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Arbeiten für die Umwelt muss hier wörtlich gesehen werden.

Arbeiten für die Umwelt muss hier wörtlich gesehen werden. (Foto: Lars Salomonsen)

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Rotstift bedroht Umweltjobs

Soziales

Finanz-Kürzungen um bis zu 17 Prozent in diesem Jahr machen dem Verein »Arbeiten für die Umwelt« in Flensburg-Weiche zu schaffen. »Aber noch sind wir da«, sagt der Technische Leiter, Uwe Borchardt, kämpferisch.

Marc Reese (mr@fla.de)

søn, 12. feb 2012, 19:30

FLENSBURG. Der Verein »Arbeiten für die Umwelt« (AfdU) muss hart anpacken und seit geraumer Zeit mächtig käm-pfen. Weil der Bund die Eingliederungshilfen für Langzeitarbeitslose deutlich kürzte, schleppte sich AfdU mit Exi-stenzsorgen bereits durch das gesamte letzte Jahr. Und auch heute blickt Uwe Borchardt, Technischer Leiter und ehrenamtliches Vorstandsmitglied bei AfdU, trotz mehrerer Entlassungen und Einsparungen durch den Verkauf von Bussen in eine ungewisse Zukunft.

»Wir sind froh, dass wir 2011 überhaupt geschafft haben. Das war im vergangenen Frühjahr nicht absehbar - doch wir sind noch da«, sagt Uwe Borchardt im Gespräch mit Flensborg Avis. Dank der weit mehr als 1000 Stunden ehrenamtlich geleisteter Arbeit durch den Vorstand und Vereinsmitglieder habe der Verein das Vorjahr irgendwie schaffen können, noch dazu »mit einer schwarzen Null« bei den Finanzen, berichtet Uwe Borchardt.

Der Verein musste umdenken und umplanen, seitdem das Jobcenter nur noch 65 statt der zuvor 125 AGH-Stellen (Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandentschädigung, besser bekannt als Ein-Euro-Jobs) an den Verein vermitteln konnte. »Diese 65 Stellen waren allerdings stets besetzt, das hat uns sehr geholfen«, sagt Uwe Borchardt dankbar.

Neue Finanzsorgen

Eine genaue Antwort darauf, wie es für den Verein in diesem Jahr weitergehen soll, fällt dem Diplom-Agraringenieur sichtbar schwer. »2011 wurden wir bereits um 40 Prozent gekürzt, in diesem Jahr dann erneut um bis zu 17 Prozent, das macht sich bemerkbar«, sagt Borchardt. »Auch wissen wir momentan noch nicht, wie sich die neue Reform im Detail für uns auswirken wird.«

Die sogenannte Instrumentenreform tritt am 1. April 2012 in Kraft. Dann benötigen alle Träger und Maßnahmen der Arbeitsförderung eine Zulassung, einhergehend mit weitreichenden Änderungen und Anforderungen für die Träger. »Wie das genau in der Praxis umgesetzt werden soll, müssen wir noch mit dem Jobcenter besprechen. Auf jeden Fall bedeutet das einen Mehraufwand«, sagt Uwe Borchardt.

Fleißarbeit in der Abgeschiedenheit

Ungeachtet dessen wird kräftig gearbeitet, selbst bei eisiger Kälte und Schnee heißt es fleißig schuften, meist an der frischen Luft. An der Amrumer Straße, direkt an den Bahngleisen und in aller Abgeschiedenheit, sieht es nach Idylle aus. Hier gehen die Langzeitarbeitslosen von montags bis donnerstags von 7.45 bis 16 Uhr ihrer Arbeit nach. Immer für sechs Monate. Sie arbeiten unter fachkundiger Anleitung in Bereichen wie Garten- und Landschaftspflege. Sie sägen, sie schrauben, sie hantieren. Und wer sich in der Werkstatt von AfdU genauer umsieht, findet in einem der Räume wunderschöne Insektenhotels, Meisenkästen oder auch Behausungen für Schmetterlinge - alles von Hand gemacht, aus der Hand von Langzeitarbeitslosen.

Uwe Borchardt spricht sehr positiv über seine Mannen (es sind in weit den meisten Fällen Männer, die bei AfdU ihrer Arbeit nachgehen). »Die Fehlzeiten sind sehr gering. Was für uns der Urlaub ist, das ist für diese Menschen die Abwechslung, die sie hier finden«, erklärt Uwe Borchardt. Doch obwohl »mindestens 90 Prozent gerne arbeiten«, wie Uwe Borchardt anmerkt, so weiß gerade er, dass es diese Menschen auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer haben.

Kein Aufschwung für Sockelarbeitslose

»Gerade unsere Klientel, die Sockelarbeitslosen, spüren nichts von einem Aufschwung. Das belegen Untersuchungen sehr genau. Weil eher in diejenigen investiert wird, die eine größere Chance auf den ersten Arbeitsmarkt haben«, sagt Uwe Borchardt. Diese Sockelarbeitslosigkeit, so bemerkt er warnend, zöge sich nun schon durch die zweite oder dritte Generation hindurch.

»Gerade deshalb sind wir auch so wichtig«, betont Uwe Borchardt. »Denn diese Menschen kommen kaputt nach Hause. Sie spüren: ich werde gebraucht.« Ihm wäre es lieb, »wenn es irgendeine gute Lösung gäbe, diese Klienten auch dauerhaft zu beschäftigen. Das würde auch andere Rhythmen in die Familien bringen - und dazu beitragen, dass sich Arbeitslosigkeit nicht vererbt.«

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