Jamaika will Eltern und Kommunen entlasten

Positiv verrechnet: Die Kita-Kosten fallen für das Land niedriger aus als kalkuliert. Das nicht benötigte Geld soll nach dem Willen der Kieler Regierung im System bleiben - zum Nutzen von Eltern und Kommunen.

Da die Gehälter und Zahl der Kita-Plätze nicht so stark gestiegen sind wie angenommen, muss Schleswig-Holstein 45 Millionen Euro weniger für seine Kita aufbringen.
Da die Gehälter und Zahl der Kita-Plätze nicht so stark gestiegen sind wie angenommen, muss Schleswig-Holstein 45 Millionen Euro weniger für seine Kita aufbringen. Foto: Sebastian Gollnow, dpa

RESUME

Slesvig-Holsten skal fremover bruge 45 millioner euro mindre end beregnet på daginstitutionerne i delstaten. Med de penge, man alligevel ikke skal bruge nu, vil delstatsregeringen aflaste forældre til børn i vuggestuerne og kommunerne. At man skal bruge færre penge end først antaget skyldes, at lønningerne og antallet af vuggestue-pladser ikke er steget så kraftigt, som man havde regnet med.

Kiel. Schleswig-Holstein muss für seine Kitas künftig 45 Millionen Euro weniger im Jahr aufbringen als zuvor errechnet. 

Mit den darüber hinaus geplanten Mitteln will die Koalition aus CDU, Grünen und FDP nun die Eltern von Krippenkindern und die Kommunen weiter entlasten, wie die Fraktionschefs Tobias Koch, Eka von Kalben und Christopher Vogt mitteilten. Zudem sollen in Kreisen und kreisfreien Städten sowie in der fünftgrößten Stadt Norderstedt Inklusionszentren eingerichtet werden.

Der Hintergrund: Gehälter und Zahl der Kita-Plätze sind nicht so stark gestiegen wie mit dem Inkrafttreten der Kita-Finanzierungsreform zu Jahresbeginn erwartet worden war. 

Unterstützung von belastetet Kindern

Im laufenden Jahr werden deshalb 35 Millionen Euro weniger benötigt als berechnet. Damit sollen in der Corona-Krise auch besonders belastete Kinder in Kitas und Tagespflege unterstützt, die Kommunen entlastet und die Kita-Datenbank weiterentwickelt werden.

Die Kommunen müssen demnach in diesem Jahr rund 13 Millionen Euro weniger für die Kita-Finanzierung aufbringen. 20 Millionen fließen in Sport-, Freizeit- und Sprachförderungsprogramme, um damit Kindern zu helfen, die unter den Pandemiefolgen besonders stark leiden. Auch psychosoziale Unterstützung kann aus diesem Topf bezahlt werden. Zwei Millionen Euro sind für die Kita-Datenbank vorgesehen.

Von den dauerhaft frei werdenden 45 Millionen Euro jährlich gehen 18,6 Millionen mittelbar an Kommunen: Der Anteil der Wohnortgemeinden an den Kosten soll von 39,01 auf 37,65 Prozent sinken. Mit 16,44 Millionen Euro wird der Deckel beim Elternbeitrag für Krippenkinder um 56,40 Euro im Monat auf 232 Euro gesenkt. Das wären nur noch rund fünf Euro mehr als für Ü-3-Kinder.

Rund zehn Millionen Euro sind vorgesehen für Inklusionszentren, die im Durchschnitt mit acht Fachkräften besetzt sein sollen, abhängig von der Größe der Kommune. Die Teams sollen Kita-Betreuungsarbeit leisten, Fortbildungen anbieten, Trägern und Eltern helfen und bei der barrierefreien Gestaltung von Räumen unterstützen. 

Qualität verbessern

Die Koalitionsspitzen von CDU, Grünen und FDP verwiesen auf die Zusage in ihrem Koalitionsvertrag, Eltern und Kommunen bei Kita-Kosten zu entlasten und die Qualität zu verbessern.

Die Gewerkschaft GEW reagierte mit dem Hinweis, dass sie den Eltern die niedrigeren Kita-Beiträge von Herzen gönne. Gehe es nach ihr, sollte der Besuch von Kindertagesstätten allerdings grundsätzlich beitragsfrei sein. 

Das Geld sollte im Augenblick lieber in bessere Arbeitsbedingungen für das Kita-Personal, bessere Personalschlüssel sowie mehr Zeit für pädagogische Arbeit gesteckt werden, teilte der GEW-Geschäftsführer im Land, Bernd Schauer, mit.

SPD-Fraktionschefin Serpil Midyatli argumentierte ähnlich: »Eine bessere Bezahlung und mehr Plätze wären zwei Dinge, die im Kita-Bereich dringend nötig wären.« Inklusion sei bislang eine enorme Schwachstelle der Kita-Reform gewesen. »Mit dem Schritt in Richtung Inklusionszentren bewegt sich Jamaika zumindest ein bisschen.«

10 aug 2021, 17:52
dpa