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Der neue schleswig-holsteinische Landesnaturschutzbeauftragte, Holger Gerth. Foto: dpa

Der neue schleswig-holsteinische Landesnaturschutzbeauftragte, Holger Gerth. Foto: dpa (Foto: Carsten Rehder)

Land hat einen neuen obersten Naturschützer

Umwelt

Schleswig-Holsteins Umweltministerin Juliane Rumpf stellte gestern in Kiel den neuen Landesbeauftragten für Naturschutz vor. Holger Gerth (62) will in den nächsten fünf Jahren einiges bewegen. Die Begrenzung des Maisanbaus ist nur ein Thema.

(dpa) (red@fla.de)

tir, 29. nov 2011, 19:15

Kiel. Bauernsohn, promovierter Agrarwissenschaftler und Dozent, seit über 30 Jahren Imker und Schafhalter - Holger Gerth ist für seine neue Aufgabe als Schleswig-Holsteins oberster Naturschützer in Theorie und Praxis bestens gerüstet. Die Frage nach seiner bevorzugten Natur beantwortet der 62-Jährige bodenständig. Er liebt Schleswig Holsteins Wälder, die Seen genauso wie die Küsten. Mit seiner Frau erkundet er die Natur im Norden gerne mit dem Fahrrad. Fernreisen wie vor etwa 15 Jahren einmal nach Kanada sind seine Sache nicht, Urlaub macht er gern in Skandinavien, »wo man nicht so lange fahren muss«.

Der gebürtige Hamburger ist auf dem elterlichen Bauernhof in Schönböken (Kreis Plön) aufgewachsen. Dort hat er Landwirtschaft gelernt. Sein Sohn ist Chef des von Schweinemast zum Reitbetrieb umgestellten Hofes. »Wir haben praktisch eine Generation übersprungen«, sagt Gerth. Er lebt in Schönböken quasi auf dem Altenteil, wie er mit einem Augenzwinkern sagt. Sein Sohn und seine Tochter sind über 30, die beiden Enkel zwei Jahre alt. Alle vier Generationen der Familie leben auf dem eigenen Hof, aber nicht in einem Haushalt.

Zu Bienen hat Gerth eine besondere Beziehung. »Allein schon der Sozialstaat, den die Tiere unterhalten, ist faszinierend«, sagt Gerth. Bienen seien zudem ein Umweltindikator. »Geht s den Bienen gut, geht s der Umwelt gut.« Im Rahmen seiner Doktorarbeit über Landschaftspflege lernte er auch die Bedeutung von Schafen schätzen. Etwa zehn Tiere hält er sich heute im eigenen Obstgarten.

Beruflich war die Landwirtschaftskammer von 1979 bis 2006 seine Wirkstätte - zunächst für das neue Naturschutzreferat. Von 1988 bis 2006 übernahm er die Umweltabteilung. Als Nebentätigkeit leitete er fast zehn Jahre den Landesverband der Wasser- und Bodenverbände. Seit 1982 engagiert sich Gerth als Vorsitzender des Naturschutzvereins Ruhwinkel für das Naturschutzgebiet Fuhlensee in seiner Heimatgemeinde, in der er zwölf Jahre ehrenamtlich Bürgermeister war. Seit 2006 ist Gerth an der Fachhochschule Kiel Lehrbeauftragter für Naturschutz, Umweltschutz und Landespflege. Seit drei Jahren hält er Vorlesungen im Fach Qualitätsmanagement.

Für den Natur- und Umweltschutz opfert Gerth viel Zeit. So engagiert er sich auch im Schleswig-Holsteinischen Heimatbund, im Landesnaturschutzverband oder für die AktivRegion Schwentine-Holsteinische Schweiz.

In den nächsten fünf Jahren als Landesbeauftragter für Naturschutz hat sich Gerth einiges vorgenommen. Er will nicht nur beraten und aufklären, sondern auch gestalten und umsetzen. Als einen von drei Schwerpunkten nennt er die Begrenzung des im Norden gewachsenen Maisanbaus für Futterzwecke und für Biogasanlagen. Durch Monokulturen würden Pflanzenschädlinge verstärkt.

Gerth will auf Fruchtfolge dringen und die sogenannte gute fachliche Praxis als Maßstab einfordern - auch aus Sorge um die Qualität der Böden. Ihn ärgert, dass durch den Maisanbau zunehmend Moorflächen verloren gehen. Außerdem unterstützt Gerth, dass landwirtschaftliche Prämien künftig stärker als bisher nach ökologischen Kriterien gezahlt werden. Auch müsse der Naturschutz eine höhere Wertigkeit als Wirtschaftsfaktor bekommen, etwa im Tourismus.

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