Schleswig-Holstein nimmt Gänsebestände verstärkt ins Visier

Unzählige Gänse machen Bauern an der Westküste seit langem das Leben schwer. Die Vögel fressen Grasflächen kahl und verringern so das Angebot für Viehfutter. Der Umweltminister will helfen und die Jagd auf Nonnengänse ermöglichen. Die Entscheidung fällt aber woanders.

Nonnengänse stehen auf einer Wiese bei Oldsum auf der Nordseeinsel Föhr und suchen nach Futter. Schleswig-Holstein will die Landwirtschaft stärker vor dem sogenannten Gänsefraß schützen.
Nonnengänse stehen auf einer Wiese bei Oldsum auf der Nordseeinsel Föhr und suchen nach Futter. Schleswig-Holstein will die Landwirtschaft stärker vor dem sogenannten Gänsefraß schützen. Foto: Christian Charisius/dpa

dpa/lno


søndag d. 10. juli 2022, kl. 8:11

Kiel. Schleswig-Holstein will die Landwirtschaft stärker vor dem sogenannten Gänsefraß schützen. »Das Problem ist da und eine Belastung der Landwirte an der Westküste«, sagte Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur. »Es gibt keine einfache Lösung; es wird immer ein Maßnahmen-Mix sein.«

Hintergrund ist, Hunderttausende rastende Gänse richten an der Westküste, besonders auf Eiderstedt und den Inseln, enormen Schaden dadurch an, dass sie Grasflächen kahlfressen und Unmengen Kot hinterlassen. Damit geht den Bauern viel Tierfutter verloren.

Im Koalitionsvertrag haben die Regierungsparteien CDU und Grüne dem Thema einen eigenen Abschnitt gewidmet. »Wir haben uns darauf verständigt, dass der Erhaltungszustand der Nonnengans, die die meisten Probleme für die Landwirte erzeugt, sich stark verbessert hat«, erläuterte Goldschmidt. »Wir werden bei der EU in Brüssel den Antrag stellen, den Schutzstatus der Nonnengans zu ändern.«

Damit könne ermöglicht werden, die Nonnengans zu bejagen, sagte der Minister. »Bei der Graugans ist das schon möglich.« Das Jagen und Einsammeln von Eiern werde hier weiter verfolgt.

»Wir werden auch Flächen zur Verfügung stellen, auf die Landwirte ausweichen können«, sagte Goldschmidt. Zudem würden Ausgleichszahlungen und Entschädigungen für Landwirte unbürokratischer gestaltet. Betroffene Bauern können demnach im Rahmen des Vertragsnaturschutzes zwischen 310 und 450 Euro pro Hektar und Jahr erhalten; weitere Entschädigungen werden vorbereitet. Voraussetzung sei, dass die EU-Kommission hierfür schnell grünes Licht gibt, sagte Goldschmidt.

Eine besondere Herausforderung seien die Inseln. Dorthin müsse verstärkt Futter gebracht werden, weil nicht genug Nahrung für die Tiere nachwachse. Dieser Transport müsse finanziert werden, sagte Goldschmidt. Dafür wolle das Land Mittel bereitstellen. »Wir werden uns auch dafür einsetzen, dass den Gänsen ungestörte Äsungsflächen zur Verfügung stehen. Denn Gänse gehören zu Schleswig-Holstein und wir freuen uns darüber, dass sich die Bestände erholt haben.« Deshalb sei eine bessere Vereinbarkeit der Gänsebestände mit der Landwirtschaft sehr wichtig.