Mit Alternativen zum Derbysieg

Die Verletztenliste der Handballerinnen des TSV Nord Harrislee hat sich rechtzeitig vor dem Derby gegen den MTV Heide gelichtet.

Für Tabea Schleemann und den TSV Nord Harrislee geht es im Derby gegen den MTV Heide darum, die Niederlagenserie zu stoppen.
Für Tabea Schleemann und den TSV Nord Harrislee geht es im Derby gegen den MTV Heide darum, die Niederlagenserie zu stoppen. Foto: Sven Geißler

Harrislee. Die gute Nachricht kam zuerst. Im Gegensatz zur Europameisterschaft der Männer in Ungarn und der Slowakei spielte Corona bei den Handballerinnen des TSV Nord Harrislee in der Trainingswoche keine sonderliche Rolle. Vor dem wichtigen Derby beim MTV Heide am Sonnabend (17 Uhr/Livestream auf Sportdeutschland.tv) endlich eine gute Nachricht.

Spielerisch hatte es zuletzt gehakt bei den Nordfrauen, die zwar auch enorme personelle Probleme hatten, aber auch durch eigene Unzulänglichkeiten seit sechs Partien nicht mehr gewonnen haben. Dass der MTV Heide ebenfalls eine Serie von zuletzt fünf Niederlagen auf dem Konto hat, spielt beim Aufeinandertreffen im Derby aber sicherlich keine Rolle. Auch der Blick auf die Tabelle, bei dem der TSV elf Punkte, aber auch schon 15 Spiele absolviert hat, gegenüber den sechs Punkten der Dithmarscherinnen, die aber nur zwölf Spiele bislang bestritten haben, spielt nur bedingt eine Rolle. 

Wir werden jetzt aber nicht alles auf den Kopf stellen, sondern in Ruhe weitermachen. Dass wir es können, haben wir im Saisonverlauf ja auch schon gezeigt.

Olaf Rogge, Trainer TSV Nord Harrislee

Beide Mannschaften befinden sich im Kampf um den Klassenerhalt und es ist Derby, mehr braucht es nicht, um eine spannende Partie zu garantieren. Als Pfund hofft Nordfrauen-Trainer Olaf Rogge dabei auf die sich lichtenden Reihen der verletzten Spielerinnen. So ist der Einsatz von Katharina Rahn noch fraglich, aber Jane Andresen, Leonie Mettner und Hanna Klingenberg werden wieder eingreifen können. Das hatte auch im Training einen netten Effekt.

»Das war stark. Wir konnten sechs gegen sechs im Training spielen. Das haben wir schon ewig nicht mehr gemacht. Die Spielerinnen waren gleich um Längen glücklicher und in der vergangenen Saison konnten wir daraus viel Energie ziehen. Ob es jetzt auch sofort einen Effekt hat, müssen wir schauen, aber die Grundlage ist schon wieder besser«, so Rogge glücklich.

Die Niederlagenserie macht Rogge nicht nur, aber auch »am Kopf« fest. »Wir wollen uns da raus arbeiten und das schaffen wir nur, wenn wir gemeinsam daran arbeiten. Wir werden jetzt aber nicht alles auf den Kopf stellen, sondern in Ruhe weitermachen. Dass wir es können, haben wir im Saisonverlauf ja auch schon gezeigt. Daran gilt es festzuhalten. Ob das schon gegen Heide für die Wende reicht, müssen wir aber sehen«, so Rogge.

Die Dithmarscherinnen, die über die letzten Jahre einen rasanten Aufstieg an den Tag gelegt und mit ihrer sehr offensiven Deckung so manchen Gegner vor unlösbare Aufgaben gestellt haben, sind allerdings auch ein unangenehmer Gegner. Mit Levke Kretschmann (90 Tore) steht zudem eine starke Individualistin in Reihen des MTV.

»Im Hinspiel haben sie auch schon eher in der 6-0-Abwehr gespielt und ich gehe davon aus, dass wir es am Sonnabend auch sehen werden. Wir sind aber auch bei einer offensiveren Variante nicht überrascht. Mal schauen, wen Heide auf die Platte bringen kann, dann werden wir schlauer sein«, so Rogge, der mit seinem Team dringend ein Erfolgserlebnis braucht.

Ernüchternde HBF-Antwort

Ein Erfolgserlebnis gab es für den TSV Nord Harrislee bei der Handball-Bundesliga Frauen (HBF) indes zuletzt nicht. Die Umstände, unter denen die Partie bei Frisch Auf Göppingen ausgetragen werden musste, waren der Stein des Anstoßes für den TSV, eine Beschwerde bei der HBF einzureichen. In Göppingen mussten die Nordfrauen trotz neun ausfallender Vertragsspielerinnen antreten, während es noch vor Jahresfrist für den SV Werder Bremen möglich war, seine Partie bei den Nordfrauen - bei weniger aussagekräftiger Ausgangslage - abzusagen und neu ansetzen zu lassen. Auch ohne Zustimmung der Nordfrauen.

Die Antwort der HBF war dabei so ernüchternd wie zu erwarten. »Entscheidungen der spielleitenden Stelle über Absetzung oder Verlegung eines Spieles sind nicht einspruchsfähig, wie sich aus § 46 Abs. 3 SpO i. V. m. § 34 Abs. 1 S. 2 RO deutlich ergibt«, heißt es unter anderem in der Stellungnahme der HBF durch den Vorsitzenden Andreas Thiel. 

Dabei wird im Schreiben der HBF zwar eingeräumt, dass die Situation für den TSV Nord Harrislee hart gewesen sei, aber entsprechend der Regeln. Für die kommende Saison wird in Aussicht gestellt, dass sich die HBF damit befasst, ihre Durchführungsbestimmungen zu präzisieren und einen Passus aufzunehmen, der Verlegungen wegen Krankheit gestattet und regelt.

22 jan 2022, 8:50
Timo Fleth
tif@fla.de