- MIDAS -

tirsdag, 19.08. 2014 09:47, Hans Christian Davidsen (hcd@fla.de)

- Wir sind völlig von der Rolle, berichtet Keike Faltings, die einzige Frau in der Band.

- Wir sind völlig von der Rolle, berichtet Keike Faltings, die einzige Frau in der Band. (Foto: Ard Jongsma)

Debüt-Album mit begehrtem Preis ausgezeichnet

Friesische Band Kalüün erhält große Auszeichnung: Preis der Deutschen Schallplattenkritik.

Folkmusik

Alkersum. Damit hatten die Musiker der friesischen Band Kalüün wohl kaum gerechnet: Ihr im März 2014 auf Föhr veröffentlichtes Debüt-Album Spöören (deutsch: »Spuren«) wurde am 15. August mit dem begehrtesten Preis der deutschen Folkszene ausgezeichnet, dem Preis der deutschen Schallplattenkritik.

Der Preis der deutschen Folkszene wird durch einen unabhängigen Zusammenschluss von derzeit 145 Musikkritikern und Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vierteljährlich in den sog. Bestenlisten vergeben, darin enthalten die besten und interessantesten Neuveröffentlichungen der vorangegangenen drei Monate. Bewertungskriterien sind künstlerische Qualität, Repertoirewert, Präsentation und Klangqualität.

Kalüün hat sich mit Spöören in der Kategorie Lieder & Songs klar durchgesetzt gegen bekannte Größen wie z.B. den Liedermacher Rainald Grebe mit der CD Berliner Republik oder den Sänger und Texter Felix Meyer mit der CD Menschen des 21. Jahrhunderts.

- Dass sich hier eine nordfriesische Band mit einer friesischsprachigen CD behauptet, kann als Sensation für die gesamte deutsche Folkszene bezeichnet werden, so Professor Dr. Volkert F. Faltings, Vorsitzender der Ferring Stiftung auf Föhr.

Voller Energie

In der Erklärung der Jury heißt es:

»Die Folkgruppe Kalüün stammt von der Nordseeinsel Föhr und dem nordfriesischen Festland. Mit Gastmusikern begibt sich das junge Trio auf die Suche nach musikalischen Spuren (Spöören) längst vergangener Zeiten – nach alten, fast vergessenen Liedern, Tanzstücken und Balladen, die Aufschluss über das Denken, Handeln und Fühlen früherer Generationen auf der Insel Föhr geben können. In friesischer Sprache, instrumentiert mit Gitarre, Violine, Mandoline, Cello oder Bouzouki, präsentieren die Musiker ihre Funde voller Energie, unverbrauchter Frische und offensichtlicher Freude am eigenen Tun.«

- Wir sind völlig von der Rolle, berichten Keike und Jan Faltings sowie Dennis Werner von Kalüün.

Auf Platz 4

- Eigentlich wollten wir nur mal etwas Neues machen. Wir haben anscheinend den passenden Zeitpunkt für unser Album erwischt. Die Leute haben spürbar Lust auf mehr Folk – Lust auf das Außergewöhnliche und Lust auf authentische Typen.

- Und auf einmal erfahren wir, so die drei Musiker weiter, dass Spöören im belgischen Rundfunk, Deutschlandradio, WDR läuft, und das ist für eine friesische CD in der Tat schon ziemlich außergewöhnlich.

Ihr Song Fering Hüs nach der Melodie von Cedars of Lebanon des renommierten irisch-amerikanischen Folkmusikers und Songschreibers Thom Moore ist aktuell in der sogenannten Liederbestenliste von ursprünglich Platz 18 auf 4 gestiegen. Auch wenn diese Liste schwerpunktmäßig deutschsprachige Titel und Alben berücksichtigt, so werden doch auch in Deutschland veröffentlichte Tonträger unabhängig der Sprache bewertet.

Im Herbst 2012 formierte sich die friesische Folkgruppe Kalüün (deutsch: »Kraft, Energie«), in Nachfolge der Vorgängerband Ballynacally, mit der sie eine mehr als zehnjährige Leidenschaft zum irischen Folk, aber auch zu amerikanische Stilrichtungen und zur traditionellen Musik Skandinaviens verbindet. Auf ihrer Reise durch die verschiedenen Stile des amerikanischen und europäischen Folks ist mit der Zeit nicht nur der charakteristische Sound der Gruppe gereift, sondern zunehmend auch das Bedürfnis gewachsen, den eigenen friesischen Wurzeln nachzuspüren.

Besondere Musikkultur

Kalüün setzt damit eine ganz eigentümliche Musiktradition der nordfriesischen Inseln fort, die einst neben regionalen Besonderheiten der schleswigschen und jütischen Spillemandsmusik deutliche Einflüsse internationaler Seemannslieder, Shanties und Tanzmelodien zeigte, wie sie mit den friesischen Seefahrern aus den europäischen Hafenkneipen auf die Inseln und Halligen gelangt waren.

Diese besondere Musikkultur kam im Zuge des nationalen Umbruchs nach 1864 schnell zum Erliegen und war schon um 1900 nur noch in Relikten vorhanden.

Mit ihrem Album Spöören begibt sich Kalüün nun auf die verwehten Spuren der alten, fast vergessenen Balladen und Tanzstücke der Insel Föhr, ergänzt durch eine Reihe eigener Kompositionen und Texte, und demonstriert darin, dass man traditionellen Folk mit nuanciertem Sprachgefühl und feinen Arrangements auch nach dem Musikgeschmack von heute anspruchsvoll und modern interpretieren kann.

A-ha-Producer

Die elf Titel des Albums – davon vier Instrumentalstücke – sind im Frühjahr und Sommer 2013 mit Unterstützung der drei befreundeten Gastmusiker Ole Carstensen, Michael Lempelius und Dirk Werner im Hookwerk Studio in Wyk auf Föhr eingespielt worden. Die Aufnahmeleitung und das spätere Mastering der einzelnen Titel lag in Händen des renommierten Hamburger Tonmeisters Manfred Faust (A-ha, Tokio Hotel, Lindenberg, Stanfour etc.). Design und Gestaltung der CD-Hülle und des darin befindlichen kleinen Begleitheftes sind von der Gruppe selbst konzipiert und gelayoutet worden. Zum besseren Verständnis erscheinen die im Booklet abgedruckten friesischen Liedtexte in einer deutschen Parallelübersetzung, während entsprechende englische und dänische Übertragungen auf der Website www.kaluun.de abrufbar sind.

Die CD kann direkt über die Bandhomepage als CD oder aber auch als digitaler Download inkl. PDF-Booklet mit allen Übersetzungen bestellt werden.