Die fliegenden Niederländer

Zu den großen sportlichen Überraschungen bei dieser EM zählt die Niederlande um die Ex-Flensburger Dani Baijens und Lars Kooij. SG-Co-Trainer Mark Bult über die Leistung seiner Landsleute.

Mark Bult freut sich über die Auftritte der Niederlande bei der EM.
Mark Bult freut sich über die Auftritte der Niederlande bei der EM. Foto: Lars Salomonsen

Ruwen Möller

rm@fla.de

23. jan 2022, 21:01 d. 23. jan 2022, 21:01 kl. 23. jan 2022, 21:01

Budapest/Flensburg. Mark Bult ist begeistert. Der Co-Trainer der SG Flensburg-Handewitt kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus, wenn er über die Leistungen der niederländische Nationalmannschaft bei der EM 2022 spricht.

»Es ist einfach schön, die Mannschaft zu sehen, wir spielen richtig gut«, so Bult und muss über sich selber lachen. »Ich sage immer noch wir«. Bult hat 85 Länderspiele für sein Land gespielt und fast 300 Tore im Nationaltrikot erzielt. Er war bisher immer noch einer der größten Handball-Namen in seiner Heimat - bei den Herren - hat seine Spielerkarriere aber längst eingestellt. Und er dürfte bald von Akteuren wie Luc Steins, Kay Smits und Dani Baijens in Sachen Bekanntheit in den Niederlanden abgelöst werden. Denn es ist eine neue Generation an Spielern die aktuell Geschichte schreibt. Bei der erst zweiten EM-Teilnahme (2020 Rang 17) stehen die Niederlande erstmals in der Hauptrunde. Und das nicht, weil Corona sie dorthin gespült hat. Ganz im Gegenteil, die Mannschaft ist inzwischen selber hart getroffen und beklagt mehrere Ausfälle. In der Vorrunde gab es rein sportliche Siege gegen Ungarn - vor 20.000 Fans - Portugal und eine knappe Niederlage gegen Island. »Darauf können wir stolz sein«, so Bult, der täglich im Austausch mit Akteuren des Team ist.

In der Hauptrunde gegen Frankreich hielten die Oranje-Ballwerfer eine Halbzeit lang gut mit, unterlagen am Ende aber klar. Montenegro wurde wiederum mit 34:30 besiegt und so ging der Traum von Baijens und Co., in der Hauptrunde »noch einen weiteren Sieg zu holen«, bereits in Erfüllung.

»Für die ganz großen Teams wie Frankreich und Dänemark reicht es noch nicht, aber leistungsmäßig sind wir im Mittelfeld der Teams angekommen«, findet Bult. Und Baijens, genau wie der nachnominierte Lars Kooij einst bei der SG Flensburg-Handewitt unter Vertrag (hauptsächlich waren beide in der Jugend und der Zweiten aktiv, Baijens aber auch bei den Profis), sieht es ähnlich: »Frankreich hat einfach mehr Breite im Kader. Daran müssen wir noch arbeiten.«

Bult pflichtet ihm bei: »Smits, Stein und Baijens dürfen auf keinen Fall ausfallen, dann wird es eng. Da müssen wir uns noch weiterentwickeln, aber insgesamt haben wir inzwischen einige Leute mit internationaler Erfahrung.« Sonntag die Schocknachricht: Smits hat Corona und somit fehlt der EM-Toptorschütze (45 Treffer) gegen Dänemark.

Starke Entwicklung


Der Ex-Flensburger Dani Baijens gehört zu den treibenden Kräften seines Teams. - Foto: Henk Seppen/Orange Pictures

Unabhängig davon findet Bult vor allem die Entwicklung von Baijens (28 Tore) gut. »Er traut sich jetzt mehr, übernimmt mehr Verantwortung.« Baijens, der aus Lemgo in die 2. Liga zum ASV Hamm-Westfalen gewechselt ist, erklärt: »Ich spiele jetzt vermehrt im linken Rückraum und habe meine Rolle so besser gefunden. Der Schritt zum ASV war definitiv kein Rückschritt, ich spiele dort viel mehr und das kommt mir zu gute.«

Bult findet, dass den Niederländen ein, zwei große Rückraumspieler fehlen, doch die kleinen Wirbelwind Baijens, Smits und Steins sind andersherum auch eine Stärke des Teams. »Gerade gegen die eher unbeweglichen Ungarn war das zu sehen«, so der SG-Co-Trainer.

Am Montag (18 Uhr/live TV2 und Eurosport) wartet Dänemark, eine Übermacht, wie Bult findet.

»Da haben wir keine Chance. Man muss sich nur mal den Kader anschauen. Normalerweise eine klare Sache, aber durch Corona ist in diesem Turnier irgendwie auch alles möglich.«

Egal wie es ausgeht und auch trotz Corona - der Herren-Handball erlebt in den Niederlanden weiterhin einen Aufschwung. »Die Euphorie ist groß und das ist schön. Die Frauen waren schon vorher erfolgreich (u. a. WM-Gold 2019 und EM-Silber 2016/Red.), aber jetzt schreiben die Zeitungen auch über die Männer«, freut sich Bult und wird hoffentlich auch Flensborg Avis lesen.