Eine »kleine COP« für das Wattenmeer: Dänemark, Deutschland und Niederlande beraten über Zusammenarbeit

Um das Weltnaturerbe Wattenmeer zu schützen, arbeiten Deutschland, Dänemark und die Niederlande zusammen. Alle vier Jahre stimmen sich die Länder bei einer Wattenmeerkonferenz ab. Vor dem nun anstehenden Ministertreffen in Wilhelmshaven ist der Handlungsdruck groß.

Bei der 14. trilateralen Wattenmeerkonferenz in Wilhelmshaven wollen Vertreterinnen und Vertreter der drei Anrainer Dänemark, Deutschland und der Niederlande von kommendem Montag an über ihre Zusammenarbeit für das Unesco-Weltnaturerbe beraten. Foto:
Bei der 14. trilateralen Wattenmeerkonferenz in Wilhelmshaven wollen Vertreterinnen und Vertreter der drei Anrainer Dänemark, Deutschland und der Niederlande von kommendem Montag an über ihre Zusammenarbeit für das Unesco-Weltnaturerbe beraten. Foto: Sina Schuldt, dpa

dpa


lørdag d. 26. november 2022 kl. 16:11

RESÜMEE

Konference om Vadehavet

Tyskland, Danmark og Holland arbejder sammen for at beskytte verdensarvsområdet Vadehavet. Hvert fjerde år koordinerer landene deres indsats på en konference om Vadehavet. Inden det kommende ministermøde, der starter i Wilhelmshaven på mandag, er presset for at handle stort.

Wilhelmshaven. Die Weltklimakonferenz COP in Scharm el Scheich ist kaum vorüber, da geht es auf einer weiteren Staatenkonferenz erneut ums Klima - dabei steht dieses Mal das Wattenmeer im Fokus. Bei der 14. trilateralen Wattenmeerkonferenz in Wilhelmshaven wollen Vertreterinnen und Vertreter der drei Anrainer Dänemark, Deutschland und der Niederlande von kommendem Montag an über ihre Zusammenarbeit für das Unesco-Weltnaturerbe beraten. 

Schwerpunkte des viertägigen Treffens sollen unter anderem Maßnahmen zum Schutz des Wattenmeeres vor Klimawandelfolgen und der Nutzen des Meeres für den natürlichen Klimaschutz sein, wie das Bundesumweltministerium vorab mitteilte.

Deutschland hat seit 2018 den Vorsitz bei der gemeinsamen Wattenmeer-Zusammenarbeit inne, die seit 1978 zwischen den Ländern besteht. Auf der alle vier Jahre stattfindenden Wattenmeerkonferenz stimmen die Länder ihr Vorgehen ab. 

Angesichts immer drängender werdender Fragen rund um Klimawandelfolgen sprechen manche Teilnehmer bei dem diesjährigen Treffen von einer »kleinen COP« - also einer Art Mini-Weltklimakonferenz für das Wattenmeer.

Der Klimawandel hat das mehr als 11.500 Quadratkilometer große Wattenmeer längst erreicht. Steigende Meeresspiegel, Erwärmung, Extremwetter - all dies hat Folgen für das größte zusammenhängende Sand-Schlickwattsystem der Welt mit seinen rund 10.000 Tier- und Pflanzenarten.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne), die am Dienstag zu der Konferenz an der Nordsee erwartet wird, sagte, mit der Klima-, Verschmutzungs- und Biodiversitätskrise wachse der Druck auf das Wattenmeer und seine Artenvielfalt. »Umso dringender ist es, dass die drei Wattenmeerstaaten - Deutschland, Dänemark und die Niederlande - zusammenarbeiten und den Schutz unserer Meere und Küsten voranbringen«, sagte die Ministerin der Deutschen Presse-Agentur.

Voneinander lernen

Ziel müsse auch sein, dass die drei Länder voneinander lernen - etwa beim natürlichen Klimaschutz. Das Wattenmeer sei in der Lage, erhebliche Mengen an Treibhausgasen in Salz- und Seegraswiesen und in Schlickböden zu speichern. »Diese Funktionen möchten wir durch umfangreiche Maßnahmen im Rahmen des Aktionsprogramms ‘Natürlicher Klimaschutz’ zusammen mit den Küstenländern stärken«, sagte Lemke.

Gleichzeitig steigt der Nutzungsdruck auf das wertvolle Ökosystem - gerade am Tagungsort in Wilhelmshaven wird das spürbar. Dort soll in wenigen Wochen ein schwimmendes Terminal für den Import von Flüssigerdgas (LNG) in Betrieb gehen. Naturschützer befürchten durch das Einleiten von mit Bioziden behandelten Abwässern Folgen für das nahe Wattenmeer. Weiter westlich vor der Insel Borkum an der Grenze zu den Niederlanden soll nahe dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer zudem ein neues Gasfeld erschlossen werden. Und im schleswig-holsteinischen Wattenmeer wird über eine Ausweitung der Ölförderung auf der Plattform »Mittelplate« nachgedacht.


In Wilhelmshaven soll in wenigen Wochen ein schwimmendes Terminal für den Import von Flüssigerdgas (LNG) in Betrieb gehen. Naturschützer befürchten Folgen für das Wattenmeer. Foto: Sina Schuldt/dpa

Umweltschutzverbände fordern bereits seit längerem einen Ausstieg aus der fossilen Energiegewinnung auch am Wattenmeer. Ein solches Bekenntnis von Seiten der Anrainerstaaten sei dringend nötig, sagte der Leiter des WWF-Wattenmeerbüros in Husum, Hans-Ulrich Rösner. Dass es dazu bei der Konferenz komme, sei jedoch fraglich. 

»Wenn Deutschland beklagt, dass in Scharm el Scheich die Ölstaaten alles blockieren und in Sachen schnellerer Ausstieg aus fossilen Energiequellen nichts voran gekommen ist, hat man das jetzt hier in der Hand«, sagte er.

Niedersachsens Gastgeber, der neue Umweltminister Christian Meyer (Grüne), betonte vor der Konferenz, der Schutz des Wattenmeeres sei »von höchster Bedeutung«. Die Wattenmeerkonferenz sei der Ort, um verschiedene Interessen »unter einen Hut zu bringen«. Nötig sei etwa der Ausbau der Windenergie auf See, auch wenn dieser Eingriffe für das Wattenmeer bedeute. »Aber wir brauchen erneuerbare Energien, gerade auch auf See, um den Klimawandel zu stoppen«, sagte Meyer.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) kündigte an, bei der Konferenz besprechen zu wollen, wie der Windkraftausbau vor dem Wattenmeer naturverträglich gestaltet werden könne. »Noch stärker als bisher wollen wir mit unseren Partner*innen in der Wattenmeer-Region Wege und Ansätze finden, um Klima- und Naturschutz gemeinsam zu denken«, so Goldschmidt.

250 Teilnehmer

Zu der Konferenz vom 28. November bis 1. Dezember erwartet das Gastgeberland Niedersachsen rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Verwaltung, Wissenschaft, Umweltverbänden und Unternehmen. Organisationen und Arbeitsgemeinschaften haben zudem Workshops etwa zu den Themen Meeresnatur, Klimawandel, Ressourcenschutz, Schiffssicherheit und nachhaltige Häfen, nachhaltiger Tourismus, Wattenmeer-Biosphärenreservate und Freiwilligennetzwerke geplant.