Zweiter Anlauf beim zweiten Engagement

Alexander Petersson kehrte im Februar zur SG Flensburg-Handewitt zurück. Erst Pech - der Isländer verletzte sich sofort - und jetzt Glück: Rechtzeitig zum Derby gegen den THW Kiel ist er wieder fit.

Alexander Petersson spielte bereits von 2007 bis 2010 bei der SG und weiß daher, was es bedeutet, ein Derby gegen Kiel zu spielen.
Alexander Petersson spielte bereits von 2007 bis 2010 bei der SG und weiß daher, was es bedeutet, ein Derby gegen Kiel zu spielen. Archivfoto

Flensburg. »Das habe ich mir alles ganz anders vorgestellt.« Dieser Satz fiel im Gespräch mit Alexander Petersson gleich mehrfach. Der Isländer ging 2010, bei seinem Abschied von der SG Flensburg-Handewitt, zu »99,9 Prozent« davon aus, dass er in seiner Karriere nicht »noch einmal« für Flensburg auflaufen würde. Auch als er Anfang Januar dieses Jahres mit Island zur WM in Ägypten reiste, dachte er nicht im Traum daran, dass am 21. Januar seine Rückkehr zur SG verkündet werden würde. In der alten Heimat hatte er sich auf die guten alten Zeiten gefreut, wollte wie »früher im Kritz einen Kaffee trinken und etwas Leckeres essen«, doch Corona und hohe Inzidenzzahlen an der Förde haben das bislang verhindert. Nachdem er bei den Rhein-Neckar Löwen zuletzt nicht mehr viele Spielanteile bekam, wollte er im hohen Norden endlich wieder ein bisschen mehr auf der Platte stehen, doch auch daraus wurde nichts. Nach seinem gelungenen Einstand und einem Treffer beim 28:26-Auswärtssieg in der Champions League in Brest, verletzte sich Petersson. Der 40-Jährige, der als Ersatz für Franz Semper (Kreuzbandriss) bis Saisonende geholt worden war, zog sich vor dem Liga-Spiel bei Hannover-Burgdorf einen Sehnenteilriss im Bereich des linken Oberschenkels zu.

»Den Wechsel habe ich mir anders vorgestellt. Ich bin mit großer Euphorie hergekommen, habe mich auf ein geiles Team und tolle Spiele gefreut«, so Petersson, »und dann das. Natürlich war die Verletzung ein Rückschlag für mich, aber ich bin Profi genug, um das wegzustecken.«

Bereut hat Petersson die Rückkehr nach Norddeutschland ohnehin nicht. Ganz im Gegenteil. Vor allem vor dem Derby Flensburg gegen Kiel freut er sich mehr denn je, dass er ein zweites Engagement bei der SG bestreitet.

»Was die Verletzung angeht, geht es mir sehr gut. Ich habe wieder mit der Mannschaft trainiert und fühle mich gut. Natürlich fehlt mir nach sechs Wochen Pause einiges und davor habe ich auch kaum mit den Jungs trainiert, aber für ein Derby gegen Kiel bin ich motiviert. Es ist eines der größten Spiele in Europa. Davon träumt jeder Handballer und nur wenige haben die Chance, dabei zu sein. Von daher freue ich mich, wenn es reicht und ich helfen kann«, so Petersson, der am Donnerstag seine zweite Handball-Einheit mit dem Team absolvierte.

Kein Problem für den Olympia-Silbermedaillengewinner von 2008. Zum einen kennt er Mitspieler wie Lasse Svan, Marisu Steinhauser oder Mads Mensah Larsen aus früheren gemeinsamen Tagen, zum anderen spielt er bereits seit 17 Jahren in der Bundesliga. Er ist der derzeit erfahrenste Feldspieler überhaupt. 473 Liga-Spiele hat er für Düsseldorf, Großwallstadt, die SG, Berlin und die Rhein-Neckar Löwen absolviert. Darunter waren auch etliche Partien gegen den THW.


Brennt auf das Derby: Alexander Petersson. - Foto: Lars Salomonsen

»Mit jedem Verein habe ich gute und schlechte Erfahrungen gegen Kiel gemacht«, erinnert sich der Linkshänder. In seine erste Zeit bei der SG (2007 bis 2010) fielen sieben Nordderbys. Gleich das erste konnte Petersson mit Flensburg gewinnen. Alle anderen wurden verloren. Höchste Zeit also für einen weiteren Sieg.

In Flensburg verspürt Petersson die Chance, auf der Zielgeraden seiner Karriere noch einmal die Möglichkeit zu haben, »etwas gewinnen zu können«. Für diese Chance ist er dankbar. »Es ist eine große Ehre für mich, dass ich hier scheinbar noch so viel Respekt genieße, dass ich nochmal geholt wurde. Dierk Schmäschke hat sich jeden Tag um mich gekümmert und ich bin froh, dass ich hier bin. Es ist eine große Motivation für mich.«

Dass es so gekommen ist, daran hat auch Peterssons Frau Eivor ihren Anteil. »Am Anfang habe ich nein gesagt, aber sie hat mich ein bisschen überredet«, gibt er zu, unterstreicht jedoch sofort: »Es war eine gemeinsame Familienentscheidung.« Petersson war noch nie so lange und so weit von seiner Familie, die in Mannheim geblieben ist, getrennt. »Meine Frau hat jedoch gespürt, dass mein Herz den Wechsel wollte und ich konnte es ruhigen Gewissens machen. Ich will noch wichtig für eine Mannschaft sein«, so Petersson, der genau das in der jetzigen personell angespannten Lage für die SG ist. Fünf Stammspieler werden gegen Kiel fehlen, da ist ein Routinier wie der Isländer Gold wert.

Ende Juni wird Petersson die SG erneut verlassen und in den Süden zurückkehren. »Der Plan ist, dass wir noch ein Jahr in Deutschland bleiben und danach nach Island zurückkehren«, erklärt er. »Mein ältester Sohn ist dann 18 Jahre alt und hat die Schule abgeschlossen. Er soll auf eigenen Füßen stehen.« Was Petersson in dem einen Jahr macht, weiß er noch nicht. Er möchte »gerne« weiterspielen, aber »in der Nähe der Familie.« »Wer weiß, vielleicht spiele ich doch noch mal für die Löwen«, so Petersson, der in seiner Karriere gelernt hat: »Man soll nie nie sagen.«

26 mar 2021, 20:01
Ruwen Möller
rm@fla.de

FAKTA

Alexander Petersson

Geboren: 2. Juli 1980 in Riga/Lettland

Position: Rückraum rechts

Rückennummer: 40

Vereine: u. a. Düsseldorf, Großwallstadt, Berlin, Rhein-Neckar Löwen, SG Flensburg-Handewitt (2007-2010 und seit Februar 2021 bsi Juni 2021)

Erfolge: u.a. Olympia-Silber 2008 und EM-Bronze 2010 mit Island, 2 x Deutscher Meister, 1 x DHB-Pokalsieger, 3 x Supercup-Sieger, 1 x EHF-Pokalsieger (alles Rhein-Neckar Löwen)

Länderspiele: 40 Lettland, 173 Island