Dann eben nächstes Jahr

Die Flensburgerin Victoria Best hat sich vor zwei Jahren für den Ironman auf Hawaii qualifiziert. Doch zum zweiten Mal fallen die World Championships aus und sie muss auf 2022 warten. Diesmal ist es für sie Glück im Unglück.

Anfangs konnte Victoria Best nicht wirklich gut schwimmen und ging lange Zeit nicht zum Training.
Anfangs konnte Victoria Best nicht wirklich gut schwimmen und ging lange Zeit nicht zum Training. Fotos: Lars Salomonsen

Ruwen Möller

rm@fla.de

fredag d. 24. september 2021 kl. 21:01

Flensburg. Schwimmen im Naturbad Ladelund statt im Pazifik am Kailua Strand vor Hawaii. Radeln entlang der dänischen Ostseeküste statt an der Kona- und Kohala-Küste. Lauftraining in Holnis statt Marathon mit Ziel auf dem legendären Ali’i Drive. Eigentlich wäre Victoria Best am Montag, dem 27. September, von Hamburg über die USA nach Hawaii geflogen, um dort am 9. Oktober an der Ironman World Championship, dem ältesten und legendärsten Langdistanz-Triathlon der Welt (3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren und 42,195 km Laufen) teilzunehmen. Doch stattdessen schwimmt, radelt und läuft sie derzeit in heimischen Gefilden in und um Flensburg. Das spektakuläre Event am anderen Ende der Welt wurde wie schon 2020 abgesagt bzw. verschoben und so muss sie noch ein Jahr auf ihren Start warten.

»Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob das Rennen in 2021 überhaupt stattfinden kann«, so Victoria Best. »Von daher habe ich dieses Jahr erstmal mein Ding gemacht und mich gar nicht spezifisch auf das Rennen vorbereitet. Ich habe an meinen Schwächen gearbeitet und mache das jetzt halt noch ein Jahr länger. Natürlich möchte ich das Rennen auch irgendwann machen, aber letztlich finde ich es nicht so schlimm, dass es sich noch länger hinzieht. Ich möchte es auch nicht erzwingen, mir ist es wichtiger, das Rennen mit allem, was es zu bieten hat, zu genießen. Und wenn große Einschränkungen das nicht zugelassen hätten, ist es auch nicht das gewünschte Rennen.«

Best möchte gerne Freunde und Familie mitnehmen, am liebsten zwei Wochen vor dem Triathlon nach Hawaii reisen, um sich dort zu »akklimatisieren« und hinterher gerne »die Inseln angucken«. Wegen Corona wäre das jedoch weder in 2020 noch in diesem Jahr möglich gewesen und die Pandemie zwang die Veranstalter beide Male zur Absage bzw. zur Verlegung. Das Event aus dem Oktober soll am 7. Mai 2022 in den USA nachgeholt werden. Im Oktober ist reguläre Veranstaltung des kommenden Jahres wieder auf Hawaii geplant. Für die hatte sich die Flensburgerin Best ohnehin frühzeitig entschieden und ihren weiterhin gültigen Startplatz dorthin umgeschrieben. 


Im norddeutschen Winter würde es viel Indoor-Training für sie bedeuten und für jemanden, der in Hochphasen vor dem Wettkampf bis zu 15 Stunden die Woche trainiert, eine zusätzliche Herausforderung. So hatte es Best weitsichtig geplant und hat damit sowie der Event-Absage aktuell noch Glück im Unglück. Vor einigen Wochen stürzte sie beim Training mit dem Rad, hat immer noch Schmerzen beim Laufen, ihrer Lieblingsdisziplin beim Triathlon. »Einen Marathon hätte ich aktuell kaum durchgehalten«, sagt sie und ärgert sich immer noch über den Sturz. »Ich war müde.« Sie selbst nennt sich »ambitionierte Amateurin« und als solche muss sie Arbeit (Personalmanagement bei der Tourismus-Agentur Flensburger Förde) mit dem Trainingspensum unter einen Hut bringen. »Ich habe keine Lust auf Training, wenn der Alltag so voll ist, dass die Einheiten für mich Pflicht sind. Dann muss ich mich so strukturieren und lernen, dass ich auch mal ein Training ausfallen lassen darf.«

Früher war sie beim Ballett und hat Golf gespielt. »Talentbefreit« wie sie mit einem Schmunzeln sagt. Über ihren Vater kam sie zum Laufen. Seit 2015 betreibt die 32-Jährige Triathlon. Zunächst meist als Läuferin in der Staffel. Radfahren und Schwimmen musste sie erst lernen, vor allem das Training im Wasser war zunächst nicht ihr Ding. Doch sie wurde immer besser und feierte erste Erfolge. Ihren bislang größten feierte sie vor zwei Jahren im September beim Ironman in Wales. In 10:38:28 Stunden belegte sie Rang fünf bei den Frauen und gewann in ihrer Altersklasse (30 bis 34 Jahre). Damit hatte sie das Ticket für Hawaii in der Tasche. Und dort?

»Ich weiß nicht, wer da so startet, ich kenne die anderen nicht, aber es sind die Besten der Welt. Mein Ziel ist es, für mich das Beste rauszuholen, und in meiner Altersklasse wäre ich schon gerne weit vorne«, so Victoria Best.