Einarsson in Unterzahl auf verlorenem Posten

Teitur Einarsson von der SG Flensburg-Handewitt hatte mit Island am Ende keine Chance gegen Dänemark um seine sechs Clubkollegen.

Teitur Einarsson (3. v. r.) unterlag mit Island gegen Dänemark.
Teitur Einarsson (3. v. r.) unterlag mit Island gegen Dänemark. Foto: Bernadett Szabo

Budapest. Teitur Einarsson trug einen schwarzen Mund-Nasen-Schutz mit dem EM-Logo aufgedruckt, als er mit hängendem Kopf durch die Mixedzone der Arena in Budapest schlich. Während der Isländer unserer Redaktion Rede und Antwort stand, gingen hinter ihm freudestrahlende Dänen vorbei. Dänemark hatte Island im ersten Hauptrunden-Spiel bei der EM mit 28:24 besiegt und den Halbfinal-Träumen von Einarsson und Co. einen heftigen Dämpfer verpasst. Die dänischen SG-Vereinskollegen von Einarsson, gaben ihm beim Vorbeigehen jeweils einen aufmunternden Schulterklopfer mit. Es gab jede Menge davon, schließlich sind bei Dänemark gleich sechs Flensburger dabei, wovon bis auf Aaron Mensing alle gegen Island zum Einsatz kamen. Zwei von ihnen gehörten zu den stärksten Kräften: Kevin Møller und Lasse Svan.

»Es läuft ganz gut und jetzt bin ich auch im Turnier«, sagte Kevin Møller, der erstmals eine tragende Rolle bekam. Nachdem es bei Niklas Landin zu Beginn nicht besonders lief, wurde Møller nach etwa 20 Minuten eingewechselt. Dänemark bekam den Gegner immer mehr in den Griff, auch weil Møller zwei Siebenmeter und insgesamt unglaubliche 52 Prozent der Bälle hielt. »Anfangs war Niklas auch oft alleine, weil es in der Abwehr nicht so passte«, sagte Møller bescheiden, freute sich aber über den Sieg und seine Leistung.

»Kevin hat es heute sehr gut gemacht«, lobte ihn Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen.

Svan drehte vor allem im zweiten Durchgang auf und war am Ende hinter dem Mann des Tages, Mathias Gidsel (9 Tore), und neben Mikkel Hansen (5) mit ebenfalls fünf Treffern zweitbester Torschütze der Dänen. »Im Angriff lief es ganz gut, nur in der Abwehr hatten wir zunächst Probleme. Von den Ergebnissen her sind wir natürlich zufrieden, aber spielerisch möchten wir uns noch weiter steigern«, so der SG-Kapitän.

»Es soll nicht verkehrt rüberkommen, über einen Sieg mit vier Toren gegen Island freuen wir uns natürlich. Aber wir haben die höchsten Ansprüche an uns und sind daher so gut wie nie zufrieden«, so Svan. Apropos vier: Dänemark hat nun vier Siege in vier Spielen und somit vier Punkte in der Hauptrunde auf dem Konto. Die halbe Miete auf dem Weg ins Halbfinale?

»So weit sind wir noch nicht. Gerade durch Corona kann viel passieren. Kroatien (der nächste Gegner am Sonnabend um 20.30 Uhr/live TV2 und Eurosport) ist immer noch ein starkes Team und auch die Niederlande sind gut unterwegs. Gegen Frankreich haben sie immerhin eine Halbzeit lang gut mitgehalten«, so Møller, der genau wie Svan dennoch sagt, dass es derzeit danach aussieht, dass Dänemark und die Franzosen auf einem guten Weg sind. »Die Ausgangssituation ist gut und es könnte vor dem letzten Gruppenspiel gegen Frankreich alles entschieden sein, aber jetzt gilt es erstmal gegen Kroatien«, so Svan.

Und Einarsson und seine Isländer? Die stehen vor dem Duell am Sonnabend (18 Uhr/live Eurosport/TV2 Play und Livestream Sportdeutschland.tv) gegen Frankreich unter Druck, müssen gewinnen, um ihre Chance auf das Semifinale zu wahren.

»Es wird natürlich schwer. Wir haben zwar noch eine Chance, müssen aber nahezu perfekt spielen«, so Einarsson.

»Uns haben natürlich wichtige Spieler gefehlt«, spielte der Linkshänder auf den Ausfall von u. a. Superstar Aron Palmarsson (Corona) an, meinte aber auch: »Dänemark hat einfach besser gespielt heute. Dennoch haben wir gut gespielt und ich bin stolz auf die Jungs. Wir haben uns nie aufgegeben«. Er selber bekam das erst in den letzten Minuten zu spüren, als er noch auf die Platte durfte. Im direkten Duell stand er seinem SG-Kollegen Mads Mensah Larsen gegenüber. Er erzielte zwar noch seine ersten beiden EM-Tore, konnte dem Spiel aber auch keine Wende mehr geben. 

Mit seiner bisherigen Reservistenrolle kann er leben. »Es ist schön nach drei Jahren (Einarsson spielte damals die WM/Red.) wieder beim Team zu sein und immer eine Ehre, dass blaue Trikot Islands anzuziehen.«

21 jan 2022, 10:36
Ruwen Möller
rm@fla.de