Ur-olympische Sportart soll in Flensburg wiederbelebt werden

SV Adelby gründet eine Ringer-Sparte.   

Frank Stäbler vertrat Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio. Foto:
Frank Stäbler vertrat Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio. Foto: Kadir Caliskan/UWW/dpa

Jörn Saemann

sport@fla.de

tirsdag d. 27. september 2022, kl. 21:01

Flensburg. Der SV Adelby ist einer der beiden größten Vereine Flensburgs. An der Ringstraße zählen dabei nicht nur Zeiten, Weiten, Resultate, sondern auch der Spaß am Breiten- und Leistungssport. Der heimischen Sportanlage gelegen, soll nun auch namentlich ein angelehnter und international angesehener Sport dort wieder Einzug halten. Das Ringen

»Ringen ist ein Ur-Olympischer Sport und seit den 1970er Jahren komplett aus Flensburg verschwunden«, so der 1. Vorsitzende des SV Adelby, Heiko Kaletta. Sein 2019 verstorbener Vater betrieb diesen Sport einst mit Leidenschaft. »Ich hatte so eine Eingebung und erinnerte mich, wie viel Spaß mein Vater am Ringen hatte. Da ist mir dann die Idee gekommen, das im SV Adelby wiederzubeleben«, so Kaletta mit einem Lächeln, wenn er an die Geschichten seines Vaters denkt. »Früher haben sie im benachbarten Dänemark und da besonders in Padborg, Wettkämpfe und Meisterschaften bestritten. 


Ringen ist aktuell in Flensburg nur noch als historische Plakette an der Sporthalle der Marineschule Mürwik existent. - Foto: Sebastian Iwersen

Am Abend vor einem Turnier, haben sie dann gemeinsam mit den Dänen gefeiert und am Tag danach alle Kämpfe verloren«, so Kaletta lachend. Dies ist nur eine der Anekdoten, die den 1. Vorsitzenden des SVA dazu bewogen, eine in der Fördestadt vergessene Sportart in Adelby wieder aufzubauen. Dabei sollen die Faszination, das Interesse und der Spaß am Ringen zurückkehren. 

Ich hatte so eine Eingebung und erinnerte mich, wie viel Spaß mein Vater am Ringen hatte. Da ist mir dann die Idee gekommen, das im SV Adelby wiederzubeleben.

Kaletta

»Ich bin mit dem Ringerverband Schleswig-Holstein in Kontakt und habe beim 1. Vorsitzenden Georges Papaspyratos angefragt, ob ein Turnier auf Flensburger Boden möglich ist. So wollen wir für den Sport Ringen werben«, so Kaletta, der damit unterstreicht, das die Matten endlich wieder in Flensburg ausgerollt werden sollen. Dies war in den 1970er Jahren letztmalig der Fall, als der DBK (Dansk Bokseklub) Sparta Flensburg noch Ringen, Kampfsport und vor allem das Boxen anbot, in dem in den 1980er und 1990er Jahren sogar in der Bundesliga geboxt wurde und eine deutsche Vizemeisterschaft mit der damaligen Mannschaft gefeiert wurde. Die Klitschko-Brüder sind die prominentesten Beispiele, die damals unter Vertrag standen. Später wurde zumindest der Boxsport bei DGF Flensborg noch weitergeführt und ist dort als Sparte weiter im Angebot, mit guten Erfolgen. 

So war für den Kampfsport in Flensburg, stets Idrætshallen in der Moltkestraße eine Heimstätte, die regelrechten Kultstatus erlangte. Doch dies ist lange her, im nördlichsten Bundesland kommt das Ringen inzwischen wahrlich nur spartanisch davon. Es gibt nur sechs (!) Vereine. Mit dem Kieler MTV, Preetzer TSV, TuS Gaarden und SV Makkabi Kiel, ist das Groh in und um die Landeshauptstadt beheimatet. Der ESV Hansa Lübeck und SC Gut Heil Neumünster komplettieren das halbe Dutzend an Ringerclubs in Schleswig-Holstein. 

Vom Ringen in Flensburg, zeugt in der Fördestadt nur noch ein Relief an den Mauern der Marineschule in Mürwik, das dort mit vielen anderen Sportarten einen geschichtlichen Blickfang bietet. So steht Kaletta mit dem Ringerverand Schleswig-Holstein in regem Kontakt und hier neben Papaspyratos, der beim TuS Gaarden in Kiel aktiv ist, vor allem mit dessen Vereinskameraden Sergej Slipakov.

»Sergej ist ein Arbeitskollege von mir. Das hat meinen Entschluss, Ringen zurück nach Flensburg zu holen, noch verstärkt. Denn für mich ist so eine olympische Sportart in Schleswig-Holstein beinahe vom Aussterben bedroht«, so der 1. Vorsitzende des SV Adelby. Und so hofft Kaletta, eine »in Flensburg verschüttete Tradition, wieder aufleben zu lassen. Denn wir wollen die Nachbarschaftliche Geselligkeit zu Dänemark auch mit dem Ringen wieder auf den Weg bringen.« Doch zunächst einmal steht im Fokus von Heiko Kaletta und dem SV Adelby, ein Aufbau der Ringer-Sparte und die Hoffnung, ein Turnier in Flensburg auszutragen. »Ich warte nur noch auf die Rückmeldung des Ringerverbandes Schleswig-Holstein. Wenn wir hier ein Turnier austragen könnten, dann würden vielleicht viele Zuschauer kommen, die damals aktiv oder Fan des Ringersports waren. 

Jeder Interessierte kann sich bei mir melden. Wir suchen Aktive und auch Trainer«, so Heiko Kaletta, der unter der Telefonnummer 0157-50684760 persönlich zu erreichen ist.