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Im Zweiten Weltkieg waren viele Militärflugzeuge in Flensburg stationiert.

Im Zweiten Weltkieg waren viele Militärflugzeuge in Flensburg stationiert. (Foto: FlA)

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Mit alten Fliegern und neuem Buch

Flug-Geschichte

100-jähriges Bestehen des Flughafens Schäferhaus wird im Sommer gefeiert.

Uwe Sprenger (us@fla.de)

mandag, 24. jan 2011

FLENSBURG. Nicht nur der Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Auch der Flugplatz Flensburg-Schäferhaus kann 2011 das erste dreistellige Jubiläum feiern. Am 9. Juli 1911 stieg dort das erste Motorflugzeug auf.

Dieses Jubiläum soll im Sommer gebührend gefeiert werden - wegen der Sommerferien allerdings mit sechswöchiger Verspätung: Am 20. und 21. August finden auf dem Flugplatzgelände zwei Tage der offenen Tür statt. Dabei stehen eine ganze Reihe alter Flugzeuge zur Besichtigung und für Rundflüge bereit. Die Palette reicht von alten Doppeldeckern über die legendäre Ju 52 bis zum alten Lufthansa-Übungsflieger Saab-Safir.

Daneben werden auch Kunstflieger ihr Können am Himmel zur Schau stellen. Außerdem gibt es jede Menge Fallschirm-Formationssprünge. Eine Air-Show mit den Gastfliegern sei aber nicht geplant, berichtete der Vorsitzende des veranstaltenden Luftsportvereins Flensburg, Thomas Liebelt.

Schon kurz vor der Jubiläumsfeier soll ein neuer Band der Reihe »Flensburger Stadtgeschichte« die bewegten 100 Jahre des Flugplatzes in Erinnerung rufen. An dem Buch mit geplanten 150 Seiten arbeiten derzeit Stadtarchivar Dr. Broder Schwensen, der Geschäftsführer der Flensburger Flughafenbetriebsgesellschaft, Manfred Bühring, und andere Fachleute.

Darin wird es nicht nur um die Geschichte der Luftsport-Aktivitäten und der gewerblichen Fliegerei in Schäferhaus gehen. Durch militärische Nutzungen und ihre Folgewirkungen wurde die zivile Nutzung für viele Jahre unterbrochen.

Schon drei Jahre nach dem Start des Flugbetriebes war es mit der zivilen Nutzung von Schäferhaus zunächst wieder vorbei. Von 1914 bis 1918 wurde das Gelände als Militärflugplatz genutzt.

Die dafür errichteten Hallen mussten am Ende des Krieges abgebrochen werden. Damit wurde auch der Neuanfang einer zivilen Luftfahrt erschwert. Erst 1923 nahm der neugegründete »Deutsche Luftverein« wieder einen Übungsbetrieb in Schäferhaus auf. Und es dauerte noch zwei weitere Jahre, bis auch eine gewerbliche Nutzung in Gang kam: Die Fluglinie Hamburg-Kiel wurde nach Flensburg verlängert. Vier Passagiere konnten in der auf der Linie eingesetzten »Dornier Komet« transportiert werden.

Mit der Machtergreifung der Nazis wurde aber erneut ein vorläufiges Ende der zivilen Fliegerei in Schäferhaus eingeläutet. 1937 kam es zur Auflösung des Luftsportvereins. Der Flugplatz, der fortan Fliegerhorst Flensburg-Weiche hieß, durfte nur noch von Maschinen der deutschen Wehrmacht genutzt werden.

Flug-Verbot

Zum Glück dauerte diese Zeit nicht die angekündigten 1000 Jahre. Doch nach Kriegsende sollte noch viel Zeit verstreichen, bis der zivile Luftbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Erst 1951 kam es zur Aufhebung des von den Besatzungsmächten verhängten Verbotes der Segelfliegerei. Und das Motorflugverbot fiel erst vier Jahre später.

Trotzdem wurde von Flug-Enthusiasten bereits 1950 der Luftsportverein Flensburg gegründet. Die Mitglieder mussten sich aber zunächst mit dem Bau von Modellflugzeugen begnügen.

Richtig bergauf ging es mit dem Flugplatz Schäferhaus wieder ab den 60er Jahren. Die neu gebildete Flughafenbetriebgesellschaft sorgte für einen stetigen Ausbau des Platzes. Das zog nicht nur gewerbliche Flieger und Freizeit-Piloten nach Schäferhaus. Anfang der 70er bildete auch die Lufthansa Flugschüler in Schäferhaus aus.

Standortfrage

Der Mitteleinsatz für den Ausbau des Flugplatzes und das Mehr an Flugbewegung fanden aber nicht überall ein positives Echo. Seit den 70er Jahre wurde der Flugplatz-Standort von verschiedenen Seiten immer wieder in Frage gestellt.

Erst Ende des letzten Jahres kam es zu einer neuerlichen Diskussion der Frage, ob Flensburg einen Flugplatz braucht. Und es bedarf keiner prophetische Begabung zu der Vorhersage, dass diese Frage auch nach der bald anstehenden Jubiläumsfeier immer mal wieder aufkeimen wird.