Sylt: Von den Anfängen bis zur Sandaufspülung

Die Anfänge des Küstenschutzes: Vor über hundert Jahren begann man mit der Errichtung fester Bauwerke wie Buhnen, Ufermauern, Deckwerke und Tetrapoden. Diese festen Bauwerke konnten Erosion allerdings kaum verhindern. 

Bagger und Planierraupen verteilen den aufgespülten Sand. Foto:
Bagger und Planierraupen verteilen den aufgespülten Sand. Foto: dpa

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søndag d. 11. september 2022, kl. 8:48

1972 wurden erstmalig Sandaufspülungen auf Sylt durchgeführt. Seit 1984 finden Sandaufspülungen regelmäßig entlang der Westküste statt.

Aber was bringen die Sandaufspülungen? Der Sinn von Sandaufspülungen besteht in der Schaffung von Vordünen, um den Rückgang von Dünen, den Abbruch von Kliffs und die Zerstörung von Küstenschutzanlagen zu verhindern. 

Große Sand-Verluste

Denn durch starke Westwinde und Brandung werden jährlich 1-4 Meter von der Westseite der Insel abgetragen. Dieser Sand verlagert sich nach Nord oder Süd. Rund eine Millionen Kubikmeter Sand gehen der Insel dadurch jährlich verloren.

Bei zusätzlichen Vorstrand-Aufspülungen, die einige hundert Meter vor der Küste stattfinden, wird Sand seeseitig des Sandriffs eingebracht. Der Sinn hierbei: Einlaufende Wellen sollen in einer vorgelagerten Brandungszone schon einen Teil ihrer Energie verlieren. Durch die Variation von Strand- und Vorstrand-Aufspülungen werden die Sandaufspülungen jährlich optimiert.

Spülschiff in Aktion

Aufspülungen finden in der Regel von Mitte April bis Ende Oktober statt. Sand wird mit einem Spülschiff, dem sogenannten Hopperbagger, aus einem acht Kilometer vor der Küste liegenden Gebiet entnommen. Der Bagger saugt dabei aus 15 bis 30 Meter Tiefe ein Wasser-Sand-Gemisch an Bord, wo das Wasser sofort abfließt.

Nach etwas über einer Stunde ist der Laderaum komplett gefüllt und das Schiff nimmt das 1,2 Kilometer vor der Küste schwimmende Ende der Spülleitung auf. Der Sand wird mit viel Wasser an den Strand gepumpt und von Planierraupen am Strand verteilt.

Der Hopperbagger fährt zwischen Sandentnahme und Ende der Spülleitung ca. sechs mal pro Tag hin und her. Insgesamt dauert die Aufspülung ca. sechs Monate.

Zusätzlich zu Sandaufspülungen am Strand erfolgt die Sandaufspülung im Vorstrandbereich. Hierfür wird ein Split-Hopperbagger genutzt, der durch Öffnen des Laderaumbodens Sand auf dem Sandriff verklappt.

Zuständig für die Sandaufspülung ist der LKN.SH, der anhand von Vermessungsdaten den jeweiligen Sandersatzbedarf und stimmt diesen zusammen mit dem zuständigen Ministerium (MELUND), dem Landschaftszweckverband Sylt und den von der Sandaufspülung betroffenen Sylter Gemeinden ermittelt und abstimmt. 

FAKTA

Sandaufspülung und ihre Kompensation

SANDAUFSPÜLUNG IN ZAHLEN: Von 1972 bis 2020 wurden insgesamt rund 54,5 Mio. Kubikmeter (m³) Sand aufgespült.

Davon allein 4,5 Mio. m³ im Vorstrandbereich. Im Jahr 2020 gab es eine Sturmflutserie - also ein lang andauerndes Sturmflutereignis - so heftig, wie es seit 1900 nur einmal dagewesen ist. Deshalb waren 2020 die Aufspülmengen wesentlich größer, als in den Vorjahren. 

Rund 2,0 Mio. m³ Sand wurden auf ca. 7,9 km Strandlänge aufgeschüttet (im Vgl. sonst ~0,75 Mio. m³) und rund 0,6 Mio. m³ Sand auf ca. 3,5 km Vorstrandlänge (im Vgl. sonst ~ 0,25 Mio. m³). 

KOMPENSATION ZUR SANDENTNAHME: Für jede Teilfläche aus der Sand vor der Küste entnommen wird, werden Kompensationsmaßnahmen im Bereich des Naturschutzes vorgenommen. Nach Angaben zählen dazu: gebietsberuhigende Maßnahmen der Besucherlenkung auf Sylt sowie Maßnahmen zur Förderung des Nationalparks und seiner Tier- und Pflanzenwelt. 

Die Maßnahmen sollen im Besonderen der Flächenverbesserung u. a. im Übergang zwischen Land und Meer dienen (z.B. der Rückbau von Buhnen im Bereich des schleswig-holsteinischen Wattenmeers sowie den Inseln Sylt, Föhr und Amrum). 

Eine weitere Kompensationsmaßnahme ist der Ausgleich über Ökopunkte.