Machtverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt verschieben sich

Jede unbesetzte Stelle kostet Unternehmen in Deutschland durchschnittlich 29.000 Euro, zeigen neue Berechnungen von StepStone.

Leere Baustellen und Werkstätten – in deutschen Unternehmen fehlt es immer mehr an Arbeitskräften. Ein Trend, der sich in den kommenden Jahren noch verstärken wird, so Arbeitsmarktexperten.
Leere Baustellen und Werkstätten – in deutschen Unternehmen fehlt es immer mehr an Arbeitskräften. Ein Trend, der sich in den kommenden Jahren noch verstärken wird, so Arbeitsmarktexperten. Archivfoto

ins

inga@fla.de

7. maj 2022, 9:59 d. 7. maj 2022, 9:59 kl. 7. maj 2022, 9:59

Düsseldorf. Auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland verschieben sich die Machtverhältnisse: Während Jobsuchende gerade goldene Zeiten erleben, wird es für Unternehmen immer schwieriger, Arbeitskräfte zu finden. 

Auf StepStone.de erreichte die Zahl der Stellenangebote im März 2022 einen Höchstwert. Um 55 Prozent stieg die Zahl der Jobs im Vergleich zum bereits sehr starken März 2021. In Bereichen wie Personal (+85 Prozent), Logistik (+82 Prozent), Pflege (+70 Prozent) und Handwerk (+67 Prozent) entwickelte sich die Nachfrage sogar überdurchschnittlich. Für Jobsuchende bedeutet das: Sie haben zunehmend die Wahl. 

“Unternehmen suchen händeringend neue Mitarbeiter in allen Bereichen – trotz aktueller Unsicherheiten aufgrund des Ukraine-Krieges und der Pandemie”, sagt Dr. Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei StepStone. “In den kommenden Jahren wird die Zahl der offenen Jobs weiter steigen, denn die Erwerbsbevölkerung schrumpft dramatisch. Das Problem der Zukunft heißt nicht mehr Arbeitslosigkeit, sondern Arbeiterlosigkeit. Das wird die Machtverhältnisse grundlegend verändern – zugunsten der Arbeitnehmer.”

Arbeitslosigkeit kann teuer werden

Wenn die Zahl der offenen Jobs steigt und es gleichzeitig immer weniger verfügbare Arbeitskräfte gibt, bedeutet das für Unternehmen: Es wird schwieriger, Mitarbeiter zu finden. 

“Schon heute verzeichnen Unternehmen Umsatzeinbußen, weil sie sehr lange brauchen, um eine offene Stelle zu besetzen. Unternehmen werden daher künftig wesentlich stärker in schnelles Recruiting und langfristige Mitarbeiterbindung investieren müssen. Denn nur so stellen sie ihre Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten der Arbeiterlosigkeit sicher”, sagt Zimmermann.

 Laut einer neuen StepStone-Analyse liegt die “Cost of Vacancy” – also die Kosten, die eine unbesetzte Stelle für das Unternehmen verursacht – bei durchschnittlich 29.000 Euro. In Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden liegen die Kosten sogar bei über 73.000 Euro. 

Besonders teuer ist der leere Schreibtisch im Gesundheitsbereich, wo die “Cost of Vacancy” bei durchschnittlich rund 37.700 Euro liegt, sowie in der IT (37.300 Euro) und im Vertrieb (36.600 Euro). Aber auch im Handwerk (32.600 Euro) und in der Produktion (30.800 Euro) kostet die Arbeiterlosigkeit Unternehmen viel Geld. 

“Wir bei StepStone wollen die Arbeiterlosigkeit bekämpfen und Unternehmen viel schneller mit den richtigen Kandidaten verbinden, indem wir den Recruitingprozess automatisieren, denn bei erfolgreichem Recruiting geht es nicht darum, eine möglichst große Masse an Bewerbungen zu sammeln, sondern in möglichst kurzer Zeit genau die Unternehmen und Menschen zusammenzubringen, die wirklich zueinander passen”, sagt Zimmermann.

Die Jobmarktexperten von StepStone prognostizieren monatlich die Arbeitslosenzahlen. Für April 2022 rechnen sie mit 25.000 weniger Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat und 434.000 weniger Arbeitslosen als im selben Monat des Vorjahres. Die Quote würde damit auf 5,0 Prozent sinken – der niedrigste Wert seit Beginn der Corona-Pandemie. 

“Eine Trendumkehr wird es in den kommenden Jahrzehnten nicht geben. Die Kennzahl für den Arbeitsmarkt der Zukunft und seine Herausforderungen wird bald die Zahl der Arbeiterlosigkeit - also die Zahl der unbesetzten Stellen”, so Zimmermann.