Ein ganz besonderes Spiel

Für Lotta Woch geht es erstmals gegen den Herzensverein TSV Nord Harrislee. Mit Frisch Auf Göppingen zählt für die 25-Jährige im Aufstiegsrennen aber nur der Sieg auf dem Feld. Mehr Nerven als sonst kostet sie das Duell aber schon. Flensborg Avis hat sie zudem auch einen Einblick in ihre Gedanken zur Zukunft gegeben.

Wie viel Lotta Woch der TSV Nord Harrislee bedeutet war nicht nur bei ihrer Verabschiedung im vergangenen Sommer zu sehen.
Wie viel Lotta Woch der TSV Nord Harrislee bedeutet war nicht nur bei ihrer Verabschiedung im vergangenen Sommer zu sehen. Archivfoto

Göppingen. Sie ging als Urgestein, Top-Torjägerin und Kapitänin im Sommer von den Handballerinnen des TSV Nord Harrislee in der 2. Bundesliga in den Süden zum Erstligaabsteiger Frisch Auf Göppingen. 

Einen Leistungseinbruch führte die neue Aufgabe für Lotta Woch aber nicht mit sich. Mit 93 Toren, davon 36 Strafwürfe, führt die 25-Jährige die Torschützenliste in Göppingen an und liegt ligaweit damit auf Platz drei. Die Frisch-Auf-Frauen liegen zudem derzeit auf Tabellenplatz drei mit nur einem Punkt hinter dem Spitzenduo vom HSV Solingen-Gräfrath und VfL Waiblingen und damit noch absolut im Rennen um den direkten Wiederaufstieg. 

Am Sonnabend (18 Uhr/Livestream auf Sportdeutschland.tv) kommt es für Lotta Woch aber zur ersten Begegnung mit der Vergangenheit, wenn die Nordfrauen in der Göppinger EWS-Arena vorspielen. Ein spezielles Spiel für die Rückraumspielerin, die sich vorab Zeit genommen hat, um Flensborg Avis über ihre Rolle bei Frisch Auf, die Partie gegen die Nordfrauen und auch ihre Ziele und Pläne für die Zukunft Rede und Antwort zu stehen.

Ich verfolge das sehr genau und der Austausch mit den Mädels ist auch immer noch da. Da spielen ja auch nach wie vor viele meiner besten Freundinnen.

Lotta Woch, Frisch Auf Göppingen

Flensborg Avis: Wie zufrieden bist du mit dem Stand der Dinge?

Lotta Woch: Natürlich würden wir uns wünschen, noch etwas weiter oben zu stehen. Die Entwicklung macht mich wirklich zufrieden. Man hat das Gefühl, dass wir uns jetzt langsam wirklich gefunden haben. Die Rollenverteilung ist zudem klar.

Wurden deine Erwartungen an den Wechsel erfüllt?

Absolut. Das hat überraschenderweise besser geklappt, als ich es gedacht hätte. Ich bin mega zufrieden, da ich auch fast ausschließlich im linken Rückraum spiele und auch viele Minuten insgesamt. 

Die Erwartung, dass es professioneller wird, ist zudem auch eingetreten. Man hat viel mehr Training. Darüber hinaus arbeite ich auch noch zehn Stunden in der Woche in der Lebenshilfe in Göppingen, wo ich Menschen mit Behinderung helfe. Außerdem arbeite ich viel für die Uni, wo ich im letzten Masterjahr bin. Langeweile kommt da nicht auf. Hoffen wir mal, dass das ein gesunder Stress ist.

Verfolgst du deine alten Mitspielerinnen beim TSV Nord Harrislee denn noch?

Auf jeden Fall. Wenn ich zuhause bin, versuche ich auch immer, zu den Spielen zu gehen. Bislang sind es zwei geworden in der Halle. Ich verfolge das sehr genau und der Austausch mit den Mädels ist auch immer noch da. Da spielen ja auch nach wie vor viele meiner besten Freundinnen.

Über das Spiel habe ich mit ihnen allerdings noch nicht so recht gesprochen. Nur mit Lea Tiedemann habe ich über ein mögliches Treffen am Siebenmeterstrich gesprochen.

Offene Rechnungen hast du dann am Sonnabend nicht zu begleichen?

Nein, definitiv nicht. Bislang haben uns die Nordfrauen mit ihrem Sieg gegen Waiblingen und dem Remis gegen Solingen auch eher geholfen. Das dürfen sie auch gerne so weiter machen. Ich bin auch im jeden Spiel für Harrislee, nur nicht gegen uns (lacht).

Wie ist denn überhaupt dein Gefühl vor so einem Spiel gegen die alten Weggefährtinnen?

Das ist für mich schwer zu beantworten, weil es das erste Mal sein wird, dass ich gegen Harrislee spiele. Ich merke allerdings schon, dass ich deutlich angespannter bin, aber auch mehr Vorfreude habe. Für mich ist das ein sehr besonderes Spiel, worüber ich schon die gesamte Saison immer wieder nachdenke. Das mache ich bei anderen Spielen nicht. 


Lotta Woch ging als Kapitänin bei den Nordfrauen immer voran. Bei Frisch Auf Göppingen tut die Rückraumspielerin dies auch, allerdings ohne Kapitänsamt. - Archivfoto

Wie sieht es für dich denn eigentlich perspektivisch aus?

Das ist die Frage. Derzeit ist noch nicht klar, was ich machen werde. Es gibt verschiedene Optionen und da gilt es jetzt für mich, einen klaren Kopf zu bekommen und herauszufinden, was ich machen möchte. 

Mir gefällt es richtig gut in Göppingen, aber mein Ziel ist es, in die Bundesliga zu kommen. Das kann ich, Stand jetzt, mit Göppingen nicht sagen. Wäre das sicher, würde ich definitiv hier bleiben. Das macht die Entscheidung so unglaublich schwer.

Ich habe auch noch den Beachhandball, wo ich auch gerne noch weiterkommen würde. Das macht nicht jede Mannschaft mit. Um Ostern herum gibt es einen Lehrgang, wo Vorentscheidungen für den Kader in Richtung Weltmeisterschaft und World Games fallen. Der Kampf um die Plätze ist hart, da der letzte Kader immerhin Europameister wurde. 

Beachhandball steht also weiterhin auf deinem Programm?

Voll. Du nimmst vom Beachhandball was mit für die Halle und auch umgekehrt. Für mich ist das ein hervorragender Ausgleich.

Wie soll es denn am Sonnabend ausgehen? Mit welchem Gefühl würdest am Ende gerne stehen?

Egal wie, Hauptsache wir gewinnen. Aber man sollte Harrislee nie unterschätzen. Am Ende hoffe ich, dass ich mit einem guten Gefühl stehe und das wir ein tolles Spiel gemacht haben. Außerdem hoffe ich, dass dann noch Zeit ist ,mit meiner alten Mannschaft zu quatschen. Da bin ich mir aber sicher.

Vielen Dank!

7 jan 2022, 7:20
Timo Fleth
tif@fla.de