Es geht um mehr als einen Sieg

Im letzten EM-Vorrundenspiel gegen Polen geht es für Deutschland um Punkte und eine gute Ausgangslage in der Hauptrunde. 

Flensburgs Johannes Golla (l.) konnte sich die erneuten Anlaufschwierigkeiten der deutschen Handballer nicht erklären, war aber glücklich über die Leistungssteigerung gegen Österreich. Zum Trikottausch kam es trotz des herzhaften Zupackens aber nicht.
Flensburgs Johannes Golla (l.) konnte sich die erneuten Anlaufschwierigkeiten der deutschen Handballer nicht erklären, war aber glücklich über die Leistungssteigerung gegen Österreich. Zum Trikottausch kam es trotz des herzhaften Zupackens aber nicht. Foto: dpa

Bratislava. Die Freude nach dem 34:29-Sieg der deutschen Handballer im zweiten Spiel der Vorrunde der Europameisterschaft gegen Österreich war zunächst noch etwas gedämpft. Die Frage, ob es bereits für das Weiterkommen in die Hauptrunde reicht, stand noch aus. Polen tat Deutschland aber den Gefallen und schlug im späten Spiel Belarus mit 29:20, was gleichbedeutend mit dem Einzug Deutschlands in die Hauptrunde war.

Das abschließende Gruppenspiel gegen Polen am Dienstag (18 Uhr/ZDF) ist damit für Deutschlands Handballer um Kapitän Johannes Golla von der SG Flensburg-Handewitt aber noch lange nicht gleichgültig. Ganz im Gegenteil, geht es um die Ausgangsposition in der Hauptrunde, wo die Punkte gegen den direkten Konkurrenten mitgenommen werden. Johannes Golla hielt sich zunächst aber noch mit der Leistung gegen die Österreicher auf, denn dort war zu Beginn erneut die Abwehr ein Problem.

»Das war erneut eine etwas geteilte Leistung. In der ersten Halbzeit war das eher nicht so wie gewünscht, während es in der zweiten Halbzeit gut war. Es ist wirklich schwer zu sagen, warum wir uns derart schwer tun. In der Abwehr hat leider zu Beginn wieder nicht viel zusammengepasst. Dass wir es aber in der zweiten Halbzeit schaffen, so engagiert zu Werke zu gehen, ist genau das, was wir auch in den nächsten Spielen brauchen. Angefangen gegen Polen, so Golla zuversichtlich.

Vorweggenommenes Hauptrundenspiel

Aus der Bedeutung der Partie macht auch Axel Kromer, Sportvorstand beim Deutschen Handballbund (DHB), keinen Hehl.

»Das ist im Grunde genommen schon das erste Spiel der Hauptrunde. Nach dem Erreichen unseres ersten Zieles, dem Erreichen der Hauptrunde, wollen wir jetzt nach Möglichkeit auch ohne Verlustpunkte dort einziehen. Die Punkte jetzt gegen Polen gewinnen für den weiteren Verlauf einfach enorm an Bedeutung. Polen ist aber eine große Aufgabe«, so Kromer.

Mit der Ansicht steht der DHB-Sportvorstand auch nicht alleine. Die Polen haben bislang eine starke Endrunde gespielt und hatten weder gegen Österreich noch Belarus richtige Probleme.

»Die Polen hatten einen großen Umbruch, haben sich aber gefunden, auch wenn die Spieler in Europa noch nicht so bekannt sind. Uns erwartet eine aggressive Abwehr und viel Tempo. Das wird kein einfaches Spiel. Es wird ein Endspiel, denn wir wollen unbedingt die zwei Punkte mit in die Hauptrunde nehmen«, lässt Kreisläufer Patrick Wiencek keinen Zweifel an der Bedeutung aufkommen.  

Helfen sollte der Mannschaft auch Hendrik Wagner. Der Rückraumspieler der Eulen Ludwigshafen war nach dem positiven Coronatest von Julius Kühn nachnominiert worden. Aus einem Einsatz für den DHB wird vorerst aber nichts.

Bei den obligatorischen Eingangstest auf Corona kam nun ein positiver Befund für den 24-Jährigen zurück, der sich umgehen in Isolation begeben hat. Ohne einen negativen Befund durfte Wagner noch keinen direkten Kontakt zur deutschen Delegation haben und entsprechend sind keine anderen Spieler gefährdet worden.

»Ich verstehe die Welt nicht mehr. Mir geht es aktuell gut, aber die letzten Stunden waren eine emotionale Achterbahnfahrt«, so ein erschütterter Wagner.

Ob nun noch ein weiterer Ersatzmann in die Slowakei geholt wird, war zunächst noch offen. Sicher ist, dass weder Julius Kühn noch Hendrik Wagner am Dienstag gegen Polen (18 Uhr/ZDF) werden spielen können.

Der Bundestrainer deutete aber an, dass im Tor erstmals bei diesem Turnier Andreas Wolff beginnen könnte. »Wir werden das nach dem Training entscheiden, aber Andi kennt die Polen natürlich extrem gut. Es spricht vieles für ihn«, so Gislason.

Der 30 Jahre alte Keeper spielt seit 2020 beim polnischen Topclub Vive Kielce. In den beiden ersten EM-Spielen stand Till Klimpke in der Startformation.

17 jan 2022, 17:47
Timo Fleth
tif@fla.de