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Die Zuschauer in der Alten Bahnpost in Flensburg werden von zwei Mitarbeitern der Gesellschaft für Humankapital empfangen. (Foto: FlA)

Nicht nur Zuschauer sondern Mitspieler

Theater

Was ist ein Mensch wert? Die Theaterwerkstatt Pilkentafel spiel das Stück »Flensburger Humankapital« im Alten Postgebäude in Flensburg.

Hans Christian Davidsen (hcd@fla.de)

tirsdag, 06.05. 2014 19:15

FLENSBURG. Nach dem großen Erfolg von »Wörterbuch« 2011/12 geht die flensburger Theaterwerkstatt Pilkentafel mal wieder an einen ungewöhnlichen Ort, diesmal ist es die »alte Bahnpost« neben dem Bahnhof, und belebt das Gebäude nach 15 Jahren Leerstand neu.

Seit Dezember haben sich ungefähr vierzig Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammengefunden und unter der Leitung von Elisabeth Bohde und Torsten Schütte von der Pilkentafel und der Medienkünstlerin Claudia Mayer an einer künstlerischen Umsetzung des Themas gearbeitet. Das Gesamtkunstwerk »Flensburger Humankapital« spiegelt also die Lebenswirklichkeit Flensburger Bürgerinnen und Bürger wieder. Jeder Teilnehmer hat einen eigenen Raum in dem großen Gebäude gestaltet und zeigt darin seine Erfahrungen, Sichtweisen und Geschichten.

Dies hat die unterschiedlichsten Formen und Formate angenommen; von Theaterszenen, Hörspielen, Kunstausstellungen, Medienprojekten bis hin zu interaktivem Spiel, aber immer stellt es die Frage nach dem Wert des Menschen.

Menschen werden zum Produkt

Manche haben dies sehr persönlich beantwortet und sind von eigenen Erfahrungen ausgegangen, andere beziehen sich eher auf die gesellschaftliche Erfahrung, dass der Kapitalismus immer mehr alle Lebensbereiche beeinflusst und die Menschen selbst immer mehr zum Produkt werden, dass immer mehr evaluiert und mit Kennziffern belegt wird und dass nicht mehr zählt, was nicht bezifferbar ist.

So wird der Zuschauer auch von zwei Mitarbeitern der Gesellschaft für Humankapital empfangen, die Klemmbrettberechtigungsscheine ausgeben und Effizienzquotienten beim Zusehen ermitteln. Die Zuschauer müssen selbst entscheiden, welche Räume sie besuchen, denn es wird nicht möglich sein, alles zu sehen.

Das Ganze ähnelt mehr einer Ausstellung oder einem Gesellschaftspiel als einer Theateraufführung. Auf jeden Fall wird es ein Abend, an dem der Zuschauer nicht nur Konsument sondern Mitspieler einer komplexen Versuchsanordnung wird. Danach gibt es Raum für Gespräche, zur Diskussion und zum Kennenlernen.

Freitag, 9. Mai 20 Uhr Premiere

Samstag, 10. Mai 20 Uhr