschützer am Freitag versammelt haben, geht es von der Hafenspitze in Richtung ZOB, um hier auf der Straße eine Blockade zu errichten. Ein sogenanntes »Die-in«, bei dem sich die Demonstrierenden in stillem Protest auf den Boden legen und tot stellen. Anschließend geht es zurück zur Hafenspitze, wo die Flensburger Bands Salamanda, Silent Attic um The Voice-Finalist Eros Atomus Isler und das Intercultural Music Project bis 15 Uhr den Soundtrack zur Demo liefern werden.

Obwohl die Bewegung von Schülerinnen und Schülern gegründet wurde, sind am Freitag ausdrücklich auch Erwachsene aufgerufen, sich den Protesten anzuschließen.

»Es geht nicht mehr darum, dass junge Menschen diskriminiert werden und dass uns nicht zugehört wird. Es muss etwas passieren und dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen, jung und alt. Denn wir haben keine Zeit mehr. Es ist ein Wunder, dass wir überhaupt noch so eine Lebensqualität haben«, sagt Renninger.

Zwar könne man sich in Flensburg, im Vergleich zu anderen Städten noch glücklich schätzen, doch auch hier würde nicht genug getan. »Wir haben hier alle Möglichkeiten, aber sie werden einfach nicht genutzt. Es wird zwar etwas bewegt, aber das reicht noch lange nicht«, bemängelt Renninger.

»Das Wasser steht uns bis zum hals«. Deswegen gehen die Menschen Freitags auf die Straße. Sie demonstrieren für eine neue Klimapolitik.
(Foto: Tim Riediger)

Kein Planet B

Fridays for Future-Gründerin Greta Thunberg wurde Anfang der Woche mit dem höchsten Preis der Menschenrechtsorganisation Amnesty international geehrt und widmete die Auszeichnung »all den furchtlosen Jugendlichen, die für ihre Zukunft kämpfen«. Mit diesem Preis können sich auch die Flensburgerinnen und Flensburger schmücken, die seit Dezember letzten Jahres alles mobilisieren, was in ihrer Kraft steht, um der Thematik auch an der Förde die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Wie oft sie sich mittlerweile bereits zum Schulstreik fürs Klima versammelt haben, wie oft sie Schilder wie »Es gibt keinen Planeten B« und »Macht ihr eure Hausaufgaben, dann machen wir unsere« hochgehalten haben, das wissen die Organisatorinnen und Organisatoren selbst nicht mehr. Wie oft sie es noch müssen, noch viel weniger. »Man merkt, dass sich die Stimmung verändert. Die Euphorie vom Anfang ist vorbei, aber die Dynamik innerhalb der Bewegung bleibt.

Jetzt sind halt noch die Leute dabei, denen das Thema wirklich auf der Seele brennt«, sagt Renninger.

Unterstützung aus dem Rathaus

Dafür gibt es jetzt Unterstützung von höchster Stelle in Flensburg. Die Flensburger Oberbürgermeisterin hat den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus freigestellt, sich an den Protesten zu beteiligen. Sie müssten hierfür allerdings Überstunden oder Urlaub abfeiern oder ihre Gleitzeit nutzen.

Der Dienstbetrieb im Rathaus werde trotzdem aufrechterhalten, betonte die Oberbürgermeisterin zudem.

Wenn nicht schnell etwas geschieht, dann geht das Kima baden. Dafür erheben Luna Renninger von Fridays for Future, Leon Mancilla von der Band Salamanda (links) und Eros Atomus Isler von Silent Attic (v.l.) am Freitag an der Hafenspitze ihre Stimme auf der Bühne.
(Foto: Tim Riediger)

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