Mensah Larsen mit dem Last-Minute-Siegtreffer

Die SG Flensburg-Handewitt bezwingt den Deutschen Meister SC Magdeburg in einer atemberaubenden Partie mit 35:34 (17:13).

Mads Mensah traf in letzter Sekunde zum Sieg.
Mads Mensah traf in letzter Sekunde zum Sieg. Foto: Sebastian Iwersen

Ruwen Möller

rm@fla.de

lørdag d. 1. oktober 2022, kl. 20:22

Flensburg. Maik Machulla hatte vor dem Bundesliga-Kracher seiner SG Flensburg-Handewitt gegen den SC Magdeburg davon gesprochen, dass es einen »perfekten Tag« bedarf, um den Meister zu schlagen. In einem hochklassigen Spiel wackelte die SG zwar auch mal, aber mit der besten Saisonleistung und einem Last-Minute-Hammer von Mads Mensah Larsen holte sie am Ende einen 35:34-Sieg und meldete sich in der Spitzengruppe der Liga zurück.

Den ersten großen Jubel des Abends gab es bereits vor dem Anpfiff. Die Arena, mit 6300 Besuchern erstmals in dieser Saison restlos ausverkauft, kannte kein Halten mehr, als die Vertragsverlängerung von Kevin Møller bekannt gegeben wurde. Der dänische Nationaltorwart begann dann auch im Tor und war sofort mit einer Parade zur Stelle. Vor ihm agierte zur großen Überraschung vieler sein Landsmann Simon Hald im Mittelblock. Der Däne war erst vor 17 Tagen mit einer Tibiakopffraktur verletzt ausgefallen und es war zunächst von einer wochenlangen Ausfalldauer die Rede.

Mit ihm hatte die SG-Defensive sofort die Stabilität, die sie auszeichnet. Dem gefährlichen Magdeburger Rückraum wurde der berühmte Zahn gezogen. Der beste Spieler der vergangenen Saison, Omar Ingi Magnussen war entsprechend gefrustet. Erst verwarf der Toptorjäger der Gäste einen Siebenmeter gegen Møller und anschließend kassierte er eine Zeitstrafe (23.). Beim Kampf um den Ball hatte er das Nachsehen, wollte dies aber nicht wahrhaben und regte sich zu sehr auf. Sein Teamkollege Piotr Chrapkowski (5.) hatte bereits früh nach einem Foul an Gøran Søgard glatt die Rote Karte gesehen. All das führte dazu, dass die SG im ersten Durchgang alles im Griff hatte. Mehr noch, sie setzte der letzten Top-Leistung gegen Berlin noch einen oben drauf und absolvierte ihr bislang bestes Saisonspiel.

Die beste SG gab es auch, weil Jim Gottfridsson sein stärkstes Spiel seit langer Zeit machte. Entweder spazierte der Schwede durch die SCM-Deckung und verwandelte selber oder war der gewohnt geniale Anspieler. Zudem brachte Lasse Møller ein neues und lange vermisstes spielerisches Element in den SG-Angriff. Der Däne ist ohne Zweifel ein Handball-Künstler.

Bereits zur Pause quittierte das Heimpublikum all dies mit stehenden Ovationen. Es stand 17:13.

Nach dem Wechsel blieb die SG vorne. Dabei glänzte die neue dänische Flügelzange Emil Jakobsen und Emil Hansen wie einst ihre Vorgänger Lars Christiansen und Søren Stryger oder Anders Eggert und Lasse Svan. Beim Stande von 22:17 (38.) waren die Hausherren wie schon beim 17:12 (29.) mit fünf Toren weg.

Doch jetzt begann die SG zu wackeln. Der SCM holte auf und verkürzte auf 24:23 (45.). Beim 27:26 waren die Gäste wieder dran. Doch ein Tor von Mensah Larsen und die erste Parade vom eben eingewechselten Benjamin Buric sorgten dafür, dass die Partie nicht komplett kippte. Mensah Larsen legte zum 29:26 (50.) nach. Der Däne, der im Sommer am Knie operiert worden ist und zuletzt noch nicht die Schnelligkeit der Vorsaison hatte, war jetzt wieder ganz der Alte. Mit dem 30:27 (52.) zwang er SCM-Coach Bennet Wiegert zur Auszeit.

Auch nach dem eingangs erwähnten Tor von Rød blieb es spannend, besonders nach dem 33:32 durch Lukas Mertens (58.). Beim Stande von 34:33 (58:29) nahm Machulla seine letzte Auszeit. Rød hatte sich kurz davor bei einer Abwehraktion verletzt und konnte nicht mehr spielen. Jetzt kam Teitur Einarsson ins Spiel. Der Isländer verlor den Ball und Magdeburg konterte. Buric war aber zur Stelle. Beim nächsten Angriff leistete sich Gottfridsson einen Fehlpass und Tim Hornke glich aus zum 34:34. Noch waren wenige Sekunden zu spielen, die SG war nochmals alles nach vorne und bekam einen letzten Freiwurf, drei Sekunden vor Ende. Mads Mensah Larsen fasste sich ein Herz und hämmerte den Ball zum 35:34 ins Netz. Der Rest war SG-Ekstase.

STATISTIK

SG Flensburg-Handewitt - SC Magdeburg 35:34 (17:13)

SG Flensburg-Handewitt: K. Møller, Buric - Golla 2, Hald, Einarsson, Mensah Larsen 8, Søgard, Gottfridsson 5, Hansen 4, Pedersen n. e., Jakobsen 12/4, Semper, L Møller, Lindskog n. e., Rød 4

SC Magdeburg: Portner, Jensen - Meister, Chrapkowski, Kristjansson 6, Pettersson, Magnusson 7/1, Hornke 6, Weber 1, Mertens 5, Saugstrup 2, O´Sullivan, Smits, Damgaard 7

Schiedsrichter: Sebastian Grobe/Adrian Kinzel

Zuschauer: 6300 (ausverkauft)

Siebenmeter: 4/4:2/1 (Møller hält gegen Magnusson)

Zeitstrafen: 3:2 (Gottfridsson, Golla, Rød - Saugstrup, Magnusson)

Rote Karte: Chrapkowski (5.) grobes Foulspiel