Optimal sieht anders aus

Nach der Länderspiel-Woche empfängt die SG Flensburg-Handewitt am Mittwoch (19 Uhr/live Sky) die MT Melsungen. Corona und die Personalsituation sind weiterhin die beherrschenden Themen und haben die gewohnte Vorbereitung auf das Top-Spiel durchkreuzt. 

Standen sich erst letzte Woche in der EM-Qualifikation gegenüber: Bosniens SG-Keeper Benjamin Buric und DHB-Auswahlspieler Timo Kastening von der MT Melsungen. Foto: Bernd Thissen, dpa
Standen sich erst letzte Woche in der EM-Qualifikation gegenüber: Bosniens SG-Keeper Benjamin Buric und DHB-Auswahlspieler Timo Kastening von der MT Melsungen. Foto: Bernd Thissen, dpa Foto: Bernd Thissen, dpa

Flensburg. Neben der Partie SC Magdeburg (Tabellenplatz 6) gegen die Rhein-Neckar Löwen (2.) ist es das Spitzenspiel des 7. Spieltags: SG Flensburg-Handewitt (3.) gegen die MT Melsungen (4.). 

Auf die Norddeutschen kommt ein schwerer Gegner zu. Seit Jahren gehören die finanzstarken Hessen zur erweiterten nationalen Spitze. In diesem Sommer haben sie mit den deutschen Nationalspielern Silvio Heinevetter und Timo Kastening zwei weitere Top-Leute dazubekommen, und mit insgesamt sechs DHB-Akteuren haben die Melsunger inzwischen den Beinamen »MT Deutschland« erhalten. »Es ist nicht überraschend, dass Melsungen auf Platz vier steht«, erklärt Maik Machulla. Der SG-Coach findet, dass die Gäste »viele Möglichkeiten« und vor allem einen Julius Kühn haben, der »wieder sein absolutes Spitzenniveau« zeigt. 

Doch genau damit ist Machulla bereits beim Thema. »Es ist gar nicht so sehr das Sportliche, was mir Sorgen bereitet. Es ist vielmehr die Tatsache, dass sechs MT-Spieler bei der Nationalmannschaft waren und dort Kontakt mit einem positiv getesteten Mitspieler hatten«, so Machulla. Am Montag hatte der DHB mitgeteilt, dass ein Spieler aus den eigenen Reihen positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

Da auch der Flensburger Franz Semper zum Kader gehörte, der mit diesem Spieler in Kontakt war, wurde Semper am Dienstag doppelt getestet und genau wie sein bosnischer Vereinskamerad Benjamin Buric vom Rest der SG-Mannschaft isoliert. Buric hatte mit Bosnien am vergangenen Donnerstag gegen Deutschland gespielt. Im Vorfeld und auch im Nachgang der Partie gab es jede Menge Aufregung, da etliche Spieler vom Balkan ebenfalls positiv getestet worden waren. Buric - genau wie Semper - jedoch nicht, wie Machulla am Dienstag erklärte. Dennoch war und ist der Coach alles andere als zufrieden mit der Situation.

»Wir hatten Glück, dass Buric nicht 14 Tage in Quarantäne musste. Wir in den Clubs sind, wie zu erwarten war, die Leidtragenden der Nationalmannschafts-Woche.« Der SG-Übungsleiter hat großes Verständnis dafür, dass jede Partei die eigenen Interessen durchsetzen möchte. Wie gewohnt jammert er auch nicht, will und wird jeden noch so widrigen Umstand nicht als Ausrede anführen ( O-Ton Machulla: »Wir müssen das Beste daraus machen«), sagt jedoch: »Optimal ist es nicht und schon gar nicht das, was wir uns wünschen.«

Den Trainer wundert noch etwas: Der DHB hat den Vereinen empfohlen, die Nationalspieler vorsorglich zu isolieren. Ähnlich verhielt es sich im Frühjahr, als bei der MT Melsungen Spieler in Quarantäne geschickt wurden. Am Dienstag machten sich die Melsunger jedoch als Team auf den Weg nach Flensburg. »Auch die MT-Spieler sind alle negativ getestet worden, dennoch waren sie in Kontakt mit dem Mitspieler«, so Machulla, der sich selber aber nicht als richtigen Ansprechpartner in der Gesamt-Gemengelage sieht. »Der DHB und die HBL werden verantwortungsbewusst handeln und die richigen Entscheidungen treffen«, ist sich Machulla sicher, der auch weiß, dass alle zuständigen Gremien bis hin zu den jeweiligen Gesundheitsämtern im Bilde sind.

Er selber hat ohnehin genug damit zu tun, ein eigenes Team zu sortieren. Während ihm also Buric und Semper beim wichtigen Abschlusstraining fehlten, konnte der zuletzt mit Adduktoren-Problemen verletzte Marius Steinhauser wieder mitwirken. Hampus Wanne wird hingegen ebenso fehlen wie die weiter verletzten Johannes Golla und Lasse Møller. Wanne weilte mit seiner Muskelverletzung für Behandlungen bis Dienstag noch in Schweden. Ansonsten sind sämtliche Nationalspieler gut nach Hause gekommen. Wie abgesprochen bekam Gøran S. Johannesen beim Nationalteam sogar die Möglichkeit, »Substanz« zu tanken, und wurde im Spiel gegen Italien nicht eingesetzt. Andere wie etwa Lasse Svan mussten für Dänemark nur wenig spielen.

Da die eine Woche Nationalmannschaft bereits für reichlich Chaos gesorgt hat, mag Machulla noch gar nicht an die WM im Januar denken. »Natürlich ist das ein Thema, über das man sich Gedanken machen muss. Aber zur rechten Zeit und derzeit macht es keinen Sinn. Aber klar ist, dass die Gefahr viel größer ist, dass etwas passiert, wenn viele Spieler aus vielen Ländern zusammenkommen, als wenn sie nur hier bei uns zusammen sind. Wir wollen unsere nationale Liga schützen und das muss oberste Priorität haben«, so Machulla, der sich daher freut, dass es in der Liga wieder losgeht.

10 nov 2020, 16:42
Ruwen Möller
rm@fla.de