Der Schwede im DHB-Team

Am Freitag trifft Deutschland auf Schweden. Es geht um ein Ticket für die Olympischen Spiele. Für den schwedischen DHB-Torwarttrainer Mattias Andersson ein besonderes Duell.

Mattias Andersson (r.) ist inzwischen als DHB-Torwarttrainer an der Seite von Alfred Gislason tätig.
Mattias Andersson (r.) ist inzwischen als DHB-Torwarttrainer an der Seite von Alfred Gislason tätig. Foto: Sascha Klahn, dpa

Flensburg/Berlin. Mattias Andersson ist Schwede. Tätig ist er u.a. für den Deutschen Handballbund (DHB) als Torwarttrainer des Nationalteams. Am Freitag (15.15 Uhr/live ARD) steht für ihn ein besonderes Spiel an, wenn Deutschland zum Auftakt in das Heim-Olympia-Qualifikationsturnier auf Schweden trifft. Wir haben den Mann, der von 2011 bis 2018 bei der SG Flensburg-Handewitt erfolgreich spielte, vorab gesprochen.

Mattias, was ist für Dich schwieriger: die sportliche Herausforderung als Torwarttrainer der Deutschen gegen Schweden oder die emotionale Seite in diesem Duell, es geht schließlich auch gegen Deine Landsleute?

Mattias Andersson: Natürlich ist es sportlich eine große Herausforderung, Schweden zu bezwingen. Alles andere muss ich ausblenden und versuche, das so gut wie möglich zu tun.

Schweden kommt als frischgebackener Vizeweltmeister nach Berlin, sind sie der Favorit am Freitag - möglicherweise für das ganze Turnier?

Ich finde schon, dass sie favorisiert sind. Bei der WM sind sie sehr sicher und eingespielt aufgetreten. Das war vorher vielleicht nicht so zu erwarten, ebensowenig wie die Silbermedaille. Aber sie haben sehr gut gespielt und ich sehe es vor allem als Vorteil, dass sie mit nahezu dem identischen Team kommen. Wir haben etliche Spieler wieder mit dabei, aber eben einen veränderten Kader im Vergleich zur WM.

Schweden hat am Dienstag sein EM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro mit 27:24 gewonnen. Ist so ein Test unter Wettkampfbedingungen möglicherweise ein weiterer Vorteil?

Das wird sich zeigen. Für uns passt es sehr gut, dass wir in dieser Woche nicht spielen und vor allem nicht reisen müssen. Wir können uns in Ruhe in Berlin vorbereiten und trainieren.

Dein guter Freund und alter Weggefährte Tobias Karlsson ist inzwischen Teammanager bei den Schweden. Sein Hauptaugenmerk liegt auf der Abwehrarbeit. Kannst Du im schwedischen Spiel das ein oder andere Detail aus euren gemeinsamen Tagen erkennen und so noch Tipps weitergeben?

Eher nicht. Es hat keine Relevanz mehr, was wir seinerzeit auf dem Spielfeld gemacht haben. Zudem ist die Abwehrarbeit Schwedens nicht mein Hauptaugenmerk, sondern Alfreds (Gislason, DHB-Bundestrainer/Red.) Bereich.

Auch Jim Gottfridsson kennst Du bestens aus eurer gemeinsamen Zeit. Ist er derjenige im schwedischen Spiel, den es unbedingt auszuschalten gilt?

Natürlich müssen wir ein Auge auf ihn haben, aber auf viele andere auch. Hampus Wanne ist in überragender Form, sie haben gute Torleute, von daher ist es wie immer im Handball: es gilt, viele Spieler zu beachten.


Von 2011 bis 2018 trug der Schwede Mattias Andersson das Trikot der SG Flensburg-Handewitt. Foto: Martin Ziemer

Wenn Du auf das gesamte Turnier schaust - die beiden Olympia-Tickets werden unter Deutschland, Schweden und Slowenien vergeben?

Davon gehe ich aus.

Wo siehst Du euch in diesem Dreier-Vergleich?

Wir entscheiden mit, wer dabei ist. Allerdings haben wir nicht den Heimvorteil, der einst als Pluspunkt galt, als die Turniere vergeben wurden (in Berlin sind keine Zuschauer zugelassen/Red.). Das spielt durchaus eine Rolle, sowohl wenn es nicht läuft, aber auch wenn es läuft. Doch das ist für uns kein Thema mehr. Alle Spieler kennen die Situation aus den Vereinen und deshalb verschwenden wir daran keine Gedanken.

Wie gefällt euch der Spielplan, immerhin geht es gleich gegen Schweden mit einem Schlüsselspiel los. Es folgen Slowenien und Algerien.

Auch darüber machen wir uns keine Gedanken, weil wir den Spielplan nicht beeinflussen können. Ob er gut oder schlecht für uns war, wissen wir auch erst hinterher.

Wie sehen Deine konkreten Aufgaben in der Arbeit mit den Keepern aus?

Es geht darum, sie mental, physisch und analytisch auf die Gegner vorzubereiten. Nach einem Spiel die Partie abzuhaken und auf den nächsten Gegner zu schauen. Hier und da versuche ich, Tipps zu geben, und neben der Einstellung mit dem gesamten Team gibt es von mir beispielsweise auch noch spezielle Videoclips für die Keeper.

Wie sehr bindet Alfred Gislason Dich in die Frage, welche beiden der drei Keeper spielen, mit ein?

Wir reden sehr viel darüber und ich sage meine Meinung, aber am Ende ist er der Cheftrainer und trifft die Entscheidungen.

Sag abschließend noch einen Satz zu Johannes Golla. Du hast ihn in Flensburg nicht mehr als Mitspieler erlebt, aber wie bewertest du seine Entwicklung?

Johannes ist ein super Junge und Typ, der es sowohl in Flensburg als auch im Nationalteam gut macht. Er hat eine starke WM gespielt. Natürlich muss er noch Erfahrungen sammeln, aber das ist klar, weil er noch jung ist. Er will jedoch lernen und arbeitet. Johannes wird seinen Weg gehen und noch besser werden, davon bin ich überzeugt.

10 mar 2021, 16:01
Ruwen Möller
rm@fla.de