Leben mit einer Angststörung: Wenn Fußball zur Nebensache wird

Der Alltag von Nico Empen wurde lange Zeit von Angst bestimmt. Mit Hilfe, Vertrauen und viel Zuspruch ist der Stürmer des SC Weiche Flensburg 08 aber wieder zurück und will mit seiner Geschichte Mut machen.

Nico Empen ist trotz Angststörung zurück auf dem Platz und will mit seinem Weg anderen betroffenen Mut machen. »Mit Hilfe ist alles möglich«, sagt der 26-Jährige.
Nico Empen ist trotz Angststörung zurück auf dem Platz und will mit seinem Weg anderen betroffenen Mut machen. »Mit Hilfe ist alles möglich«, sagt der 26-Jährige. Archivfoto

Timo Fleth

tif@fla.de

mandag d. 28. november 2022 kl. 13:27

Flensburg. Nach 61 Minuten war es soweit. Nico Empen stand zum zweiten Mal in dieser Saison für die Regionalliga-Mannschaft des SC Weiche Flensburg 08 auf dem Feld. Waren es beim ersten Mal knapp fünf Minuten gegen den FC St. Pauli II, kam der Stürmer diesmal bereits nach 61 Minuten für Jonah Gieseler. Was diese Einwechslung so besonders macht, ist die Geschichte des 26-jährigen gebürtigen Husumers.

Angst bestimmte eine ganze Zeit lang den Tagesablauf des Nordfriesen und machte viele Dinge im Alltag nahezu unmöglich. Darunter auch das Fußballspielen. Entsprechend froh waren sowohl Nico Empen als auch alle Verantwortlichen des SC Weiche Flensburg 08, dass der Stürmer und »gute Junge«, wie SC-Geschäftsführer Christian Jürgensen sagte, wieder in der Regionalliga auf dem Platz steht. 

»Mir geht es sehr gut«, antwortete Empen nach dem Spiel auf die Frage nach seinem Befinden und setzte fort: »Lange Zeit war dem nicht so, was vielleicht auch gar nicht alle wussten. Ich hatte große Ängste.«

Dass sich der 26-Jährige traut, dies nun öffentlich zu thematisieren, ist ein starkes Zeichen und eindeutig ein Fingerzeig, dass es ihm wieder gut geht. Einfach war der Weg aber sicher nicht. 

»Ich bin in Behandlung und deshalb auch richtig froh, seit Längerem wieder mit Spaß Fußball zu spielen. Ich glaube, das merkt man auch auf dem Platz. Ich bin durch meinen Therapeuten Schritt für Schritt dazu gelangt, mich wieder anzunähern. In der zweiten Mannschaft habe ich es zuletzt gut gemacht und bin entsprechend froh, dass es gegen Emden so gelaufen ist, wie es ist. Ich bin stolz darauf, so durch diese Zeit gegangen zu sein. Ich bin froh, das Vertrauen von den Verantwortlichen bekommen zu haben, denn das ist nicht selbstverständlich. Ich werde jetzt weiter machen«, sagt Nico Empen mit einem Lächeln im Gesicht.

Das dies ein ganz persönliches Thema ist, das viele vielleicht nach Möglichkeit für sich behalten, ist Empen bewusst, aber nicht sein Weg. Der Torschütze zum 4:1 und Vorlagengeber zum 3:1 beim Sieg gegen Kickers Emden geht in die Offensive, auch um anderen erkrankten Hoffnung und Mut zu machen.

»Ich stehe zu 100 Prozent dazu. Das ist für mich keine Sache, vor der man sich verstecken muss. Bei mir war es eine Angststörung, die mich bei den alltäglichen Dingen begleitet hat. Ich will jedem auch Hoffnung machen, dass es auch wieder nach vorne geht. Ich habe sieben Monate nicht trainiert und jetzt bin ich langsam wieder da, wo ich hinmöchte. Ich bin demütig und versuche wieder Anschluss zu finden und das mit Hilfe«, so der 26-Jährige, der unterstreicht: »Jeder Mensch sollte wissen, dass Hilfe holen kein Verbrechen ist. Das ist nur dazu da, wieder richtig am Leben teilnehmen zu können. Das hat jeder verdient.«