Auf den Spuren von Völkerschauen

Am Donnerstag und Freitag kommt Ludomir Franczak in die Theaterwerkstatt Pilkentafel und zeigt seine Archiv-Performance.

Ludomir Franczak in
Ludomir Franczak in "Gutta". Foto: Pilkentafel

lg


tirsdag d. 8. november 2022 kl. 20:47

Flensburg. 2018 besuchte der polnische Künstler Ludomir Franczak das von der Prager Universität betriebene Hrdlicka Museum of Man und stieß dabei auf eine Vitrine, in der menschliche Gebeine ausgestellt wurden. Laut Objekttext handelte es sich um die sterblichen Überreste der »Dahomey-Amazone Gutta«, die im Rahmen einer »Völkerschau« im September 1892 in der tschechischen Hauptstadt vorgeführt wurde, wo sie später an Lungenentzündung oder Typhus starb. 

Dieser Fund wurde Ausgangspunkt für eine intensive Recherche:

Mit einem interdisziplinären künstlerisch-wissenschaftlichen Team suchte Ludomir Franczak in Archiven und Museen in ganz Europa nach Spuren von Guttas Biografie. Er fragte nach der Aufarbeitung von Kolonialismus in Polen und Tschechien, dem verantwortungsvollen Umgang mit Human Remains in europäischen Sammlungen, dem Fortdauern rassistischer Darstellungspraktiken und wie er als weißer Künstler diese Themen verhandeln könne. 

Am 10. und 11. November, jeweils 20 Uhr, zeigt Ludomir Franczak in der Theaterwerkstatt Pilkentafel seine »Archiv-Performance« unter dem Titel »Gutta«. 

Im Anschluss an die Aufführung am Freitag findet eine Gesprächsrunde statt. Sie bietet die Gelegenheit, sich tiefergehend mit den Themen und Fragen des Abends zu beschäftigen. 

Karten sind im Vorverkauf in der Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung, im AStA-Büro der Universität und der Hochschule Flensburg sowie über die Homepage pilkentafel.de und an der Abendkasse erhältlich.