Vom Verletzungspech verfolgt

Die Trainer der SG Flensburg-Handewitt mussten in der Saison 20/21 so kreativ sein wie nie zuvor. Immer wieder brach ein Puzzleteil langfristig verletzt weg.

Benjamn Buric verpasste den Saisonendspurt, nachdem er sich eine Muskelverletzung am Oberschenkel zuzog.
Benjamn Buric verpasste den Saisonendspurt, nachdem er sich eine Muskelverletzung am Oberschenkel zuzog. Archivfoto

Flensburg. So viel Verletzungspech wie in der Saison 2020/21 haben die Handballer der SG Flensburg-Handewitt in ihrer Geschichte noch nicht erlebt. Acht schwere Verletzungen mit entsprechend langer Ausfallzeit mussten die Flensburger in dieser Spielzeit beklagen. Dabei nahm das Drama schon vor dem durch Corona verspäteten Saisonstart seinen Lauf.

Kreisläufer Simon Hald hatte noch mit den Nachwehen vom Kreuzbandriss aus der Vorsaison zu kämpfen, da ereilte SG-Trainer Maik Machulla noch vor dem Trainingslager die erste Hiobsbotschaft. Kreisläufer Johannes Golla hatte sich im Training in einem Zweikampf eine Fraktur des rechten Mittelfußes zugezogen und sollte rund drei Monate der Mannschaft auf dem Feld nicht helfen können. Für Machulla damals ein schmerzhafter Ausfall.

»Johannes war schon jetzt in einer unglaublich guten Form und ist in unserer Mannschaft als absoluter Leistungsträger nicht wegzudenken. Das trifft uns als Team sehr hart und wir werden ihn als Spieler vermissen«, sagte Machulla direkt nach der Verletzung des deutschen Nationalspielers.

Damit war es aber für den SG-Trainer noch nicht getan, denn mit Jacob Heinl meldete sich knapp zwei Wochen später auch der letzte Kreisläufer im Kader verletzt ab. Heinl hatte sich im Abschiedsspiel für den ehemaligen Flensburger Michael Knudsen gegen Bjerringbro-Silkeborg Håndbold einen Innenbandriss im rechten Knie zugezogen. Entsprechend angefressen war Machulla.

»Sein Ausfall ist der nächste schwere Schlag in unserer Vorbereitung und damit ist unsere komplette Innenverteidigung nicht mehr existent. In den letzten Jahren war gerade unsere Abwehr die wichtigste Säule für unsere Erfolge und Titel. In dieser Konstellation sind wir momentan auf Top-Niveau nicht konkurrenzfähig und wir müssen uns alle auf sehr kreative Alternativen in der Abwehr und auch im Angriff vorbereiten«, so der SG-Trainer zur Heinl-Verletzung.

Pechvogel Møller

Dass es in dieser Saison nicht nur die Kreisläufer treffen sollte, zeigte sich zum Bundesligaauftakt im Oktober. Neuzugang Lasse Møller hatte bereits in der Königsklasse vor dem Start der Liga seine Fähigkeiten und gute Form gezeigt. So auch beim Auftakt gegen die HSG Wetzlar. Neun blitzsaubere Tore erzielte der Rückraumlinke, der während der Partie unglücklich auf die linke Hand fiel. Im Anschluss stellte sich heraus, das er sich einen Abriss des Diskus in der linken Hand zugezogen hatte und gut vier Monate nicht zur verfügung stehen würde.

Für die Neuzugänge lief es auch in der Folgezeit nicht wirklich rund. Linkshänder Franz Semper, erst im Sommer vom SC DHfK Leipzig als Nachfolger von Legende Holger Glandorf an die Förde gekommen, riss sich nach einem Zweikampf in der Champions League gegen Pick Szeged im Dezember das Kreuzband und zog sich zudem einen Meniskusschaden im linken Knie zu. Die Saison war für ihn damit gelaufen.

»Das ist eine absolute Katastrophe. Franz hat sich in den letzten Wochen mehr und mehr an unser System gewöhnt und sich perfekt in die Mannschaft eingefunden«, urteilte Machulla.

Dass die letzte Saison im SG-Dress für Vereinslegende Heinl in der Folge endgültig auf der Verletztenliste und nicht auf dem Feld enden würde, stand im Januar fest. Heinl musste sich einer Operation unterziehen, da eine Meniskusläsion und ein Knorpelschaden festgestellt wurden.

Um Magnus Rød im rechten Rückraum nach dem Ausfall von Semper etwas Entlastung zu verschaffen, verpflichtete die SG Flensburg-Handewitt Routinier Alexander Petersson bis zum Saisonende. Doch es dauerte, bis der Isländer für etwas Luft für den Norweger sorgen konnte. Ein Sehnenteilriss im linken Oberschenkel im Training im Februar und im weiteren Saisonverlauf hartnäckige Achillessehnenprobleme bremsten Petersson aus.

Møller hatte sein Verletzungspech für die erste SG-Saison auch noch nicht aufgebraucht und kehrte im März nicht nur mit einer Corona-Infektion vom Nationalmannschaftslehrgang Dänemarks zurück, sondern auch mit einem Knorpelschaden im linken Knie. Damit droht sogar die kommende Saison für den talentierten Rückraumspieler komplett ins Wasser zu fallen.

Im Mai musste die SG den nächsten personellen Rückschlag hinnehmen. Im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Aalborg Håndbold zog sich Torhüter Benjamin Buric einen Muskelteilriss im Bereich des hinteren rechten Oberschenkels zu. Was gleichbedeutend mit einem verfrühten Saisonende für den Keeper war.

Hampus Wanne fiel während der Hinrunde ebenfalls kurzzeitig mit muskulären Problemen aus und alle anderen Akteure plagten sich mit diversen Blessuren herum. Gøran Søgard fiel mehrfach mit Adduktoren-Problemen aus und am vorletzten Spieltag erwischte es Magnus Holpert am Sprunggelenk. Jim Gottfridsson konnte am Saisonende mit Knöchelproblemen im Grunde nur noch einbeinig mitwirken. Doch genau wie Magnus Rød, der oftmals nach Kopftreffern angeschlagen war und die gesamte Hinrunde eine Handverletzung verheimlichte, biss er sich bis zum Ende durch.

27 jun 2021, 11:35
Timo Fleth
tif@fla.de