Platz eins erobert

Mit einem 30:29-Sieg bei Elverum hat die SG Flensburg-Handewitt die Spitzenposition in der Gruppe A übernommen. Spekulationen über einen dänischen Neuzugang.

Torbjørn Bergerud war gegen seine Landsleute gut aufgelegt.
Torbjørn Bergerud war gegen seine Landsleute gut aufgelegt. Foto: Tim Riediger

Ruwen Möller

rm@fla.de

10. dec 2020, 20:20 d. 10. dec 2020, 20:20 kl. 10. dec 2020, 20:20

Elverum. Es dauerte rund 15 Minuten, dann bekam die SG Flensburg-Handewitt ihr Königsklassen-Auswärtsspiel in Norwegen in den Griff und holte am Ende einen 30:29-Sieg. Dadurch ist der Titelträger von 2014 mit Kielce gleichgezogen (13:3 Punkte) und weil die SG den direkten Vergleich gegen die Polen gewonnen hat, liegt sie nun auf Platz eins ihrer Vorrunden-Gruppe. Der Vorsprung auf den Dritten, Brest, beträgt jetzt vier Zähler und das ist wichtig, denn die beiden Erstplatzierten der jeweiligen Gruppe ziehen in dieser Saison direkt ins Viertelfinale ein. Elverum bleibt mit der Niederlage Gruppenletzter.

»Aus unseren Möglichkeiten haben wir viel gemacht. Ohne Rød und Semper bekommen wir natürlich nicht die Möglichkeiten wie sonst, aber wir haben es gut gemacht«, sagte Maik Machulla. Der SG-Coach ärgerte sich lediglich darüber, dass sein Team trotzt stetiger Führung den berühmten »Sack nicht zugemacht hat.« Er meinte weiter: »Dadurch wurde es am Ende ein Kraftakt, aber Mentalität und Kampfbereitschaft waren Wahnsinn. Wir wollten die zwei Punkte unbedingt, haben zum Schluss viel investiert und deswegen bin ich sehr stolz auf die Spieler.«

In Norwegen begannen die Gäste mit ihren drei verbliebenen Norwegern in der Startaufstellung. Torbjørn Bergerud stand im Tor, Magnus Jøndal bekam den Vorzug vor Geburtstagskind Hampus Wanne (27 Jahre) und flitzte auf dem linken Angriffsflügel auf und ab. Gøran Søgard Johannessen mischte die gegnerische Abwehr aus dem Rückraum auf. Einzig Landsmann Magnus Rød musste aus der Ferne am Livestream zusehen. Bereits in der vergangenen Saison fehlte der norwegische Nationalspieler gegen Elverum verletzt. Diesmal verhinderte eine leichte Gehirnerschütterung aus dem Spiel gegen Göppingen seinen Einsatz. Außerdem fehlten Franz Semper und Lasse Møller verletzt. Doch auch ohne dieses Trio fand Flensburg nach Elverums Anfangs-Euphorie gut ins Spiel. Mads Mensah Larsen agierte als dritter Rechtshänder meist im rechten Rückraum und seine Farben versuchte viel über den Kreis. Kurz vor der Pause im 7:6 auch mit zwei Kreisläufern. Insgesamt war das SG-Spiel vielversprechend und zur Pause führte die Mannschaft von Maik Machulla mit 15:12.

Nach dem Seitenwechsel blieb die SG stets vorne, hatte jetzt jedoch deutlich mehr Mühe den immer knappen Vorsprung zu halten. Elverum machte es der ersatzgeschwächten SG mit einer meist offensiven und sehr beweglichen Abwehr schwer. Die Gäste konnten sich jedoch auf ihre individuelle Klasse verlassen. Dennoch wurde es kurz vor Schluss nochmal eng (28:28/57.). Selbst nachdem Johannessen und Steinhauser auf 30:28 erhöht hatten, war der Sieg noch nicht perfekt. Elverum verkürzte erneut und hatte in den letzten Sekunden den Ball. Mehr als ein Freiwurf sprang jedoch nicht mehr heraus. Diesn hilet Begerud fest und meinte hinterher: »Wir haben es gut gemacht, ständig geführt, aber wir haben auch zu einfache Fehler im Angriff und der Abwehr gemacht. Am Ende haben wir zwei Punkte geholt und das ist das Wichtigste.«

Gerüchteküche

In den Stunden vor dem Spiel tauchte in den sozialen Medien das Gerücht auf, dass die SG Flensburg-Handewitt ab Sommer den dänischen Nationalspieler Emil Jakobsen unter Vertrag nehmen würden. Ohne Angaben von Quellen vermeldete »Handball.leaks«, dass der Linksaußen von GOG, Magnus Jøndal, dessen Vertrag bei der SG ausläuft, ersetzen wird.

Die Flensburger kommentierten dies auf Anfrage nicht, sondern verwiesen die Meldung ins Reich der Gerüchte. Zu Jacobsen hieß es aus SG-Kreisen lediglich, dass er »auf jeden Fall interessant« sei.

Sein Vereinstrainer bei GOG, Nicolej Krickau, sagte gegenüber der dänischen Tageszeitung »Fyns Amts Avis« über Emil Jakobsen: »Er hat das Potenzial, der weltbeste Linksaußen zu werden.« 

Vor einem Jahr hatte Jakobsen in dieser Zeitung bereits gesagt, dass er gerne irgendwann ins Ausland möchte und Flensburg sein Traumverein sei - oder ein französisches Spitzenteam. 

Der 22-Jährige wäre nicht der erste Spieler, der den Weg aus Dänemarks Talenteschuppen Nummer eins Richtung Flensburg wagt. Vor ihm sind bereits Anders Eggert, Lasse Svan, Thomas Mogensen, Kevin Møller, Magnus Jøndal, Gøran Johannessen und zuletzt Lasse Møller von Fyn an die Förde gewechselt. Der Vertrag von Jacobsen läuft allerdings noch bis 2022. Dänische Spieler haben jedoch häufig eine Klausel, dass sie vorzeitig ins Ausland wechseln dürfen.

STATISTIK

Elverum - SG Flensburg-Handewitt 29:30 (12:15)

Elverum: Fries, Gulliksen, Imgard - Mathe 7, Langaas 5, Fingren 3, Blonz 3, Solstad 2, Hedberg 4, Schønningsen 1, Puyol 2, Pettersen 1, Grøndahl 1, Abalo, Nielsen-Nygaard, Hübert Larsen

SG Flensburg-Handewitt: Bergerud, Buric n. e. - Jøndal 4, Gottfridsson 5, Mensah Larsen 1, Johannessen 6, Heinl, Hald 1, Golla 7, Steinhauser 4, Holpert n. e., Wanne 2, Svan n. e., Sikosek Pelko n. e.

Zuschauer: 200

Schiedsrichter: Anton Palsson und Jonas Eliasson (Island)

Zeitstrafen: 4:2 (Fingren 2, Langaas, Puyol - Hald 2)

Siebenmeter: 3/2:3/2 (Wanne scheitert an Imgard)