- MIDAS -

Gefahr von Doppelmoral…

Læserbrev

søndag, 20.10. 2019 17:37

Thede Boysen, Flensburg

Die Ausführlichkeit, mit der Daniel Dürkop meine Feststellung, dass die konkreten Kenntnisse über die hiesigen Minderheiten bei den Lehrkräften des dänischen Schulvereins sehr übersichtlich sind, versucht zu widerlegen, deutet darauf hin, dass ein wunder Punkt getroffen wurde. Auch die inhaltlichen Ausführungen vermögen nicht wirklich zu überzeugen.

Disney-artige Reenactments am Dannevirke oder auf Dybbøl haben keinen lebensweltlichen Bezug zu den hiesigen Minderheiten. Statt überkommene nationalromantische Narrative zu reproduzieren, wären der Erste und vor allem der Zweite Weltkrieg von entscheidender Bedeutung, um die Genese und das Selbstverständnis der Minderheiten zu verstehen und zu vermitteln. Bemerkenswert und vielsagend über das Regionalverständnis von Dürkop ist seine Semantik. Er umschreibt das geografische Gebiet, das seit Saxo Grammaticus (1160-1208, Vorsicht Nachhilfe!) als Friesland bezeichnet wird, technokratisch als »vestkysten« und ent-historisiert es damit. Der Verweis auf Risum Skole erfüllt nur zu deutlich dessen Alibifunktion, in dem man in einer Art Reservat auf (freiwilliger!) Basis gönnerhaft Abweichungen von der Norm zulässt. Gerade das, was der SSW-Antrag - für die dänische Minderheit - nicht will.

Es sieht nun auch nicht sonderlich gut für die Vermittlung von Wissen über die dänische Minderheit aus, wenn langatmig dargelegt wird, wie man bei Schülern und deren Eltern (!) das Minderheitenbewusstsein stärken möchte. Mein Punkt war genau umgekehrt, nämlich die Erfahrung als Elternteil mit indigenen Wurzeln, dass der Mangel an Minderheitenwissen und -bewusstsein bei den Lehrkräften liegt. Nun bekommen wir von Dürkop durch die kalte Küche zu wissen, es sind die Eltern, die nicht Bescheid wissen.

Der Verweis auf die Lehrpläne geht ebenfalls voll ins Leere, da man 2017 im Lehrplan Geschichte bei der Formulierung »De skal tilegne sig særlig viden om det danske og det frisiske mindretals oprindelse og historie« ausdrücklich die Worte »og det frisiske« gestrichen hat. Seitens der selbsternannten »Helden der Minderheitenpolitik«, dem SSW, gab es zu dem Zeitpunkt im Übrigen weder einen Aufschrei, noch wurden Bedenken hierzu geäußert. Es bleibt also beim gut gemeinten Ratschlag an den SSW, das Thema lieber fallen zu lassen. Die Gefahr, in flagranti bei einem Fall von Doppelmoral ertappt zu werden, ist einfach zu groß.

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