Mit Vollgas und Handbremse

Die SG Flensburg-Handewitt empfängt am Mittwoch (20.45 Uhr/Liveticker www.fla.de) Aalborg Håndbold. Es gilt fünf Tore aufzuholen und möglicherweise weitere personelle Rückschläge zu verkraften.

Der Einsatz von Jim Gottfridsson (am Ball) gegen Aalborg ist fraglich.
Der Einsatz von Jim Gottfridsson (am Ball) gegen Aalborg ist fraglich. Foto: Tim Riediger

Flensburg. Als wäre die Hypothek der 21:26-Niederlage aus dem Hinspiel nicht hoch genug, steht die SG Flensburg-Handewitt im Viertelfinal-Rückspiel (Mittwoch, 20.45 Uhr/live DAZN) gegen Aalborg Håndbold möglicherweise ohne Jim Gottfridsson da. Einer möglicher Ausfall des Schweden, derzeit einer der besten Handballer der Welt, würde die SG schwer treffen. Aber deswegen würden die Norddeutschen ebenso wenig aufstecken, wie angesichts des hohen Rückstandes.

»Natürlich bin ich besorgt«, so Maik Machulla in Bezug auf Gottfridsson. Der Trainer der SG verkündete am Dienstag die Hiobsbotschaft und erklärte: »Am Montag hat Jim nur sein Bein hochgelegt, er konnte gar nichts machen und hatte starke Schmerzen.« Ein Pferdekuss in der Wade drückt derartig auf die Nerven, dass der Vizeweltmeister geschont werden musste. Am Dienstag beim Abschlusstraining war kaum mehr möglich. Ohnehin glich die letzte Einheit vor dem Aalborg-Spiel eher einer Theorie-Stunde.

Rød kann spielen

Langzeitverletzt sind weiterhin Jacob Heinl, Franz Semper und Lasse Møller (siehe nebenstehender Bericht). Alexander Petersson, der sich in Dänemark an der Achillessehne verletzt hatte und deshalb am Sonntag gegen Coburg pausierte, wurde lediglich getestet. Doch genau wie bei Gottfridsson sieht Machulla die Chancen auf einen Einsatz des Isländers als eher gering an. Co-Trainer Mark Bult könnte wie schon in Coburg wieder auf dem Spielberichtsbogen stehen. Immerhin: Magnus Rød, der sich in Aalborg am Knie verletzt hatte, kann laut Machulla spielen. »Er hat den Einsatz in Coburg gut weggesteckt. Wie lange er spielen und wie viel er uns helfen kann, werden wir sehen«, so der Coach, der wie immer in jeder schlechten Nachricht auch etwas Positives sieht.

So sagte er kämpferisch: »Mir ist vor allem wichtig, dass die Mannschaft weiß, dass wir auch ohne Jim schon gute Spiele gemacht haben.« Der Schwede ist zwar der Dauerbrenner der SG schlechthin und stand als einziger Akteur in jedem der bislang 41. Pflichtspiele in dieser Saison auf dem Feld - ganz nebenbei ist er auch der handballerische Kopf des Teams - doch Machulla erinnerte beispielsweise an den grandiosen Bundesliga-Auswärtssieg vor einigen Wochen beim SC Magdeburg, als der geniale Spielmacher relativ früh eine Rote Karte bekam und es auch ohne ihn ging.

Die Verantwortung lag damals im Rückraum vor allem auf den Schultern von Gøran Søgard und Mads Mensah Larsen. Und so würde es im Fall der Fälle auch gegen Aalborg sein. »Wenn Jim ausfällt, müssen wir unser Spiel nicht ändern«, so Machulla, der auch auf den jungen Magnus Holpert, aber ohne Gottfridsson nicht auf das Spiel 7 gegen 6 baut. »Es kann sogar ein kleiner Vorteil ohne Jim sein, weil Aalborg sich auf unser Spiel mit ihm vorbereitet.«

Ohne den Schweden und trotz der dünnen Personaldecke, könnte das SG-Spiel noch etwas temporeicher werden, als es das ohnehin schon ist. Machulla will sein Team jedenfalls laufen lassen. »Es liegt in unserer DNA«, sagte er und will die Spielweise nicht umstellen, zumal er darin den Weg zum Erfolg sieht. Der Coach fordert »Vollgas«, aber gleichzeitig: »Eine Hand an der Handbremse.« Zwar gilt es wegen der wenigen Auswärtstore seiner Farben »eigentlich sechs Tore« aufzuholen, aber das müsse nicht bereits nach fünf Minuten geschehen. »Natürlich ist es gut, so früh wie möglich Druck auf Aalborg auszuüben«, weiß Machulla, warnt jedoch davor zu überdrehen.

Mehr Bereitschaft

Damit es am Ende mit dem Einzug zum Final4 in Köln aus SG-Sicht funktioniert, fordert Machulla - ganz unabhängig davon, wer auf dem Feld steht - vor allem »mehr Bereitschaft«. Er meint: »Im Hinspiel fehlte mir die Ausstrahlung für ein Viertelfinale.« So lief die SG immer einem Rückstand hinterher, verpasste das Momentum, die Partie zu kippen und fiel in den letzten zehn Minuten ab.

Machulla sagte: »Der Matchball liegt bei Aalborg und sie kommen mit breiter Brust sowie als Favorit. Aber sie müssen ihren Vorsprung erst noch gegen uns verteidigen.«

19 maj 2021, 12:46
Ruwen Möller
rm@fla.de