Trotz Verletzung zum Ironman: Aufgeben ist keine Option

Nach zwei coronabedingten Absagen des legendären Ironman auf Hawaii drohte ein Kahnbeinbruch die WM-Teilnahme von Victoria Best endgültig zu verhindern. Doch die Flensburgerin macht sich auf den Weg und will am 6. Oktober an den Start gehen.

Victoria Best trainiert auch mit einer Kahnbeinfraktur fleißig weiter.
Victoria Best trainiert auch mit einer Kahnbeinfraktur fleißig weiter. Privatfoto

Ruwen Möller

rm@fla.de

tirsdag d. 20. september 2022, kl. 14:28

Flensburg. »Rums« - es krachte und alles ging blitzschnell. Eben noch auf dem Fahrrad, lag Victoria Best im nächsten Moment auf dem Boden und hatte sich - wie sich hinterher herausstellen sollte - das Kahnbahn am rechten Handgelenk gebrochen. 

Für eine Triathletin wie Best gehört eine Verletzung zum Sportlerleben dazu, auch wenn sie sich diese bei einem Unfall auf dem Weg zur Arbeit zuzog (natürlich war sie auf dem Fahrrad auf dem Weg ins Büro). Bitter für sie war der Zeitpunkt, Mitte August, keine zwei Monate vor ihrem Start am Donnerstag, dem 6. Oktober, beim Ironman auf Hawaii.

»Bei einem Kahnbeinbruch spricht man von 6 bis 12 Wochen Heilung. Nach vier Wochen zeigt sich oft erst, ob wieder alles zusammengewachsen ist«, erklärt uns Victoria Best, als wir sie drei Wochen nach dem Unfall sprechen. Zu dem Zeitpunkt war auf den Röntgenbildern noch nichts Entsprechendes zu sehen.  

Aus dem Archiv: Dieses Video entstand vor einem Jahr, als Victoria Best für den Ironman auf Hawaii trainierte. 


Inzwischen konnte Victoria Best jedoch wieder über den Unfall, die Folgen und die Weltmeisterschaft auf Hawaii sprechen, bei der sie nach wie vor als Altersklassen-Athletin an den Start gehen will. Zunächst war weder an das eine noch das andere zu denken. »Für mich ist nach der Diagnose eine Welt zusammengerbochen und ich habe nach der CT-Untersuchung (Computertomographie/Red.) nur geheult«, gibt sie zu.

»Ich war in einem mentalen Loch und mein Umfeld musste einiges aushalten. Ich konnte auch erst nach 14 Tagen einen Post dazu auf den sozialen Medien machen, so sehr hat es mich beschäftigt«, so Best.

Der Start beim legendärsten Triathlon der Welt schien in Gefahr und das wäre gleich mehrfach bitter gewesen. Zum Hintergrund: Best hat sich bereits vor drei Jahren qualifiziert und zwei Mal wurde Hawaii wegen der Coronapandemie abgesagt. Sie trainiert also bereits seit 36 Monaten auf ihr Ziel hin und war in guter Form. Den Viking Triathlon in Schleswig in diesem Sommer gewann sie und kurze Zeit später folgte Platz drei beim Ostseeman in Glücksburg

»Danach habe ich das Training etwas heruntergefahren und war gerade dabei, wieder Gas zu geben, als der Unfall passierte«, so Best. Als Trotzreaktion trainierte sie in den Tagen danach umso mehr. Problem nur: Mit einer Schiene an der Hand konnte sie auf dem Fahrrad die Bremse nicht bedienen und nicht auf der Straße fahren. Nur zu Hause auf der sogenannten Rolle konnten Kilometer gefressen werden. Und vor lauter Frust waren das viele. Zudem besorgte sich Best eine Art Schwimm-Handschuh, mit dem sie sogar ins Wasser konnte. »Ich trainiere halt das, was ich kann«, sagte sie und war auch schon wieder mit den Laufschuhen unterwegs.

Sie erhielt viel positiven Zuspruch und zog sich aus ihrem emotinalen Tief heraus. Eine Absage kam für sie ohnehin nie in Frage.

Nach dem Motto: »der Tag - die Sorge«, arbeitete sie weiter auf die WM hin. »Ich gehe davon aus, dass ich starten werde«, sagte sie vor dem Abflug Richtung Hawaii am 28. September. Ob eine Schiene erlaubt ist, ob sie damit tartsächlich Rad fahren kann (sie hat sich bereits nach einer Sonderkonstruktion zum Bremsen erkundigt) und ob sie diese am Renntag benötigt, wird sich noch zeigen. Ebenso, ob die Schmerzen dann endgültig weg sind und ob sich das limitierte Training der letzten Wochen negativ auf ihr Leistungsniveau ausgewirkt hat oder nicht.

Ihr Trainer Mario Schmidt-Wendling hat ihr jedenfalls Mut zugesprochen und macht sich da keine Sorgen. »Er meinte, dass es auf Hawaii nicht nur auf gute Zeiten, sondern vor allem auf den Kopf ankommt. Es gilt in erster Linie durchzuhalten, und diese mentale Stärke kommt mir in seinen Augen, nach all dem, was ich erlebt habe, zu Gute«, so Best, die nun hofft, dass sie am 6. Oktober um 6.30 Uhr/Ortzeit, 18.30 Uhr deutsche Zeit) tatsächlich an den Start gehen kann.


Victoria Best kann inzwischen wieder lachen, war direkt nach dem Unfall aber in einem mentalen Tief. Privatfoto